Süddeutsche Zeitung

Bundesliga:Herr Hoffmann will den HSV retten

  • Der frühere Vorstandsvorsitzende des HSV, Bernd Hoffmann, will Präsident des schwer kriselnden Bundesligisten werden.
  • Hoffmann war früher als Boss nicht besonders beliebt; intern wurde er einst als "Verkäufer des HSV" gebrandmarkt.
  • Den Investor Klaus-Michael Kühne holte er ins Boot. Das Verhältnis zum Milliardär könnte er wieder verbessern.

Von Jörg Marwedel, Hamburg

Derzeit hat Bernd Hoffmann so allerlei Termine. Mal guckt er sich ein Landesliga-Tischtennisspiel an, mal ist er bei der Bowling-Abteilung oder den Leichtathleten zu Gast. Der frühere Vorstandsvorsitzende des Hamburger SV will auf die HSV-Bühne zurück - nachdem er 2011 nach acht Jahren keine Mehrheit mehr im Aufsichtsrat bekommen hatte.

Hoffmann, 54, macht gerade bei den Breitensportlern Wahlkampf, um genügend Stimmen für den 18. Februar einzusammeln. Dann entscheiden die Mitglieder des eingetragenen Vereins darüber, ob sie ihren bisherigen Präsidenten Jens Meier bestätigen oder für jenen Mann votieren, unter dessen Führung die Profifußballer des HSV 78 Europapokalspiele absolvierten und zwischenzeitlich in der Uefa-Rangliste bis auf Platz 18 geklettert waren. Inzwischen, übrigens, ist der Klub international auf Rang 132 gelistet. Und schlimmer noch: Am Samstagabend steht mal wieder ein Abstiegsschlager an, diesmal gegen den 1. FC Köln. Deshalb will Hoffmann in dieser Woche öffentlich nichts sagen.

Hoffmann will im Falle seiner Wahl auch seine Beraterfirma auf Eis legen

Dabei hat er einen klaren Plan. Er möchte die Politik der ausgegliederten HSV Fußball AG, die zu 75 Prozent dem Verein gehört, wesentlich mitgestalten. Als HSV-Präsident würde er automatisch in den sechsköpfigen Aufsichtsrat der AG aufrücken. Wird er dort zum Chef bestimmt, könnte er bei den Hamburgern so wichtig werden wie Uli Hoeneß beim FC Bayern, Clemens Tönnies bei Schalke 04 oder Wolfgang Dietrich beim VfB Stuttgart. Die sind ebenfalls Vorsitzende des Kontrollgremiums und prägen damit die Firmenstrategie.

Hoffmann würde zwar nicht direkt ins operative Geschäft eingreifen (das obliegt dem Vorstand), wäre aber wesentlich an der Personalauswahl beteiligt. Und er hätte ein entscheidendes Wort bezüglich des Vorstandsvorsitzenden und auch des Sportchefs mitzureden. Beide werden vom Aufsichtsrat bestimmt.

Für sein angestrebtes neues Amt hat Hoffmann sogar seine Spielerberatungsagentur Lanista Sports Management GmbH auf Eis gelegt. Er will dem HSV drei Jahre ehrenamtlich mit voller Kraft dienen, weil er nach eigener Aussage finanziell so gut aufgestellt ist, um das Comeback zu wagen. Im Wahlkampf lässt er sich von Stephan Rebbe beraten - jenem Werbefachmann, der schon 2014 die "HSVPlus"-Kampagne ausgearbeitet hatte. Damals befürworteten fast 87 Prozent der lange Zeit skeptischen Mitglieder die Ausgliederung der AG und damit auch eine weitere Zusammenarbeit mit dem Milliardär Klaus-Michael Kühne. Der Investor und Gönner hat dem HSV mehrmals die Lizenz gerettet. Hoffmann hatte den Logistik-Unternehmer und HSV-Freund 2010 ins Boot geholt.

Hoffmann als Präsident könnte in Kühnes Sinn sein

Die Kooperation mit Kühne, der zu Hoffmanns Zeiten schon Mittel gegen sogenannte anteilige Transfererlöse bereitgestellt hatte, erwies sich auch in der AG zuweilen als schwierig, weil der HSV-Fan Kühne gern mal öffentlich ausspricht, was ihm missfällt. Und weil Kühnes Vertreter im Aufsichtsrat, Karl Gernandt, jetzt ausscheidet und kein neuer Mittelsmann des Investors auf der Liste der künftigen Aufsichtsräte steht, könnte eine Lösung mit Hoffmann in Kühnes Sinn sein. Wobei Hoffmann schon früher anmerkte, ein Vorstand müsse trotz eines Geldgebers "das Heft des Handelns in der Hand haben". Das war zweifellos nicht immer der Fall.

Hoffmann war als Boss nicht extrem beliebt. 2005 ging sein Versuch, die Profiabteilung auszugliedern, dramatisch schief. Allerdings auch deshalb, weil der HSV als e. V. damals Gewinne machte. Jetzt hofft Hoffmann, der intern einst als "Verkäufer des HSV" gebrandmarkt wurde, auf jene Mitglieder, die genug haben von der dauerhaften Erfolglosigkeit der Fußballer und sich eine Kurskorrektur wünschen. Dass Hoffmann aus seinem Scheitern gelernt zu haben glaubt, hat er bereits zu Protokoll gegeben. Den Versuch, nach der Trennung von Dietmar Beiersdorfer 2009 auch noch die Rolle des Sportchefs zu übernehmen, bezeichnete er im Nachhinein "als eine meiner schlechteren Entscheidungen".

Ob sein Team mit dem Immobilienkaufmann Thomas Schulz (Vizepräsident) und dem einstigen Vertriebsdirektor von Sportfive, Moritz Schaefer (Schatzmeister), gewinnen kann? Schulz ist beim HSV bisher kein Name, Schaefer wickelte damals den Verkauf des Stadionnamens an AOL, später an die HSH-Nordbank ab. Amtsinhaber Jens Meier, Geschäftsführer der Hamburg Port Authority, hat in diesem Duell aber womöglich einen Nachteil: Er ist im Hauptberuf stark eingespannt. Wirtschaftssenator Frank Horch mahnte Meier mehrmals, er könne nicht noch Zeit mehr in sein Hobby stecken, was indirekt so viel heißt wie: Meier als HSV-Aufsichtsratschef ist in der Hamburger Politik nicht erwünscht.

Am 18. Februar haben die Mitglieder die Wahl. Wie die Stimmung an diesem Tag sein wird? Am Tag davor spielen die Profis gegen Bayer Leverkusen.

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SZ vom 18.01.2018/chge
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