Bundesliga: Hannover 96 Trainer Hecking tritt zurück

Schlechte Ergebnisse und mäßige Kommunikation bewegen Hannovers Trainer dazu, seinen Posten aufzugeben. Die Fans haben schon einen Wunschnachfolger im Auge.

Von Jörg Marwedel

Eins kann Dieter Hecking, 44, keiner mehr nehmen: Er ist der Trainer, der bei Hannover 96 in der Fußball-Bundesliga am längsten im Amt geblieben ist. Am 11. September 2009 wären es sogar genau drei Jahre gewesen, nun sind es immerhin annähernd drei, denn am Mittwochabend ist Hecking zurückgetreten. Nach einer ausführlichen Diskussion mit Klubchef Martin Kind und Sportdirektor Jörg Schmadtke hatte Hecking seinen Rücktritt angeboten - die beiden nahmen an. "Diese Entwicklung trifft mich ganz persönlich sehr", sagte Kind am Mittwoch, "ich habe Dieter Hecking als einen besonderen Menschen und Trainer kennen und schätzen gelernt."

Der Rücktritt hat weniger weniger mit den immer umfassender werdenden Protesten der Fans zu tun ("Nimm den Hut, Dieter"). Die sind an Kind seit Monaten abgeprallt wie an einem Schutzschild, weil ihm das Beispiel Werder Bremen mit dem Dauertrainer Thomas Schaaf vorschwebte. Doch abgesehen davon, dass Hecking kein Schaaf ist, hatten die jüngsten Zahlen den Wirtschaftsmann Kind erheblich aufgeschreckt.

28.952 - und damit nur gut die Hälfte der Plätze in Hannovers 49.000-Mann-Arena - waren bei der Bundesliga-Heimpremiere, dem 1:1 gegen Aufsteiger Mainz 05, besetzt. Während die anderen Klubs neue Dauerkarten-Bestmarken aufstellten, sind sie bei Hannover 96 um 2000 auf 16.000 Abo-Tickets gesunken. Dies ist die einzige Sprache, die Kind wirklich versteht. Auch mit Verweigerung kann die Kundschaft einen Trainer vom Hof treiben - zumal, wenn auch andere gegen den Coach sind.

Dieser Tage verkündete ein Spielerberater, auch die Profis seien fast komplett gegen den Übungsleiter Hecking, der nach ausgiebigem Urlaub zunächst recht entspannt daherkam, zuletzt aber wieder mit einem ähnlich muffeligen Gesicht herumlief wie in der krisenhaften Vorsaison. Manche Beobachter behaupten, es habe nahezu keine Kommunikation mehr zwischen Trainer und Spielern gegeben. Im Prinzip komme bei Hecking sein alter Beruf als Polizist immer wieder durch. Er sei kein moderner Trainer, am liebsten würde er, wie früher, nur Anordnungen geben. Die von Kind verbreitete Version, der Coach habe sich zuletzt positiv verändert, konterte dieser in einer Sendung im NDR-Fernsehen: "Ein Dieter Hecking hat sich nicht verändert."

Womöglich war genau das sein Problem. Denn nach dem guten achten Tabellenplatz in der Spielzeit 2007/08 ist es mit Hannover 96 stetig abwärts gegangen. Die Handschrift eines Trainers war schon deshalb nicht zu erkennen, weil insbesondere die als teure Leistungsträger verpflichteten Profis eine lange Krankenakte hatten, Valérien Ismaël zum Beispiel, ebenso Mikael Forssell und Jan Schlaudraff. Und Jan Rosenthal, das 96-Talent, hat sich sieben Muskelfaserrisse in anderthalb Jahren zugezogen, was ebenfalls Fragen aufwirft.

Vor allem aber zweifelten einige an der Vision, die Hecking von Fußball hat. Als vergangene Saison Fans und Medien die Taktik mit nur einem Stürmer kritisierten, gab er indirekt zu, dass die mächtigsten Profis bestimmen, wie gespielt wird. In dieser Saison ließ Hecking mit zwei Spitzen spielen. Das war eine Ansage des neuen Sportdirektors Jörg Schmadtke, der klarmachte, dass er der sportliche Kopf ist, nicht der Trainer. Wer gedacht hat, das Duo Schmadtke/Hecking, das 2006 Alemannia Aachen in die Bundesliga führte, sei ein Herz und eine Seele, hat sich getäuscht.

Die Fans würde nun wohl gerne Mirko Slomka sehen, einen echten Hannoveraner. Das Problem dabei: Slomka ist mit Hecking befreundet. Aber das war Slomka auch mit Ralf Rangnick, jedenfalls, bis er dessen Posten bei Schalke 04 übernahm.

Und der muss weg

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