Schalke 04 zahlt seinem ehemaligen Trainer zwei Millionen Euro als Belohnung für den Einzug ins Pokalfinale und Viertelfinale in der Champions-League. Damit kommt der Verein noch deutlich günstiger weg als bei einem möglichen Vergleich.
Das Wort Drops steht nach der Definition alter Lexika für eine "Süßigkeit, die durch Einkochen von Zuckerlösung" hergestellt wird - meist Fruchtbonbons. Der Begriff Abfindung wird in den üblichen Nachschlagewerken häufig mit "Vergleichszahlung" umschrieben. Um was handelt es sich also, wenn Felix Magath von seinem ehemaligen Verein Schalke 04, wie ein Insider weiß, zwei Millionen Euro erhält, bei denen es sich ausdrücklich "nicht um eine Abfindung", sondern nur um "zwei Drops" handeln soll? Einer der Drops, so die Erklärung des zuverlässigen Informanten, sei ein Dankeschön für das Erreichen des Viertelfinales in der Champions League; die zweite Süßigkeit sei das Dankeschön für das Erreichen des Pokalfinales in Berlin, natürlich unabhängig vom Ausgang des Endspiels gegen den MSV Duisburg.
Bild vergrößern
Erhält zwei Millionen Euro von Schalke 04: Trainer Felix Magath, mittlerweile schon beim VfL Wolfsburg. (© dapd)
Anzeige
Egal, ob Drops oder Abfindung - im Fall Magath wäre eigentlich Zaster das treffendere Wort gewesen.
Bevor sich der Verein und sein ehemaliger Trainer "gütlich und einvernehmlich" getrennt hatten, wie das der Verein am Freitagabend voriger Woche bekundete, war es noch um ganz andere Zahlen gegangen: Magath soll bei Schalke 04 ein Monatsgehalt von 500000 Euro erhalten haben. Noch 27 Monate betrug die Laufzeit seines Vertrages - theoretisch hätte er also Anspruch auf 13,5 Millionen Euro gehabt. Solche Summen werden zwar in der Regel nicht voll ausbezahlt, aber auch bei einem moderaten Vergleich wäre Schalke nicht mit dem Verteilen von Schleckereien davongekommen.
Andererseits: Zwei Millionen Euro verdient ein gewöhnlicher Fan kaum in seinem gesamten Berufsleben - auch für einen gefeuerten Spitzentrainer, der sechs Millionen Euro im Jahr erhielt, sind zwei Millionen Euro kein Klacks, aber auch kein Weltereignis. Offiziell haben beide Seiten "unbedingtes Stillschweigen" über die Modalitäten der Trennung vereinbart. Noch Mitte voriger Woche hatte der Schalker Aufsichtsratschef Clemens Tönnies erklärt, man habe bei der Revision der Bücher Verhältnisse vorgefunden, die dem Verein keine andere Wahl als die Trennung von Magath gelassen hätten. Dieser hatte gekontert, er habe sich "nichts zuschulden kommen lassen". Ende der Woche gab es dann den Kompromiss, dass angebliche Vergehen Magaths, die von diesem bestritten werden, im Nachhinein durch den Aufsichtsrat legalisiert worden seien. Juristische Dribbeleien zum Vorteil für beide Seiten.
Der Verein muss nun nicht unter einer Diskussion über zu hohe Abfindungssummen leiden und Magath muss nicht vors Arbeitsgericht ziehen. Zwei seiner Assistenten, Bernd Hollerbach und Werner Leuthardt, hat er aus Schalke zu seinem neuen Verein, dem VfL Wolfsburg, mitgenommen. Beide sollen vergleichsweise kleine Drops erhalten haben. Bei Schalke gab es angeblich sogar die Überlegung, abzuwarten, ob die beiden unter Verzicht auf alle noch ausstehenden Ansprüche mit Magath weitergezogen wären. Darüber soll Tönnies mit dem Sportdirektor Horst Heldt gesprochen haben, aber die zu zahlende Summe fiel wohl nicht ins Gewicht. An der Kündigung des ehemaligen Sprechers des Vereins, Rolf Dittrich, will der Verein festhalten. Tönnies selbst soll den Magath-Getreuen, dessen Vertrag bis Ende Juni 2012 lief, gefeuert haben. Dittrichs Computer war nach dem Rauswurf vom Verein auf verdächtige Korrespondenz untersucht worden. Als verdächtig galt alles, was Pro Magath und damit gegen die Vereinsführung war. Die Prüfer sollen fündig geworden sein.
Torwartlegende Sepp Maier im Interview. SZ am Wochenende Jetzt lesen ...
- Thema
- Bundesliga RSS
- Bundesliga: Trainermarkt Alleinherrscher zum Kumpeln gesucht 18.03.2011
- Bundesliga: Felix Magath Mensch, Wolfgang! 18.03.2011
- Bundesliga: FC Schalke 04 Rangnick kommt, Magath will Geld 17.03.2011
- Bundesliga: Elf des Spieltags Die Überleiter 21.03.2011
- Leverkusen kauft Bernd Leno Champions League statt Heimat 30.11.2011
- 2 um 2 - Udos Erben "Es liegt nicht an Schweinsteigers Ausfall" 29.11.2011
- Nur noch Platz drei für FC Bayern Vanbommelisiert euch! 29.11.2011
(SZ vom 22.03.2011/jüst)
Freundschaft zwischen den Geschlechtern
Champions-League-Finale



Es ist beschämend, wie auch die sich gerne seriös nennende Sportpresse einen Fussballtrainer immer noch elegant als systemimmanent portraitiert , anstatt endlich herauszuarbeiten, dass Magath längst die Werte wahren Sports mit einer unglaublich skrupellosen Raffgier im wahrsten Sinnes des Wortes kahlgefressen hat. Selbst 17-Jährige werden davon abgehalten, ihrer Schulpflicht bis zum vorgesehenen Ende nachzugehen, wenn der Heuschreckentrainer darin ein Vorteil für sein Geldschaffen erkennt. Ihm war es auch vorbehalten, den Heuschreckenflug umzukehren, als er merkte, dass an alter Raffstätte doch noch ein Hälmchen stehengeblieben zu sein schien. Dass diesem Mann auch bei der SZ noch immer mehr Erwähnung statt Verachtung zugeschrieben wird, kann der anspruchsvolle Leser nur noch als Skandal empfinden. Dabei geht es auch anders: Die anerkennenswerte Aufarbeitung der Affäre Guttenberg, die vielen Zeitgenossen erst die Augen geöffnet hat, wie sehr diese ehrenwerte Gesellschaft bereits Anstand und Vertrauen verspielt hat. Es ist höchste Zeit, dass die SZ endlich diesem unerträglichen Sportgeschäft genauer auf die Finger schaut, anstatt daraus Tag für Tag neue Geschichten zu formulieren, die Fans und Leser nur verblenden und ihnen vorgaukeln, sich in einer intakten und förderlichen Sportschau zu befinden. Haltet endlich ein und stoppt die Magaths!
und galt auch im Falle der Vertragsauflösung.
Bei einem Vertreter steckt das Unternehmen ja auch nicht die verdiente Provision in die eigene Tasche, nur weil man ihn wegen Erfolges kündigte.
"......,denn gewöhnlicherweise besteht bei einer eigenkündigung eines befristet geschlossenen vertrages kein anspruch auf die zahlung der bei weiterbestehendem vertrag zu zahlenden restvergütung. und ja, die höhe ist schon toll... "
Warum behalten Sie Ihren Mist nicht für sich?
Wenn ich zu meinem Chef gehe und 100000 € pro Jahr verlange, läßt er mich höchstens auf meinen Geisteszustand untersuchen.
Wenn Magath soviel Geld verlangt (Er verkauft Meistertitel und Championsligue-Teilnahmen!) und es Vereine gibt, die das bezahlen und Fans, die das finanzieren, ist nicht Magath der Böse.
Allenfalls darf man sich fragen, ob da nicht längst alle Maßstäbe verloren gegangen sind?
da kam der verein ja glimpflich davon. offensichtlich wurde der vertrag fehlerhaft formuliert, denn gewöhnlicherweise besteht bei einer eigenkündigung eines befristet geschlossenen vertrages kein anspruch auf die zahlung der bei weiterbestehendem vertrag zu zahlenden restvergütung. und ja, die höhe ist schon toll... auch die 500.000 pro monat sind nicht ohne - da darf ein otto-durchschnittsverbraucher einige jahre hinarbeiten um dies in summe zu erreichen. aber wenn die spieler schwindelerregende gehälter beziehen, warum dann nicht auch die trainer?
Paging