Bundesliga: 1. FC Köln Umfassende Autorität

Der ehemalige Freiburger Erfolgscoach Volker Finke wird neuer Sportchef beim ewig kriselnden 1. FC Köln. Bei den nötigen Reformen im Verein kann der 62-Jährige auf einen prominenten Bewunderer zählen.

Von Philipp Selldorf

Kenner meinen, die Nachricht, die der 1. FC Köln am Samstagabend gegen 21 Uhr in die Welt setzte, habe bei einigen Verantwortlichen des SC Freiburg für gewisse Erleichterung gesorgt. Volker Finke, 62, unterhält in der badischen Stadt nämlich noch eine Wohnung, und seine angekündigte Heimkehr nach zwei Jahren Trainerarbeit beim japanischen Erstligisten Red Urawa Diamonds wurde bei seinem ehemaligen Arbeitgeber nicht ohne Sorge gesehen. Der Sportclub hat sich zwar eigentlich längst emanzipiert von seinem früheren Generalintendanten, dennoch fürchtete man gefährliche Schwingungen in der Atmosphäre.

Doch jene losen Bedenken wurden zerstreut, als eine Delegation des 1. FC Köln - Geschäftsführer Claus Horstmann und Vizepräsident Jürgen Glowacz - spontan eine Reise nach Japan realisierte und dort Finke für ein Engagement gewann. Finke, der als Trainer des niedersächsischen Provinzklubs TSV Havelse eher unvermittelt in den Profifußball geriet und dann 16 Jahre lang den SC Freiburg nach seinen Vorstellungen umgestaltete, wird dem FC als Sportdirektor zur Hilfe kommen. Sein Vertrag beginnt am 1. Februar, dauert zweieinhalb Jahre und garantiert umfassende Autorität.

Finke wird für den Nachwuchs, das Scouting und die sportliche Strategie zuständig sein. Die Kompetenzen von Cheftrainer Frank Schaefer sollen durch die Verpflichtung aber nicht berührt werden. Man darf sogar die Prognose wagen, dass der Transfer des Fußball-Fachmanns Finke die Position des Bundesliga-Neulings Schaefer stärkt. In sportlichen Auffassungen dürften sich die beiden gut ergänzen.

Stärkung für Schaefer

Weitere Prognosen sind dem höchsten Falschmeldungsrisiko unterworfen. Finke hat zwar in Freiburg gleichermaßen als Trainer wie als Sportchef gearbeitet, in Köln wird er jedoch Berufsanfänger sein. Der FC ist kein einfach zu beherrschender Klub, das Milieu in der Stadt ist tückisch. Die Entlassungen des Trainers Zvonimir Soldo und des Managers Michael Meier sowie die rebellische Stimmung im Fanvolk gegen den Präsidenten Wolfgang Overath haben bei den Verantwortlichen aber zur Erkenntnis geführt, dass der Verein sportlich und strategisch erneuert werden muss. Dass jene Reform in Finkes Hände gelegt wird, erscheint manchen Beobachtern widersprüchlich. Finke hatte in Freiburg eine strenge Alleinherrschaft praktiziert, wie soll er also mit Overath zurechtkommen, der nicht von seinem Einfluss lassen will?

Doch eben dieser Overath ist ein großer Bewunderer Finkes, schon vor zweieinhalb Jahren wären die beiden beinahe beim FC zusammengekommen. Damals erholte sich Finke noch von der unfreundlichen Trennung vom Sportclub, Overath wollte ihn als Trainer einsetzen, falls Christoph Daum den - damals zweitklassigen - Verein verlassen würde; was er aber nicht tat. Finke wagte dann den Schritt nach Japan, und der hat ihm angeblich den nötigen Abstand zu seiner Freiburger Periode verschafft.

Wenn er bald in Köln die Arbeit aufnimmt, wird er die laufende Saison eher als Zuschauer verfolgen. Die Planungen für die Rückrunde, inklusive der nötigen Verstärkungen, laufen ohne ihn. Finke ist als Lösung für die Zukunft vorgesehen. Ob diese Zukunft in der ersten Liga liegt, müssen zunächst andere klären. Beim 0:3 in Schalke wurde Köln "phasenweise überrollt", wie Trainer Schaefer befand - ohne aber melancholisch zu werden: "Wir müssen uns an den Gegnern in unserer Schlagweite orientieren."

Raúl, Raúl, Raúl

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