Bayern-Niederlage gegen Manchester Doch nur Menschen

Neues Gefühl in der Champions League: Die Bayern-Profis verlassen als Verlierer den Platz

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Nach zwölf Minuten hatten die Zuschauer mit allem gerechnet: Auch mit einem neuerlichen 7:0. Doch dann geschieht etwas mit der Bayern-Elf, die zuletzt die Gegner demütigte. Am Ende verlieren die Münchner 2:3 und müssen sogar noch froh sein, als Gruppenerster das Achtelfinale zu erreichen.

Um 20.57 Uhr schien es eine gute und eine schlechte Nachricht für Manchester City zu geben. Die gute: Zwölf Minuten hatten sie schon überstanden. Die schlechte: Mindestens 78 Minuten hatten sie noch vor sich - und das mit einem bedenklichen 0:2-Rückstand im Gepäck und mit dem beunruhigenden Wissen, dass ihr Gegner, der FC Bayern, vor ein paar Tagen erst 7:0 gewonnen hatte.

Aber 78 Minuten später hatten sich alle Ängste verflüchtigt, die Engländer rissen die Arme hoch und bestaunten an der Anzeigentafel ein Ergebnis, das sie weder nach zwölf noch nach 32 oder 52 Minuten für möglich gehalten hätten: Sie hatten tatsächlich in München gewonnen! Aus dieser einen Sensation ergab sich eine zweite Sensation: Die Bayern hatten tatsächlich verloren. Es war erst die dritte Pflichtspiel-Niederlage im Kalenderjahr 2013, nach dem unbedeutenden 0:2 gegen den FC Arsenal in der vergangenen Champions-League-Saison und dem 2:4 im Supercup gegen Dortmund. Ohne es zu merken, war den Bayern nach einer lässigen 2:0-Führung das Spiel entglitten, am Ende reichte dieses seltsame 2:3 (2:1) gerade noch den Gruppensieg.

"Wir sind Erster, das war unser Ziel, deshalb können wir mit dieser Niederlage leben", sagte Kapitän Philipp Lahm, aber er vergaß nicht darauf hinzuweisen, "dass man es nach einer 2:0-Führung eigentlich besser spielen muss als wir heute". Als Gruppenerster trifft der FC Bayern im Achtelfinale auf einen Gruppenzweiten; er entgeht somit Teams wie Real Madrid, Paris St. Germain oder wahrscheinlich auch dem FC Barcelona, denen man in der Runde der letzten Sechzehn noch nicht so gern begegnet. Vielleicht sei es "notwendig gewesen, mal zu verlieren", sagt Trainer Pep Guardiola, "das zeigt den Leuten, dass die Champions League kompliziert ist, auch die Bundesliga ist schwer". Diese Erkenntnis sei den Leuten "schwer zu verkaufen, wenn man immer gewinnt". Auch das gehört offenbar zum Trainer Guardiola: Er kann brummig werden, wenn man gewinnt, er will dann noch höher gewinnen, noch besser spielen. Aber wenn man verliert, kann er durchaus milde sein.

Am Anfang hatte nicht viel darauf hingedeutet, dass die Gäste hier drei Tore schießen könnten, man könnte auch sagen: Nichts hatte darauf hingedeutet. Nach dem Anpfiff hatte es keine fünf Sekunden gedauert, bis Franck Ribéry erstmals im Strafraum der Gäste auftauchte. Damit war das zentrale Manöver der Engländer eigentlich durchkreuzt: Manchester hatte sich vor dem Spiel ja alle Mühe gegeben, sich so klein wie möglich zu machen.

Das Liga-Spiel am Wochenende sei viel wichtiger, sagten sie, und um diesen Eindruck zu unterstreichen, setzten sie Abwehrchef Vincent Kompany und die Angreifer Sergio Agüero und Alvaro Negredo auf die Bank. Auch beim rituellen Mittagessen der Klubbosse, so war später zu hören, sollen Manchesters Delegationsmitglieder betont demütig aufgetreten sein, nach dem Motto: Uns ist das Spiel gar nicht so wichtig, Ihr gewinnt das eh! Aber wie gesagt: Nach fünf Sekunden stand Ribéry erstmals im Strafraum. Und nach 12 Minuten stand es 2:0.

Eine Viertelstunde lang zerteilten die Bayern ihren Gegner nach allen Regeln der Kunst: Erst übertölpelte Dante Manchesters Abwehr mit einem langen Ball, den sich Thomas Müller schnappte und ins Tor schoss (5.). Diesem frühen 1:0 folgte ein frühes 2:0, als Mario Götze nach einer Ecke von Toni Kroos und ein paar vorbereitenden Stocherarbeiten von Mario Mandzukic trocken abschloss (12.). Beide Male standen die Schützen scharf an der Kante zum Abseits - oder eher: knapp über der Kante. Am Anfang kombinierten die Bayern flüssig und sie attackierten scharf, mit Thiago auf der Sechs und dem wiedergenesenen Philipp Lahm auf der alten, fast schon vergessenen Außenverteidiger-Position. Und Manchesters sündteure Profis erweckten zu diesem Zeitpunkt nicht unbedingt den Eindruck, als würden sie sich jeden Tag im Training begegnen.