Australian Open Die Australien Open werden zum Novak Slam

2016 Australian Open - Day 14 MELBOURNE, AUSTRALIA - JANUARY 31: Australian Open champion Novak Djokovic of Serbia holds the Norman Brookes Challenge Cup as Andy Murray of Great Britain looks on after the Men's Singles Final during day 14 of the 2016 Australian Open at Melbourne Park on January 31, 2016 in Melbourne, Australia. (Photo by Scott Barbour/Getty Images)

(Foto: Getty Images)
  • Andy Murray wirkt nach seiner erneuten Niederlage im Finale der Australian Open wie der ewige Zweite.
  • Novak Djokovic dagegen hängt seine Verfolger immer weiter ab. Zur Zeit, scheint es, kann er sich nur selbst besiegen.
  • Murray hatte mit einer hochschwangeren Frau und einem schwer verletzten Schwiegervater aber auch private Sorgen.
Von Gerald Kleffmann, Melbourne

Einen Moment zögerte Andy Murray, bevor er bei der Siegerehrung ans Mikrofon schritt. Er schaute noch einmal auf den Boden, mit diesem typischen melancholischen Murray-Blick. Dann sprach er: "Es fühlt sich an, als wäre ich vorher schon mal hier gewesen." Er schmunzelte.

Wenn Murray irgendwann einmal seine Memoiren niederschreiben sollte, kann er ein Kapitel dem Thema "Wie verliert man auf faire Art Finalspiele bei den Australian Open" widmen. Seit Sonntagabend steht fest: Es gibt nur zwei Profis im Männer- tennis, die fünfmal ein Endspiel bei Grand-Slam-Turnieren verloren haben: Ivan Lendl - das war der mit den fletschenden Zähnen und den Sägespänen in der Hosentasche. Und Murray. Das ist der, der die Zuschauer in der Rod Laver Arena nun zum fünften Mal berührte. Der Schotte und Melbourne, das ist ein enges Verhältnis. 2016 war es sogar sehr emotional. Aber als Champion hat Murray hier noch nie die Siegerehrung verlassen.

Nie war die Lücke zwischen Djokovic und seinen Verfolgern so groß

"Ich habe keine Ahnung, wie weit ich von ihm weg bin", analysierte der 28-Jährige und verwies auf den ersten Satz, in dem er "praktisch nicht da" gewesen sei. Der Mann, der umso mehr da war, hieß Novak Djokovic. Der Serbe und Melbourne, das ist ein Verhältnis, das von Jahr zu Jahr ein neues Erfolgsdetail beinhaltet. Nach dem 6:1, 7:5, 7:6 (3) durfte sich der 28-Jährige aus Belgrad zum sechsten Mal die Trophäe namens Norman Brookes Challenge Cup unter den Arm klemmen. "Ich setze mir keine Grenzen", sagte Djokovic. "Ich akzeptiere nur, wenn ich absolut positiv in ein Match gehe." So gesehen muss er sich nicht besonders kritisieren. Noch nie war die Lücke zwischen ihm und seinen Verfolgern so groß wie jetzt, da er gleich beim ersten Grand-Slam-Turnier 2016 da weitermacht, wo er 2015 aufgehört hat: überlegen die Konkurrenz zu deklassieren.

Famoser Djokovic siegt in Melbourne und bringt Becker zum Weinen

Der Weltranglistenerste aus Serbien besiegt Andy Murray in drei Sätzen - und stellt den Rekord eines Australiers ein. mehr ...

Die neuesten Bestmarken von Djokovic lauten: Nur die australische Ex-Größe Roy Emerson hat wie er sechsmal in Melbourne gesiegt. Mit elf Grand-Slam-Titeln schloss er zu Björn Borg und Rod Laver auf; Nur Roger Federer (17 Grand-Slam-Titel), Rafael Nadal und Pete Sampras (je 14) sowie Emerson (zwölf) liegen noch vor Djokovic. "Am Ende des Tages kämpfst du am meisten mit dir", sagte der bereits vor seinem 19. Finale bei einem der vier wichtigsten Turniere. Man kann das so interpretieren: Ihm gehen die Gegner aus. Er muss sich selbst herausfordern.