Assistent für Heynckes Viel Getöse um einen leisen Mann

Folgt Peter Hermann seinem alten Freund Jupp Heynckes nach München? Düsseldorf wird's nicht freuen.

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Jupp Heynckes wünscht sich für seine Bayern-Rückkehr seinen alten Weggefährten und Fortuna-Assistenten Peter Hermann an die Seite. Dadurch geraten Düsseldorfs Saisonziele in Gefahr.

Kommentar von Klaus Hoeltzenbein

Nichts gegen moderne Suchmaschinen, mit Historie kennen die sich aus. Wer beispielsweise bei der Internet-Fahndung hinter dem Begriff "FC Bayern" ein "Fortuna" und dann den Buchstaben "D" für "Düsseldorf" eintippt, wird ohne Umweg auf ein "7:1" geleitet. Ein 7:1 - mal nicht für die Münchner, sondern für Düsseldorf. Dieses Siebeneins vom Dezember 1978 ist legendär: Klaus Allofs (2), Seel (2), Zimmermann und Günther (2) blieben als Torschützen im ewigen Gedächtnis der Fortuna, während auf der Gegenseite Karl-Heinz Rummenigge litt.

Es ist ein Name, der alle Fortunen nun schmerzhaft daran erinnert, was seit jenem 7:1 geschah. Die Münchner, deren Vorstandsboss Rummenigge heute ist, entwickelten sich zum Klub von Welt. Die Düsseldorfer taumelten quer durch alle Klassen, stürzten ab bis in die vierte Liga. Fortuna geriet ans Ende der Nahrungskette des Fußballs, dorthin, wo sich nur noch die Konkurrenz bedient.

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Jetzt begehren die Münchner plötzlich den Trainer der Fortuna, nicht deren Chef Friedhelm Funkel, sondern dessen sehr leisen Assistenten Peter Hermann. Und selbst wenn über Nacht finanziell lukrativ Einigung erzielt werden würde, wenn Heynckes in München seinen alten Mastermind, der ihm 2013 beim Triple-Gewinn half, wieder an die Seite gestellt bekäme - was für die Bayern in ihrer Not wichtig ist, wäre für Fortuna ein ganz herber Nackenschlag.

Für Trainer gibt es, anders als für Spieler, keinen Transferschluss

Nicht nur, weil ein solcher Transfer bestätigen würde, dass man sogar als Zweitliga-Tabellenführer noch immer hintendran steht in der Nahrungskette. Sondern weil die Saisonziele gefährdet wären. Fortuna will nach oben, und spätestens seit vorigem Montag, seit dem spektakulären 3:1 im Derby gegen Duisburg, herrschte Partystimmung in der Stadt. Nun aber stört, dass es für Trainer, anders als für Spieler, keinen Transferschluss gibt, Trainer werden ganzjährig gehandelt. Ein Irrtum war es also, als die Fortuna dachte, sie habe im August ihr Opfer an die Marktgesetze bereits gebracht: dass sie ihr Talent Ihlas Bebou gegen fünf Millionen Euro zu Hannover 96 ziehen ließ, hat offenbar nicht genügt.

Spieler gehen allein, Trainer werden heute als (Funktions-)Paket gehandelt. Kurz nach dem Auszug der Familie Ancelotti aus München muss das Heynckes-Paket völlig neu geschnürt werden. Die Fortuna wird sich gut honorieren lassen, aber es bleibt Schmerzensgeld, verliert sie doch mit Hermann auch ihr frisches Image. Denn im neuen Jugendrausch des deutschen Profi-Fußballs waren die Fortuna-Chefs als eine Art Kontrastmittel zu all den jungen Nagelsmännern unterwegs. Als fideles Senioren-Trio mit Funkel, 63, Hermann, 65, und Sportvorstand Erich Rutemöller, 72, an den Instrumenten. Wechselt Hermann nun rüber zu Heynckes, werden die Oldies dort gespielt. Sie holen ihre Band zurück! Mit dem Comeback von Hermann "Tiger" Gerland, 63, ist jederzeit zu rechnen.

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