Affäre um Fußball-WM 2006 Theo Zwanziger sagt als Beschuldigter beim Staatsanwalt aus

Der frühere DFB-Präsident Theo Zwanziger

(Foto: AFP)
  • Der frühere DFB-Präsident sieht sich nach der Vernehmung in seiner Ansicht bestätigt, dass die Verschiebung der 6,7 Millionen Euro für der WM 2006 deutlich früher hätte aufgeklärt werden müssen.
  • Zwanziger war im März 2012 als Verbandschef von Wolfgang Niersbach abgelöst worden, der im November 2015 wegen der WM-Affäre zurücktrat.
  • Der Staatsanwaltschaft liegen interne Vermerke des DFB vor, die dokumentieren, dass in der Verbandsspitze um Niersbach vor der Enthüllung der Affäre schon vieles bekannt war.
Von Hans Leyendecker und Klaus Ott

Theo Zwanziger ist Rechtsanwalt a.D. und war früher mal Richter, Verwaltungsrichter. Der 70-Jährige kennt sich also aus mit Justizfällen. Jetzt kümmert er sich um sein eigenes Verfahren mit dem Aktenzeichen 931 Gs - 7740 Js 242375/15. Am Mittwoch war Zwanziger bei der Staatsanwaltschaft Frankfurt und sagte aus, was er über die Affäre um die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 weiß.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den früheren Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung in einem besonders schweren Fall. Der DFB soll die vor der WM 2006 verschobenen 6,7 Millionen Euro zu Unrecht als Betriebsausgaben beim Fiskus geltend gemacht haben. Weitere Beschuldigte sind Zwanzigers Nachfolger als DFB-Präsident, Wolfgang Niersbach, sowie der frühere Generalsekretär und Schatzmeister Horst R. Schmidt. Alle drei weisen den Vorwurf zurück.

Zwanziger sagte am Freitag der Süddeutschen Zeitung, er sei nach seiner Vernehmung "weiterhin sehr zuversichtlich, dass das Verfahren für mich gut ausgeht". Und er sehe sich in seiner Auffassung bestätigt, dass die Verschiebung der 6,7 Millionen Euro schon deutlich früher hätte aufgeklärt werden müssen, nämlich nach Bekanntwerden der ISL-Schmiergeldliste im Juli 2012. Die Marketingfirma ISL hatte einst hohe Funktionäre des Weltverbandes Fifa mit hohen Millionenbeträgen bestochen und war später pleite gegangen.

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Umfangreiches Material sichergestellt

Die Frankfurter Staatsanwaltschaft hat beim DFB umfangreiches Material sichergestellt, das unter anderem Aufschluss darüber gibt, was in den Jahren und Monaten vor der Enthüllung der Affäre durch den Spiegel im Oktober 2015 in der Verbandsspitze geschah. Die im Sommer 2012 öffentlich bekannt gewordene ISL-Schmiergeldliste war im DFB abgeheftet worden, ohne dass der Verband der Vermutung nachgegangen wäre, eine bestimmte Zahlung kurz vor der Vergabe der WM 2006 nach Deutschland durch die Fifa könnte in Zusammenhang mit dieser Entscheidung gestanden haben.

Weitere DFB-Unterlagen dokumentieren, dass der DFB im Juni 2015 deutliche Hinweise auf die Verschiebung der 6,7 Millionen Euro durch das von Franz Beckenbauer geleitete Organisationskomitee (OK) der WM 2006 erhalten hatte und dass dies monatelang ein Thema für den damaligen Präsidenten Niersbach gewesen war, ohne dass dieser das Verbandspräsidium eingeschaltet hatte.

"Niersbach nicht!"

Zu diesen Unterlagen gehören auch Vermerke etwa des damaligen Vize-Generalsekretärs Stefan Hans, der wegen der WM-Affäre im Herbst 2015 vom DFB fristlos gekündigt wurde und der beim Arbeitsgericht Frankfurt dagegen klagt. Der Vermerke von Hans lesen sich teilweise entlastend für den damaligen Verbandschef Niersbach. Der Vize-General notierte, Niersbach versichere, mit der Millionen-Schieberei nichts zu tun gehabt zu haben; das klinge "überzeugend". Von diesem Vorgang seien andere betroffen. "Niersbach nicht!" Oder: "WNi nicht."

Das wirft die Frage auf, ob Hans seinem Chef Niersbach helfen sollte, im Amt bleiben zu können? Angeblich hatte der damalige DFB-Präsident seinen Vize-General gebeten, dass dieser aufschreibe, was er mit wem besprochen habe. Ob das mit der Bitte zutrifft, ist derzeit nicht zu klären, da sowohl Niersbach wie auch Hans keine Presseanfragen beantworten.

Wollte Niersbach sich damals absichern, um seinen Job als DFB-Präsident zu retten? Daraus ist bekanntermaßen nichts geworden. Niersbach musste wenig später gehen.

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