Abstieg des 1. FC Köln Abschied ohne Rückfahrschein

Köln steigt anders ab als im Vorjahr der verwandte Klub aus Frankfurt. Im Gegensatz zur Eintracht nimmt der FC kein wettbewerbsfähiges Team mit in die zweite Liga, er hat kein Guthaben auf der Bank, bloß Schulden. Es ist daher auch Unsinn zu glauben, der Abstieg sei eine Art Arznei zur Läuterung und Erneuerung.

Ein Kommentar von Philipp Selldorf

Der Westen leuchtet nach dem Abschluss der 49. Saison wie nie zuvor in der Bundesliga-Geschichte. Dortmund Meister, Schalke Dritter, Mönchengladbach Vierter, Leverkusen Fünfter. Nur der 1. FC Köln bildet die ruhmlose Ausnahme am anderen Ende der Tabelle. In der Stadt herrschen jetzt natürlich Trauer und Entsetzen, aber es wird nicht viele Leute geben, die die Vertreibung in die zweite Liga als unverdientes Unglück betrachten.

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Dass der patriotische Trainer Frank Schaefer klagte, dieser Abstieg sei "brutal unnötig", ist kein Widerspruch. Er berief sich lediglich auf das Charisma des FC. In der Praxis ging von seinen guten Eigenheiten aber keine gute Wirkung aus, im Gegenteil.

Schaefer führte "Kraft und Größe" des Vereins an, das tolle Stadion und die leidenschaftlichen Fans. Aber nicht wenige dieser Fans sind dem Klub in ihrer total verirrten Auffassung von Treue und Glauben zur Plage geworden. Die Kraft, die im Verein steckt, hat der Klub nahezu mutwillig zur Selbstzerstörung verwendet. Das tolle Stadion bewirkt nichts, wenn die Mannschaft darin nicht zu spielen versteht.

An Stale Solbakken führt kein Weg vorbei, wenn man die sportlichen Probleme des Teams besieht. Der Norweger kam mit dem Renommee, in Kopenhagen drei Meister- titel gewonnen zu haben. Aber den Alltag und den Kraftfußball der Bundesliga hat er nicht verstanden. Theorie und Praxis fanden bei ihm nie zusammen. Solbakken vertraute auf die Überlegenheit seiner Strategie, Konditionsarbeit hielt er für nebensächlich, Kompromisse lehnte er ab.

Da konnte der charmante Mann sehr stur sein. Anderswo hätte ihm vielleicht der Sportchef helfen können, aber in Köln hieß der Sportchef Volker Finke. An den Schaltstellen im Klub saßen Männer, die die Zusammenarbeit verweigerten. Letztlich spiegelten sich die Disharmonien in einer zerrissen auftretenden, zudem mangelhaft besetzten Mannschaft. Lukas Podolski, der als Übergröße sozusagen das Spielprinzip bildete, hat darüber in ein paar Partien hinweghelfen können. Nicht aber in einer ganzen Saison.

Köln steigt anders ab als im Vorjahr der artverwandte Klub aus Frankfurt. Anders als die Eintracht nimmt der FC kein wettbewerbsfähiges Team mit in die zweite Liga, er hat kein Guthaben auf der Bank, bloß Schulden. Geld ist aber ein wesentlicher Faktor für Erfolg, es ist daher auch Unsinn zu glauben, der Abstieg sei eine Art Arznei zur Läuterung und Erneuerung. Vor allem bedeutet der Abstieg, dass es keinerlei Garantie auf Rückkehr gibt.

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