23. November 2012, 23:11 Klaus Allofs im Interview "Ich wechsle eigentlich selten"

Es ist eine unfassbare Gemeinheit des Spielplans: Klaus Allofs, der neue Manager des VfL Wolfsburg, trifft gleich in seinem ersten Heimspiel auf seinen langjährigen Klub Werder Bremen. Im Interview mit der Süddeutschen Zeitung spricht Allofs über seinen Auftrag, Wolfsburg sympathischer zu machen - und über den Vorwurf, er habe mit dem Wechsel seine Ideale verraten.

Klaus Allofs will bei Toren gegen seinen alten Klub nicht aufs Jubeln verzichten: "Ich kann nicht erkennen, was daran respektlos sein sollte."

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Klaus Allofs arbeitete 13 Jahre lang als Manager bei SV Werder. Er galt als Vorbild für Kontinuität in einer zunehmend schnelllebigen Branche. Seit seinem spektakulären Wechsel zum VfL Wolfsburg in der vergangenen Woche, steht er plötzlich als Sinnbild des modernen Söldnerfußballs dar. Auch einige Manager-Kollegen aus der Bundesliga haben ihn öffentlich kritisiert. Etwa Christian Heidel vom FSV Mainz 05 oder Max Eberl von Borussia Mönchengladbach. "Christian Heidel kennt doch gar nicht meine Beweggründe", hält Allofs dagegen. Er wehrt sich vehement gegen den Verdacht, er habe seine Bremer wegen des Lockrufes des Geldes im Stich gelassen. "Das hat mit Neugier zu tun. Ich bin 13 Jahre auf einer breiten Straße gefahren und niemals abgebogen. Zuletzt wurde diese Straße immer enger, es gab immer mehr Abzweigungen. Und jetzt habe eben ich mal eine genommen", sagt Allofs.

Auch dem von Eberl ins Spiel gebrachten Vorschlag, ein Transferfenster für Manager einzuführen, erteilt Allofs eine Absage. Aus seiner Sicht passe der Zeitpunkt seines Wechsels mitten in der Saison sogar sehr gut: "Wäre denn der Moment am Ende der Saison besser, wo dann gleich wieder die ganz großen Entscheidungen anstehen? Ich denke nicht."

Bei seinem neuen Klub startet der 55-Jährige mit dem klaren Auftrag, den VfL sympathischer zu machen. Der Plan ist offensichtlich, ein Stück Werder nach Wolfsburg zu holen. "Die Verantwortlichen beim VfL haben wahrgenommen, dass es in Bremen eine Philosophie gibt, die vielleicht auch in Teilen zu Wolfsburg passen könnte. Es wird aber schon alleine deshalb keine Eins-zu-Eins-Kopie des Modells Allofs-Schaaf geben, weil hier noch keine Sekunde darüber nachgedacht wurde, Thomas Schaaf zu verpflichten", versichert Allofs.

Sein erster konkreter Arbeitsschritt besteht nun darin, den von Vorgänger Felix Magath angehäuften Kader von 34 Profis zu verkleinern. Es sei augenscheinlich, dass sich an dieser Stelle in der Winterpause etwas ändern müsse, "weil jeder Spieler eine realistische Perspektive haben sollte", kündigt Allofs an. Dass er am Samstag (15.30 Uhr) ausgerechnet in seinem ersten Wolfsburger Heimspiel auf seine alte Liebe Werder Bremen trifft, versucht er mit professioneller Nüchternheit hinzunehmen. "Natürlich wird das ein schwerer Tag für mich", räumt Allofs ein. Er will sich deshalb aber keineswegs davon abhalten lassen, im Fall der Fälle Treffer des VfL Wolfsburg zu bejubeln: "Wer ein Tor schießt, wird sich freuen. Ich kann nicht erkennen, was daran respektlos sein sollte."

Das komplette Interview lesen Sie in der Wochenendausgabe der Süddeutschen Zeitung und auf dem iPad.