2. Dezember 2012 12:34 Dortmunds Torwart Weidenfeller Mit besten Grüßen an den Bundestrainer

Einen Gewinner hat es beim Unentschieden zwischen dem FC Bayern und Borussia Dortmund doch gegeben: BVB-Torwart Roman Weidenfeller. Mit seinen bemerkenswerten Paraden in der Schlussphase empfiehlt er sich für die Nationalmannschaft. Sogar Bayerns Trainer Heynckes hält seine Berufung für geboten.

Aus dem Stadion von Maik Rosner

Einen Gewinner hatte der Abend in München doch hervorgebracht, und der schlenderte mit einem vergnügten Lächeln aus der Kabine. Weit kam Roman Weidenfeller allerdings nicht, es galt ja viele Fragen zu beantworten nach diesem 1:1 von Borussia Dortmund beim FC Bayern München.

Vor allem sollte der 32-Jährige nun noch einmal von seinen bemerkenswerten Paraden in der Schlussphase erzählen, mit denen er den Meister vor einer möglichen, wenngleich unverdienten Niederlage beim Tabellenführer und Hinrundengewinner bewahrt hatte. Doch der Torwart hatte eine andere Kernbotschaft, die er unters Volk bringen wollte. Sie lautete: "Der Herbstmeister ist gegessen, aber dafür kann man sich nichts kaufen. Die Meisterschaft ist weiter komplett offen." Er grinste.

Roman Weidenfeller hat der Fußball-Gemeinde schon einige hübsche Sätze und viele ebensolche Paraden beschert. Besonders haften geblieben neben seinen herausragenden Leistungen war dabei eine Einordnung, die er nach dem ersten der beiden jüngsten Meistertitel gegenüber einem TV-Sender aus Dubai auf, nun ja, Englisch, vorgenommen hatte . "We have a grandios Saison gespielt", ließ er damals wissen.

Es ist bedauerlich, dass das Gipfeltreffen der Bundesliga nun zwar in 203 Ländern übertragen worden ist, aber offenbar keine weiteren Sprachblüten hervorgebracht hat. Dafür aber darf Bundestrainer Joachim Löw eine weitere Empfehlung in der anhaltenden Debatte um seine Personalauswahl zur Kenntnis nehmen. Nach den vielen Befürwortern für Bayer Leverkusens Angreifer Stefan Kießling werden nun auch jene Stimmen lauter, die eine Berufung Weidenfellers für geboten halten.

Dessen Dortmunder Trainer Jürgen Klopp merkte nach dem 1:1 mit besten Grüßen an Löw zunächst spitz an: "Dass er ein guter Torwart ist, haben jetzt alle noch einmal gesehen." Wenig später sagte Bayerns Trainer Jupp Heynckes, er wolle dem Bundestrainer ja nicht in seine Belange reinreden, um dann genau das doch irgendwie zu tun. "Ich habe es im internen Kreis bei uns schon gesagt: Er ist zweimal hintereinander deutscher Meister geworden, dazu Pokalsieger. Das ist ein Torwart, der es verdient hat, auch international zu spielen." In der Nationalmannschaft, sollte das heißen, und zumindest als Nummer drei hinter Bayerns Manuel Neuer und dem kürzlich im Eilverfahren in die Auswahl zurückbeorderten René Adler vom Hamburger SV.

Auch Uli Hoeneß lobte den 32 Jahre alten Torhüter ausdrücklich. "Was Weidenfeller gehalten hat, war allererste Sahne. Wir haben die Torchancen leider nicht machen können, weil wir gegen einen überragenden Torwart gespielt haben", befand der Präsident des FC Bayern.

Für Weidenfeller waren die Elogen und die damit neuerlich angestoßene Debatte eine angenehme Begleiterscheinung des Topspiels. Mit seiner Einschätzung, die elf Punkte Rückstand auf die Bayern noch aufholen zu können, nahm er allerdings eine ähnlich exponierte Stellung beim BVB ein wie in den Schlussminuten, als er dreimal gegen Javi Martínez, Toni Kroos und Thomas Müller herausragend reagiert hatte.

"Wir sind ja keine Phantasten", sagte Dortmunds Manager Michael Zorc realistisch, "die Bayern spielen so souverän, dass du nicht davon ausgehen kannst, dass du noch acht oder elf Punkte aufholst." Acht Zähler sind es für Münchens ersten Verfolger Bayer Leverkusen.

Überdies sei es im zurückliegenden Vierteljahrhundert ja auch nur einem Verein gelungen, dreimal in Folge den Titel zu gewinnen, merkte Zorc an. Das waren die Bayern. Sie haben den Titel schon so gut wie abgeschrieben in Dortmund, zumal man bisher "in der Liga nicht so überragend" auftrete, wie Zorc befand. Er sah sich deshalb wohl auch zu der Mahnung veranlasst, der BVB solle sich als Tabellendritter nicht zu sicher fühlen, was die erneute Qualifikation für die Champions League angeht, zumal die Mannschaft dort diesmal ja auch im Frühjahr noch gefordert sein wird. "Es ist alles kein Selbstläufer. Wenn Bayern vorneweg rennt, sind wir nicht automatisch Zweiter", sagte Zorc.

Roman Weidenfeller, der Gewinner des Abends, sah das alles für den Moment ein bisschen anders. Er hatte die Münchner ja auch sehr gekonnt ausgebremst. Oder wie er hoffentlich so oder ähnlich doch irgendwo der Nachwelt hinterlassen haben mag: "I have a grandios Gipfelmeeting gespielt."