2:5-Niederlage in der Bundesliga Leipzig versinkt erneut in einer Gegentorflut

Fassungslos: Leipzigs Trainer Ralph Hasenhüttl.

(Foto: AFP)
  • RB Leipzig verliert zu Hause 2:5 gegen die TSG Hoffenheim.
  • Damit wird ein Platz unter den ersten Vier der Bundesliga zunehmend unwahrscheinlicher.
  • Emil Forsberg, der mit Rot vom Platz flog, sagte: "Wenn du in die Champions League willst, kannst du nicht solche Geschenke geben."
Von Saskia Aleythe, Leipzig

Ralph Hasenhüttl strich sich entnervt mit gespreizten Fingern durch die Haare. Beim nächsten Gegentor biss er einmal fast in seine Trinkflasche. Und als er später am Nachmittag nur noch konsterniert starrte, um dann einmal die Coachingzone auf- und abzuspazieren, wusste man: Der Trainer von RB Leipzig wollte diesen Tag einfach nur noch hinter sich bringen.

0:3 hatte seine Mannschaft zur Pause gegen die TSG 1899 Hoffenheim hinten gelegen, am Ende stand ein 2:5 auf der Ergebnistafel in der Leipziger Arena. Und während Julian Nagelsmann im weißen Hemd die Sonne reflektierte und nunmehr das achte Spiel in Folge unbesiegt blieb mit seinem Team, musste Hasenhüttl erkennen: Die Leipziger Saisonziele scheinen sich nun in zu vielen Gegentoren aufzulösen. "Mit so einem Ergebnis haben wir in dem Bereich nichts verloren", sagte der 50-Jährige und er meinte: Den Bereich, der in der Bundesligatabelle einen Startplatz in der Champions League ermöglichen würde. Mit 49 Punkten ist die TSG nun an Leipzig vorbeigezogen und lauert auf Rang fünf.

Beide Teams sind für eine gewisse Leidenschaft zum schnellen Spiel bekannt und so konterten sie sich nach zehn Minuten munter hoch und runter. Lukas Klostermann kam zur ersten Großchance, war schon im Strafraum vor Oliver Baumann, wollte aber noch einen Querpass auf Timo Werner spielen, was sich als Fehlentscheidung herausstellte: Den Ball grätschte Akpoguma vom Platz (12.). Dann wurde Willi Orban fast zum Eigentorschützen, bevor es tatsächlich 1:0 für Hoffenheim stand, weil Peter Gulacsi etwas Seltenes passierte: Er patzte. Nico Schulz pfefferte ihm den Ball aus spitzem Winkel entgegen, dem Torwart kullerte er aus den Armen, dann verwandelte Mark Uth (14.). "Das muss man festhalten, da gibt es keine Ausrede", sagte Gulasci später geknickt.

Die Verkettung unglücklicher Umstände konnte da noch niemand erahnen, Leipzig war in der ersten Hälfte ja tatsächlich die aktivere Mannschaft mit guten Chancen. TSG-Trainer Julian Nagelsmann sprach das nach dem Spiel auch an. "Das war ein lauer Sommerkick von uns, das hat mir nicht gefallen. Wir haben die ersten 30 Minuten große Probleme gehabt." Er fand: "Gegen einen sehr guten Gegner fällt der Sieg vielleicht ein bisschen zu hoch aus."

Allein am Spielstand änderte das gute Leipziger Spiel nichts. "Der Knackpunkt war: In dieser Phase haben wir kein Tor gemacht", analysierte Hasenhüttl später. Leipzig unterlief stattdessen der nächste kapitale Fehler, diesmal durch Willi Orban in der 35. Minute: Der Kapitän hoffte im Zweikampf gegen Uth auf einen Pfiff, der kam aber nicht, und so kombinierten sich Nadiem Amiri und Serge Gnabry zum 2:0. Und in der 45. Minute war schon wieder Uth der Glückliche: Er konnte auf der linken Seite unbedrängt enteilen, flanken und Pavel Kaderábek das 3:0 auflegen.

"Wenn du in die Champions League willst, kannst du nicht solche Geschenke geben"

"Das Spiel war in der Halbzeit schon vorentschieden", sagte später Sportdirektor Ralf Rangnick, wobei sich erst danach die Szene zutrug, die für die meisten Diskussionen sorgte: Schiedsrichter Tobias Welz stellte Emil Forsberg vom Platz. Der Schwede war dabei, Florian Grillitsch zu enteilen, der zog ihn am Oberkörper, mehrere Sekunden lang, woraufhin Forsberg den linken Arm wie ein Handballer nach hinten schwenkte und seinen Gegenspieler traf. "Natürlich sollte ich meine Hände runterlassen", sagte Forsberg später, "aber er kann das auch verhindern, indem er das früher pfeift." Was später auch Hasenhüttl und Nagelsmann ähnlich sahen.

Interessant war dann, dass Leipzig ohne Forsberg immerhin noch zwei Treffer gelangen, auch weil mit der Einwechselung von Naby Keita in der 46. Minute jemand auf dem Platz stand, der Hoffenheim mit Finten, Laufkraft und kräftigen Schüssen begegnete. In der 58. Minute stand es durch ein Solo Keitas 3:1, da durfte die Arena mal jubeln, aber es hatte sich kaum ausgejubelt, als schon das 4:1 durch den nächsten Treffer von Uth aufleuchtete. Direkt beim Wiederanpfiff hatte Hoffenheim die Leipziger Defensive überwunden, die wie zuletzt arge Probleme in der Zuordnung hatte. "Was mir am meisten Sorge macht, ist die Gegentorflut", sagte dann auch Rangnick und erinnerte sich an schmerzliche Niederlagen der vergangenen Wochen, das 2:5 in der Europa League gegen Olympique Marseille und das 1:4 in der Bundesliga gegen Leverkusen. Bezeichnend ist, dass Leipzig auf dem sechsten Platz auf eine ausgeglichene Tordifferenz von 0 kommt. Zum Vergleich: Hertha BSC hat eine von +3.

Im letzten Drittel der Partie hätte dann fast jeder Hoffenheimer Angriff zum Tor führen können, so derangiert war die RBL-Abwehr und so locker spielten die Gäste. Der eingewechselte Lukas Rupp sorgte für das 5:1 (64.), ehe der ebenfalls frische Dayot Upamecano noch so etwas wie einen zweiten Ehrentreffer erzielte (88.). Dann war das Spiel vorbei, Hasenhüttl sprach im Mannschaftskreis noch ein paar dringliche Worte und Forsberg sagte später in die Mikrofone: "Wenn du in die Champions League willst, kannst du nicht solche Geschenke geben." Womöglich war es an diesem Tag schon das entscheidende Geschenk zu viel.

In Hamburg dreht sich die Stimmung

Zwar beträgt der Rückstand auf den Relegationsplatz drei Spiele vor Saisonende noch fünf Punkte - doch der HSV zeigt beim 1:0 gegen Freiburg, dass die Mannschaft an eine Wunder-Rettung glaubt. Von Jörg Marwedel mehr...