4:0 gegen Schalke Babylon nach Bayern-Art

Lahm und Alaba im Mittelfeld, Schweinsteiger turnt im Angriff herum: Der FC Bayern spielt den Gastgeber in Schalke mit babylonischer Verwirrspieltaktik schwindlig. Warum das so wichtig ist, erklärt Oberwusler Robben: "Wir wollen gewinnen, gewinnen, gewinnen."

Von Andreas Morbach, Gelsenkirchen

Ein wenig krumm sah es schon aus, wie Franck Ribéry nach dem 4:0 auf Schalke Richtung Ausgang wackelte. Seinen neongelben Kulturbeutel drückte sich der 30-Jährige mit beiden Händen ans Steißbein - als wolle er die Schmerzen an der linken Hüfte so etwas lindern. Für die beachtlichen Schrammen am Leib des Franzosen hatte Jefferson Farfán mit seinen Stollen gesorgt. Ribéry präsentierte dem peruanischen Rennpferd der Gelsenkirchener dessen blutiges Werk gleich nach Abpfiff noch auf dem Rasen, damit war die Angelegenheit für ihn aber auch erledigt.

"Das tut weh, ist aber nicht schlimm", vermeldete er noch, dann ging der Blick nach vorne. "Wir haben jetzt eine Serie, die müssen wir ausbauen", betonte Europas Fußballer des Jahres, verwies auf den nächsten Programmpunkt im prallen Terminkalender des FC Bayern - das Pokalspiel am Mittwoch gegen Hannover - und erwähnte die prinzipiellen Pläne der Münchner: "Wir wollen gewinnen, gewinnen, gewinnen."

Spitzenreiter Dortmund haben sie nach Punkten und Tordifferenz bereits abgefangen - und dabei am Samstag einen entnervten Gegner hinterlassen. "Es ist ein brutales Positionsspiel, was die machen. Es ist schwer, in den Zweikampf zu kommen, weil sie immer zwei, drei Optionen haben", meinte S04-Linksverteidiger Dennis Aogo frustriert und riet allen künftigen Gegnern der Bajuwaren: "Man sollte zusehen, dass man gegen sie nicht 0:2 zurückliegt. Sonst läuft man wie ein Idiot hinterher."

Unter Pep Guardiola fühlen sich die Bayern-Spieler auf jeder Position daheim.

(Foto: dpa)

"Viele Varianten auf dem Kasten"

Pep Guardiola gefällt dieser Zustand, deshalb war der spanische Dompteur der Spielverderber-Bande gleich nach dem Kopfballtoren durch Bastian Schweinsteiger (21.) und Mario Mandzukic (22.) auch schon mit weiteren Optimierungsmaßnahmen beschäftigt. Mit ausschweifender Gestik wies er erst Arjen Robben, den besten Münchner, und kurz darauf Kapitän Philipp Lahm an, das verwirrende Wechselspiel auf dem Rasen weiter zu forcieren.

In einem Team, in dem Nationalverteidiger Lahm trotz Schweinsteigers erstem Auftritt in der Startelf seit Ende August die Rolle im defensiven Mittelfeld behielt. In dem Schweinsteiger einen Abschnitt weiter vorne, Seite an Seite mit Toni Kroos, klug die Fäden zog und zwischendurch schon mal im Angriff herumturnte. In dem der 21-jährige Österreicher David Alaba, Passgeber beim zweiten und dritten Tor, Linksverteidiger und Mittelfeldspieler in einem war. Und in der Oberwusler Robben darauf pfiff, nur schnöde auf seiner rechten Außenbahn zu kleben.

"Unser Trainer hat viele Varianten auf dem Kasten", kommentierte Bastian Schweinsteiger listig. Er selbst etwa könne im Mittelfeld defensiv wie offensiv spielen, erklärte der 29-Jährige, verwies genüsslich auf die fortschreitende Flexibilität im Münchner Team, inklusive der daraus resultierenden Unberechenbarkeit, und warnte die nationale und internationale Konkurrenz: "Wir wollen dominieren - auch vom Ergebnis her."