2. Fußball-Bundesliga Ronny entreißt Union Berlin den Derbysieg

Freistoßtreffer kurz vor Schluss: Ronny (vorne im Bild) und Hertha BSC.

(Foto: dpa)

Die Hauptstadt erlebt ein kurzweiliges Derby, mit glücklichem Ende für Hertha BSC: 70 Minuten dominiert Union Berlin, dann genügen dem Favoriten zwei konzentrierte Momente zum Ausgleich. Union ist weiter ein Überraschungsteam. Berlin hat jedoch nur einen Aufstiegskandidaten.

Von Carsten Eberts

In Berlin machte sich Verwunderung breit. Friedlich, nahezu höflich gingen die Protagonisten von Hertha BSC und Union Berlin vor dem Hauptstadtderby miteinander um. Union-Urgestein Torsten Mattuschka, sonst eher kein Kandidat für den Titel "Umgänglichster Mensch der Welt", verzichtete auf die üblichen Frotzeleien. Hertha-Coach Jos Luhukay erhob Union gar zum Aufstiegskandidaten.

War da alles in Ordnung in Berlin? Sollte das bisschen Farbe, das Hertha-Fans auf den Mannschaftsbus des Gegners schmierten, der einzige Mini-Aufreger bleiben?

Es war ein erwachsenes Derby, das sich Hertha und Union am Montagabend lieferten - mit glücklichem Ende für den größeren der beiden Klubs. Nach Treffern von Simon Terodde (9. Minute) und Adam Nemec (49.) führte Union zunächst 2:0, in einer konzentrierten Schlussphase schafft Hertha durch Tore von Adrian Ramos (73.) und Ronny (86.) doch noch das Unentschieden. "Jeder meint, dass wir jedes Spiel im Griff haben, nur weil wir Hertha sind", mahnte Luhukay anschließend, "aber auch wir müssen uns alles erarbeiten."

Vor dem Spiel geriet zunächst Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit in die Bredouille. Er sollte einen Tipp abgeben, wer denn nun das wichtigste Fußballspiel seiner Stadt gewinnen wird. "Beide Mannschaften können aufsteigen. Wenn das gelingen würde, wäre das natürlich super", lavierte Stadtpapa Wowereit herum. Dann rang er sich doch einen vorsichtigen Tipp ab: zugunsten von Hertha BSC.

Vor 74.244 Zuschauern, der gewaltigsten Kulisse des bisherigen Zweitliga-Jahres, fand Union besser in die Partie. In der fünften Spielminute klärte Hertha-Keeper Thomas Kraft in letzter Sekunde vor Adam Nemec, der wohl sonst zur frühen Führung eingeschoben hätte.

Vier Minuten später konnte Kraft nicht mehr retten. Nach einer kleinen Slapstick-Einlage der halben Hertha-Abwehr kam Terodde im Strafraum an den Ball. Die Defensive sortierte sich noch, Terodde war schneller und schoss den Ball an zahlreichen, umherfliegenden Beinen hindurch ins Netz (9). Leise war der Jubel im Olympiastadion beim Treffer des nominellen Auswärtsteams keineswegs: Rund ein Drittel der Zuschauer hielt es mit Union. Und die brüllten nun gewaltig.