1. FC Köln in der Krise Mangel an Gemeinschaft

Der Streit mit und unter den Fans ist nur eine der vielen Nebentätigkeiten, die den FC zuletzt am Ziel vorbei bewegt haben. Ausgiebig ging es um die Mühsal bei der Besetzung der seit Herbst vakanten Präsidiumsposten, um Lukas Podolskis Wechsel zum FC Arsenal mit all seinen spekulativen Weiterungen, und schließlich wurde monatelang darüber debattiert, "dass Herr Finke und Herr Solbakken Probleme haben", wie es Solbakken selbst schilderte.

Genießt weiterhin das Vertrauen der Klubführung: Trainer Solbakken. 

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Um den destruktiven Fußball der Mannschaft, das auf dem Prinzip Podolski und ansonsten auf Zufälligkeit basierende Angriffsspiel sowie Solbakkens undurchschaubaren, teamintern umstrittenen Plan zur Deckungsarbeit ging es meist nur am Rande. So haben sich - ganz plötzlich - 56 Gegentore angesammelt, Höchststand in der Liga.

Ernstlich beklagt über die abenteuerlichen Löcher in der defensiven Unordnung haben sich allenfalls die betroffenen Profis. Dies aber nur hinter vorgehaltener Hand, auch Volker Finke beließ es wider besseres Wissen bei verhaltener Kritik, entsprechende Anmerkungen wurden ihm von den Kölner Medien als unzulässige Einmischung und hinterhältige Trainer-Sabotage ausgelegt.

So blieben die Unklarheiten des Spielsystems das einzig Verlässliche im sportlichen Bild des FC, die chronische Anfälligkeit auf den Abwehrflügeln und die verlorene Stellung der Sechser Riether und Lanig inbegriffen. Am Sonntag war der Mangel an Gemeinschaft im Team offensichtlich.

Finke, der Mann, der womöglich - wie im vorigen Jahr - auf den letzten Metern der Saison mit realpolitischer Methode hätte eingreifen können, ist nicht mehr zur Stelle, der Klub hat sein sportliches Schicksal bedingungslos Solbakken anvertraut. Klubchef Claus Horstmann garantierte, dass eine Entlassung nicht zur Debatte stehe, und tatsächlich wäre die Kündigung des Trainers wohl kaum das geeignete Mittel zur Vorbereitung auf die ungeheuer wichtige Partie in Augsburg am Samstag.

Solbakken versichert, er sei "der richtige Mann" für den FC und verkündete als Losung seines Krisenprogramms: "Wir müssen mental stark sein an den letzten sieben Spieltagen." Von einer robusten Mentalität konnte bisher keine Rede sein, aber der Trainer hofft, dass der Ernst der Lage jetzt allen bekannt sei, "ein bisschen Abstiegsangst ist vielleicht sogar gut, um die letzten Prozente rauszuholen", meinte er. Ob diese aus der Not geborene Überzeugung auch die zerstrittene Südkurve einen kann, wird sich zeigen.