1. FC Kaiserslautern U21-Trainer Stefan Kuntz in Bedrängnis

Sein alter Job hängt ihm nach: Stefan Kuntz (links), heute Trainer der U21 des DFB.

(Foto: dpa)

Beim 1. FC Kaiserslautern werden 1,9 Millionen Euro vermisst - was hat der frühere Vereinsboss Kuntz damit zu tun?

Von Tobias Schächter, Kaiserslautern

"Ein Ziel ist ein Traum mit Termin", so lautet ein Motto von Stefan Kuntz, 54. Im kommenden Sommer will er als Trainer die deutsche U21 zum EM-Titel coachen, das Finale findet am 30. Juni 2017 in Krakau statt. Derzeit hält sich Kuntz in Tichau auf, wo seine Auswahl am Dienstag gegen Polen testet. Am Samstagabend aber wurde Kuntz dort von seinem früheren Leben als Funktionär eingeholt: Auf der Jahreshauptversammlung des Zweitligisten 1. FC Kaiserslautern haben 71,7 Prozent von rund 1000 anwesenden Mitgliedern dem ehemaligen Vorstandsvorsitzenden die Entlastung für das Geschäftsjahr 2015/16 verweigert. Ein Vorgang, der auch das Image von Kuntz als neue Galionsfigur in der Ausbildung des deutschen Fußball-Nachwuchses beschädigt.

Als Meisterspieler des Jahres 1991 war Kuntz ein Held in Kaiserslautern. Als Vorstandschef bewahrte er den Klub 2008 vor dem Abstieg in die dritte Liga, 2010 gelang dem FCK zwischenzeitlich gar die Rückkehr in die Bundesliga - Kuntz war wieder ein Held in der Pfalz. Nach dem Abstieg 2012 aber verlor der ehemalige Stürmer das Vertrauen der Fans mit jedem verpassten Wiederaufstieg etwas mehr. Immer mal wieder wurde ihm Miss- oder Vetternwirtschaft vorgeworfen. Nun ist er durch die Nichtentlastung ebenso symbolisch vom Betzenberg gejagt worden wie sein Finanzvorstand Fritz Grünewalt, für dessen Nichtentlastung 93,3 Prozent votierten; dem ehemaligen Aufsichtsratsboss Dieter Rombach wurde schon zum zweiten Mal die Entlastung verweigert.

Held mit Schale: Mittelstürmer Stefan Kuntz wurde 1991 mit dem 1. FC Kaiserslautern Meister.

(Foto: Sven Simon/Imago)

Die beiden neuen Vorstände Thomas Gries (Marketing) und Michael Klatt (Finanzen) zeichneten am Samstag ein düsteres Bild. Klatt nannte den FCK einen "Restrukturierungsverein"; das letzte Geschäftsjahr erbrachte ein Minus von 2,6 Millionen Euro. "So weiter wurschteln wie bisher geht nicht mehr. Die Sanierung wird in der zweiten Liga nicht funktionieren", sagte Klatt. Durch Spielerverkäufe hatte die alte Führung um Kuntz die Bilanz immer wieder einigermaßen ins Lot bringen können.

Kassierte eine Firma Provision, weil Fans auf Zinsen verzichteten?

Nach vier vergeblichen Aufstiegsversuchen aber ging es im Sommer an die Substanz. Die neue Führung sah sich gezwungen, drei Millionen Euro beim Finanzdienstleister Quattrex aufzunehmen, um den Spieleretat von 8,5 Millionen auf 11,5 Millionen zu erhöhen. Sinkende Zuschauer- und Sponsoreneinnahmen sowie weniger TV-Geld führten zudem zur Streichung von zehn Arbeitsstellen auf der Geschäftsstelle, der Etat der zweiten Mannschaft wurde gekürzt.

Für Verstimmung bei den Mitgliedern aber sorgte vor allem der Umgang der Kuntz-Administration mit einer 2013 gezeichneten Fan-Anleihe über sechs Millionen Euro, die für den Rückkauf und den Ausbau des Nachwuchsleistungszentrums vorgesehen war. Die neue Führung hatte im Sommer erklärt, 1,9 Millionen Euro der Anleihe würden vermisst. Der alte Vorstand stopfte mit diesem Geld offenbar Löcher im operativen Geschäft. Klatt erklärte am Samstag, die knapp zwei Millionen Euro von der Fan-Anleihe seien wie eine Fata Morgana: Mal seien sie da, mal nicht. Viele FCK-Fans hatten in der vergangenen Saison auf die Auszahlung von Zinsen im Wert von 30 000 Euro verzichtet.

Klatt bestätigte am Samstag auf Nachfrage eines Mitglieds, dass es ein Memo der alten Führung gebe, wonach eine externe Firma für nicht abgegebene Zinsscheine aus der Anleihe Provisionen kassiere. Die Fans verzichten - und dafür kassieren andere? Ob diese erstaunliche Absprache tatsächlich umgesetzt wurde, prüft der Klub derzeit.

Vor zwei Wochen hatte der ehemalige Finanzchef Grünewalt in einem TV-Bericht Vereinsinterna ausgeplaudert und zudem behauptet, der FCK sei 2008 insolvent gewesen. Das bestreitet aber selbst Grünewalts langjähriger Intimus Kuntz. Die Aussagen Grünewalts wurden von den Mitgliedern als Spitze gegen seinen Intimfeind, den damaligen Aufsichtsratschef Dieter Buchholz, empfunden. Buchholz gehört zu den Kritikern von Kuntz und Grünewalt und ist nach deren Ausscheiden nun wieder als Sponsor tätig.