2. Bundesliga 1860 München: Ismaiks kuriose Spielchen im Netz

Hasan Abdullah Ismaik aus Jordanien hat so seine Probleme mit dem TSV 1860.

(Foto: dpa)
  • Investor Ismaik verwirrt die Löwen-Anhänger mit einer Art Abreißkalender. Er weist auf Umstände hin, die lange bekannt sind, und handelt sich eine Flut an Beschimpfungen ein.
Von Markus Schäflein und Philipp Schneider

Als der Fußball-Zweitligist TSV 1860 München an Silvester in einer offiziellen Pressemitteilung bekannt gab, dass sein jordanischer Investor Hasan Ismaik nun Kanäle bei Facebook und Twitter eröffnet hatte, konnte der Klub noch nicht ahnen, was sich daraus entwickeln würde. Rund 5000 Follower hat Ismaik mittlerweile im Internet, und er hat eine bizarre Kampagne gestartet.

Er bietet eine Art Abreißkalender mit Sinnsprüchen zu Sechzig. "Wie kann es sein, dass ein traditionsreicher Verein, wie der Löwenverein, sich quasi permanent in einer gefesselten Lage befindet, wobei ihm alle möglichen Befreiungsinstrumente zur Verfügung stehen?", fragte Ismaik zum Auftakt, wobei nicht ganz klar wurde, welche Fesseln er meinte und was jene Befreiungsinstrumente sein sollen.

Nur noch kurz den Klub retten

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Selbstredend dachte man zunächst an die 50+1-Regel der Deutschen Fußball Liga (DFL), aber auf Folie drei seiner Präsentation sprach Ismaik dann auch die Stadionfrage an: "Die Löwenanteile an der Allianz Arena wurden verkauft. Profitiert hat hierbei der F.C. Bayern! Euer Geld fließt in die Allianz Arena - 6 Millionen Euro jährlich. Wer profitiert hiervon?"

Es verblüffte, dass Ismaik dies nun erst erkannt haben will - oder zumindest davon ausgeht, dass dies nicht jedermann längst erkannt hat. Auf einer weiteren Folie deutet er eine Art Verschwörung an, von der auch die Münchner Medien ein Teil seien: "Wer hat Interesse darin, dass die Medien weiter so negativ über den Verein berichten?"

Mit seiner Kampagne stieß Ismaik allerdings auf so negative Reaktionen in den sozialen Netzwerken, wie sie die unfreundlichste Medienberichterstattung nicht auslösen würde.

"Es ist langsam nur noch peinlich. Gibt es irgendwo einen Aufsichtsratsvorsitzenden , der so mit seiner Firma umgeht?"; "Absolut kindisch, Herr Ismaik"; "Was hat das hier überhaupt für einen Sinn? Leute verarschen oder was?"; "Halt einfach die Klappe und verschwinde auf Nimmerwiedersehen"; "Steh mal zu deinen Versprechen, du Dampfplauderer"; "Selten so eine Scheiße gelesen. Finde allerdings das Blau auf den Bildern schön"; dies ist eine Auswahl der vergleichsweise wenig beleidigenden Aussagen. Humor bewies ein User, der den direkten Draht zum Aufsichtsratsvorsitzenden von 1860 auf egoistische Weise nutzen wollte: "Hasan, schenk mir bitte Geld!"

Auf den - von wem auch immer getexteten - Folien finden sich überraschende Formulierungen wie "Löwenverein", komische Details wie "F.C. Bayern" und orthographische Fehler. Noch mehr verblüfft, dass Ismaik seine Kampagne genau in der Zeit lostrat, als 1860-Präsident Peter Cassalette von Gesprächen aus Abu Dhabi zurückgekehrt war. Das lässt sich durchaus als eine gewollte Unhöflichkeit interpretieren. Zumal es kaum wundern würde, wenn Cassalette zuvor von Ismaik einen Katalog mit Forderungen erhalten hätte, die nun alsbald umzusetzen seien, ehe weitere Zahlungen stattfinden könnten.