Zugverkehr nach Polen Achtung, Signalstörung

Warten auf den Anschluss: Wer zwischen Deutschland und Polen Bahn fahren möchte, tut sich immer schwerer.

(Foto: dpa)

Heute verbinden weniger Züge Polen und Deutschland als zu Zeiten des Kalten Krieges. Nun wird sogar die Linie Dresden-Wrocław kurzfristig eingestellt. Kritiker wollen sich mit dieser Entwicklung nicht abfinden.

Von Jens Schneider

Es war ein Vorzeigeprojekt, wie es das im Bahnverkehr zwischen Deutschland und Polen selten gibt. Jetzt wird die direkte Zugverbindung zwischen den Städten Dresden und Wrocław (Breslau) kurzfristig eingestellt. Die lokalen Bahnbetreiber bedauern die Entscheidung ebenso wie die Politik. So ist das seit Jahren, man bekundet das Interesse an guten Verbindungen. Nur den Zugverbindungen zwischen den Nachbarländern nutzt das wenig.

"Deutschland und Polen können 25 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs nicht einmal ein Mindestangebot an grenzüberschreitenden Bahnverbindungen sicherstellen", sagt Michael Cramer, der Vorsitzende des Verkehrsausschusses im Europäischen Parlament. Der Grüne nennt die erneute Kappung einer deutsch-polnischen Bahnverbindung einen Offenbarungseid: Heute würden weniger Züge verkehren als noch zu Zeiten des Kalten Krieges. Der Fall erscheint typisch für eine Situation, in der seit Jahren große Absichten verkündet werden, die Realität aber ernüchternd ist.

Der traurige Klassiker ist der frühere Eurocity "Wawel", der von Berlin nach Breslau führte. Das klang nach einer flotten Verbindung. Der "Wawel" fährt seit Dezember nicht mehr. Der polnische Partner habe die Kooperation aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt, erklärt ein DB-Sprecher. Die Reisendenzahl mit zuletzt 60 grenzüberschreitenden Fahrgästen sei zu gering gewesen, um den Zug weiter fahren zu lassen.

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Hinter den Zahlen steckt eine jahrzehntelange Vernachlässigung der Strecke. So musste der Zug oft langsam fahren, brauchte für die rund 330 Kilometer gute fünf Stunden. Vor dem Zweiten Weltkrieg schaffte der "Fliegende Schlesier" es in zwei Stunden 34. Wo ausgebaut wird, entscheidet letztlich die Politik. Kritiker beklagen, es fehle an Entschlossenheit und bei der Zusammenarbeit. So kam die Einstellung der Strecke Dresden-Breslau offenbar wie aus dem Nichts. Das zuständige Marschallamt auf polnischer Seite habe kurzfristig darüber informiert und eine Finanzmittelkürzung als Grund genannt, heißt es.

"Die gegenwärtigen Zugverbindungen zwischen Deutschland und Polen sind für beide Seiten unbefriedigend", sagt der Polen-Beauftragte der Bundesregierung, Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD). "Ich will mich nicht damit abfinden, dass die europäische Kulturhauptstadt 2016, Breslau, von Deutschland aus per Zug nicht erreichbar sein soll."

Er wolle mit Polen eine gemeinsame Strategie für den grenzüberschreitenden Verkehr entwickeln. Die Probleme sollten Thema bei den nächsten gemeinsamen Regierungskonsultationen im April sein. Unstrittig sei, dass in diesen wichtigen Fragen auch die Bundesregierung mit "am Zug" sei. Er sei überzeugt: "Gute und verlässliche Angebote schaffen auch eine steigende Nachfrage."

Als Beleg gilt die Strecke Warschau- Berlin, die durch Ausbauarbeiten etwas schneller wurde. Inzwischen fahren täglich bis zu vier Züge pro Richtung. Für den Ausbau der Strecke nach Breslau würden nur jeweils 100 Millionen Euro gebraucht, um viel schneller zu werden, sagt der Europarlamentarier Cramer. Anderswo würden größere Summen investiert, um Minuten zu gewinnen.

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