Streit um begehbares Gipfelkreuz in Tirol Kirchturm auf dem Berg

Die Tiroler Gemeinde St. Jakob will eine 36 Meter hohe begehbare Skulptur auf einen Gipfel stellen. Gegner sprechen von einem "Monster", Befürworter von einem "Touristenmagneten".

Von Cathrin Kahlweit

Vier Arme soll das umstrittene Konstrukt haben und damit rundum begehbar sein.

(Foto: Illustration: Bergbahn Pillersee)

Dass es so ein Kreuz mit dem Kreuz werden würde, hatte man bei der Bergbahn Pillersee in Tirol nicht geahnt. Immerhin gibt es doch große Vorbilder: das Pilgerkreuz am Ölberg in Veitsch zum Beispiel. Der kleine Ort in der Steiermark hatte sich ein 40 Meter hohes, innen begehbares Wahrzeichen gegönnt, in dem man sogar heiraten kann. Die Christus-Statue über Rio de Janeiro ist alles in allem 38 Meter hoch, samt Kapelle im Sockel. Oder das Millenniumskreuz im mazedonischen Skopje: satte 66 Meter Höhe und nachts beleuchtet.

Das Jakobskreuz auf der Buchensteinwand soll, wenn es nach den Gesellschaftern der Bergbahn geht, nur 30 Meter hoch werden, 36 maximal, wenn man den Sockel einrechnet. Es soll, das betonte der Aufsichtsratsvorsitzende auf einer Gemeinderatssitzung, kein "weiterer Spielplatz am Berg" werden, sondern eine ernsthafte Sache. Unterstützt vom Ortspfarrer und der Diözese Salzburg, von den Nachbargemeinden, vom Land.

Und doch: An diesem Sonntag wird eine Bürgerbefragung in der kleinen Stadt St. Jakob in Haus stattfinden, die Einwohner sollen darüber abstimmen, ob sie auf ihrem Berg ein solches Monument haben wollen, mit Lärchenschindeln bedeckt, innen mit einem Lift befahrbar, als Ausstellungsraum zu benutzen - und mit vier anstelle von zwei Armen ausgestattet. Was, wenn man ehrlich ist, der Kreuzform nicht unbedingt entspricht, aber einen schönen 360-Grad-Blick ermöglicht.

Eine erste Abstimmung im Gemeinderat war mit 6:5 Stimmen denkbar knapp ausgegangen. Die ÖVP war dafür, die SPÖ dagegen gewesen. Seither sind mehr als 150 Einsprüche gegen das Projekt eingegangen - was eine Menge ist, wenn man bedenkt, dass St. Jakob nur 770 Einwohner hat. Manfred Bader, bei der Bergbahn Pillersee mitverantwortlich für das Projekt, glaubt mittlerweile an eine "politische Kampagne".

Der Grund, warum sich das kleine St. Jakob ein so großes Kreuz auf den Hausberg stellen will, ist ein wirtschaftlicher, und das wird auch sehr offen diskutiert.