Streik der GDL Preise für Fernbusse steigen massiv

Sonst beliebte Alternative zur Bahn, jetzt Objekt des Zorns der Pendler: Der Fernbus-Anbieter MeinFernbus.

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Seit geplagte Pendler statt der Bahn den Fernbus nehmen, schnellen die Ticketpreise in die Höhe. Viele Kunden finden das unverschämt. Doch die Preise der Anbieter kommen immer auf dieselbe Weise zustande - auch während des Streiks.

Von Deniz Aykanat

Der 100-Stunden-Streik - er wird ab Mittwoch die Pendler der Nation heimsuchen. Und als wäre das nicht schon genug, wendet sich nun auch die Fernbus-Branche gegen sie. Jedenfalls glauben das viele Kunden. "Die Leute buchen wie verrückt", sagt Gregor Hintz, Pressesprecher von "MeinFernbus", zu Süddeutsche.de. Beim Abieter "Flixbus" stürzt die Seite ab, wenn man buchen will. Marktführer MeinFernbus habe noch nie einen solchen Sprung in der Nachfrage erlebt. Kunden von MeinFernbus wahrscheinlich auch noch nie einen solchen Sprung bei den Ticketpreisen.

Wer am 4.November - also genau einen Tag vor dem Streik - von Berlin nach München und einen Tag später wieder zurückfahren will, zahlt dafür 44 Euro. Der durchschnittliche Preis für diese Strecke.

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Während der Streikzeit, zum Beispiel am 6. November, müssen MeinFernbus-Kunden mehr als das Doppelte hinlegen: nämlich 96 Euro.

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Dem Unternehmen beschert der Lokführer-Streik also volle Kassen - dank eines automatischen Preissystems, das bei gesteigerter Nachfrage eben automatisch die Preise erhöht. So wie es bei den meisten Fluggesellschaften der Fall ist. Je mehr Menschen an einem bestimmten Tag zum Beispiel von München nach Berlin fahren wollen, desto mehr müssen sie für ein Ticket zahlen. Wer früh bucht, spart also. Denn sind die "billigen Kontingente" aufgebraucht, rutschen die teureren Plätze nach. Dieses System greift immer, es wurde nicht extra für den Streik eingeführt.

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Die Kunden sind trotzdem sauer. Auf der Facebook-Seite von MeinFernbus geht es heiß her. "Absolute Frechheit", "Abzocke!" und "Die sollen sich schämen" sind noch die netteren Kommentare. "Aber wir fahren zumindest", sagt Pressesprecher Hintz. "Und wir sind trotz Erhöhung immer noch weit unter den Preisen der Deutschen Bahn." Außerdem gibt es eine Obergrenze für die Ticketpreise. Eine Einzelfahrt von München nach Berlin kostet zum Beispiel nie mehr als 48 Euro. Auch nicht während eines Bahnstreiks. Zumal alle Tickets immer 15 Minuten vor Abfahrt des Busses 48 Euro kosten.

Fernbus-Reisende erzürnt aber noch etwas anderes. Auf Vergleichsportalen, wie etwa "Busliniensuche.de" sind noch die alten - günstigeren - Preise vieler Fernbus-Anbieter ausgezeichnet. Die Portale kommen mit der Aktualisierung nicht nach. "Für die Kunden ist das verständlicherweise enttäuschend. Wir müssen uns mit den Portalen in Verbindung setzen", sagt Hintz.

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Kunden, die nicht ganz dringend oder zu einem expliziten Zeitpunkt fahren müssen, ist außerdem noch eines zu raten: MeinFernbus stockt - wo es geht - die Kontingente an Verbindungen spontan auf. Und bei den neuen, leeren Bussen beginnt die Preisspanne regulär mit den billigen Tickets. Also am besten die MeinFernbus Homepage häufig aktualisieren und dann zuschlagen, wenn die Tickets wieder billiger sind.