Raubkatzen in Namibia Blitz im Busch

Weltweit sollen nur noch bis zu 15 000 Geparden leben.

(Foto: Okonjima)

Seit es Farmer gibt in Namibia, werden Raubkatzen von ihnen gejagt. Nun aber erkennt man den Wert der Tiere. Denn Touristen zahlen viel, um ihnen nahe zu sein.

Von Monika Maier-Albang

Gerade hat sich Shanna Groenewald zum Abendessen hingesetzt, da geht das Licht aus. Draußen zucken Blitze, dann prasselt der Regen. Endlich Regen! Endlich wächst das Gras, finden die Antilopen Futter, und damit auch die Raubkatzen. Die Katzen und Shanna, das ist eine große Liebe. Dabei ist Groenewald gar nicht ihretwegen nach Namibia gekommen. Sie wollte als Lehrerin arbeiten, in der Schule der Okonjima-Lodge. Aber dann war da Janek Hoth, und sie hat eingeheiratet in die dritte Generation der Farmerfamilie, die heute keine Rinder mehr hält, sondern Touristen beherbergt, um Katzen zu helfen.

Okonjima, auf halber Strecke zwischen Windhoek und dem Etosha Nationalpark gelegen, ist einer der Stützpunkte des Africat-Projekts, das sich dem Schutz der großen Raubtiere Namibias - Geparden, Leoparden, Wildhunde und Löwen - verschrieben hat. Das Geld dazu kommt von den Gästen, die sich die Lodges auf dem ehemaligen Farmgelände leisten. Shanna Groenewald, die aus Simbabwe stammt, hat mit ihren 24 Jahren das Gäste-Management von Okonjima übernommen. Der Großkatzen zuliebe. Und weil sie ein Mensch ist, der gerne etwas voranbringt.

Das Funkgerät, mit dem Groenewald über einen Knopf im Ohr mit ihren Kollegen verbunden ist, sendet den ganzen Tag. Jetzt, um zehn Uhr am Abend, setzt sie den Kopfhörer ab und nimmt sich zum ersten Mal an diesem Tag die Zeit, im Sitzen zu essen. Ein paar Sekunden lang ist es dunkel nach dem Stromausfall, dann holt der Generator das Licht ins Zimmer zurück. "Ach, das war jetzt schön", sagt Groenewald, "wie früher auf unserer Farm. Da hatten wir auch oft kein Licht."

2004 verlor ihre Familie das angestammte Land; damals vertrieb Simbabwes Diktator Robert Mugabe die weißen Farmer. Shannas Vater war zuvor schon in den Busch geflohen, wie sie sagt, in die unzugänglichen, dornenbewachsenen Weiten. "Für Männer war es zu der Zeit besser, nicht auf der Farm zu sein." Die Farm ist noch immer in fremder Hand, dem Vater ist jetzt zumindest erlaubt worden, andernorts Farmland zu pachten. Sie aber, sagt Shanna Groenewald, habe ja nun eine neue Heimat gefunden - Namibia, wo manches ähnlich, aber vieles doch sehr anders ist. Wo Schwarze und Weiße immerhin versuchen, sich als eine Nation zu fühlen, wo frei gewählt werden darf und im März diesen Jahres mit Hage Geingob ein Präsident ins Amt gekommen ist, der nicht der Mehrheitsbevölkerung der Ovambo angehört.

Einen "Hoffnungsträger" nannte ihn die in Windhoek auf Deutsch erscheinende Allgemeine Zeitung nach der Wahl; Geingob hat zugesichert, dass es in Namibia keine Enteignungen geben wird wie im Nachbarland Simbabwe. Auch in Namibia gehören die rund 7000 Farmen, die das Land überziehen, fast ausschließlich Weißen. Viele sind Nachfahren deutscher Siedler, die Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts in die Kolonie Deutsch-Südwestafrika ausgewandert waren. Sie leben hier in vierter, fünfter Generation, und wer sich Touristen vorstellt, fügt dem eigenen Namen meist den deutschen Herkunftsort der Urgroßeltern bei.

Lange verdienten die Farmer gut an ihren Rindern. Und besser noch an den Karakul-Schafen. Die schwarzen Lämmer wurden kurz nach der Geburt getötet, das krause Fell millionenfach nach Europa geliefert - so lange die daraus gefertigten Persianer-Mäntel modern waren. Als in den 1980er-Jahren die Anti-Pelz-Bewegung aufkam, verloren viele Farmer in Namibia ihre Existenzgrundlage. Manche suchten sich eine neue im Tourismus. Manche wurden Tierschützer. Ein paar wenige kombinierten beides - so wie Manfred Goldbeck, der die Gondwana-Gruppe mit aufgebaut hat. Oder Val und Rose Hanssen, die 1986 begannen, Touristen auf ihrer Farm zu beherbergen und ihr Raubtier-Schutzprojekt aufzubauen: Africat.

Geparden für die Gäste

Der Gepard hat sich in Namibia zur omnipräsenten Touristenattraktion entwickelt; jedenfalls ist es von den Hauptverkehrsschneisen des Landes oft nicht weit bis zum nächsten Hotspot für Katzenfreunde. So bietet die Naankuse Lodge (www.naankuselodge.com) unweit des Internationalen Flughafens Windhoek nicht nur eine Partnerschaft mit den bekennenden Namibia-Liebhabern Angelina Jolie und Brad Pitt sowie entsprechend luxuriöse Unterkünfte, sondern auch Schutzprogramme für Wildhunde, Karakals - oder eben Geparden. Wer sich von den Tieren gar nicht mehr losreißen kann, hat zudem die Möglichkeit, an einem Freiwilligenprogramm von zwei bis zwölf Wochen teilzunehmen. Ebenfalls als Tagesgast oder Dauervolontär kann man sich in der Harnas Wildlife Foundation (www.harnas.org) 300 Kilometer östlich von Windhoek einbuchen. Während der Gepard auch dort nur eine unter mehreren Raubtierarten ist, konzentriert sich der Cheetah Conservation Fund (cheetah.org) 40 Kilometer nordöstlich von Otjiwarongo voll und ganz auf den schnellsten Landsäuger. Ähnlich monothematisch sind die Gepardentouren der Solitaire Guestfarm (www.solitaireguestfarm.com) ausgerichtet. Sie liegt direkt auf der Fahrt von Windhoek zu den Dünen von Sesriem.

Seit es Farmer in Namibia gibt, werden die großen Raubtiere des Landes gejagt. Man vermutet, dass zu Beginn der Besiedlung durch die Europäer bis zu 100 000 Geparden auf dem Gebiet des heutigen Namibias lebten; heute liegt ihre Zahl irgendwo zwischen drei- und sechstausend. "Exakte Daten gibt es nicht", sagt Bettina Wachter vom Leibnitz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin, das seit Jahren die Geparden-Population in Zentralnamibia beobachtet. Die Schätzzahlen beruhen auf Aussagen von Tourguides, die die Tiere für Touristen aufspüren. Weltweit sollen noch etwa bis zu 15 000 Geparden leben, die Art gilt als gefährdet.