Mountainbiken mit Kind Schotter, Schweiß und Käfergucken

Die Sonne strahlt, die Kette surrt, der Schweiß fließt - mit dem Mountainbike unterwegs am Gardasee. Etwas ist anders als früher: Ein Kind sitzt im Fahrrad-Anhänger.

Von Birgit Obermeier

Zum Biken an den Gardasee? Jederzeit! Monte Baldo, Altissimo, wir kommen! Ach, ihr nehmt eure Zwerge mit? Den alten Sportsfreunden - genauer: den kinderlosen unter ihnen - kam dann kurzfristig doch etwas dazwischen.

Jahrelang verabredete man sich für anspruchsvolle Touren, die auch mal quer über die Alpen führten. Und nun ein Familienausflug mit drei Kindern zwischen neun und 19 Monaten im Fahrradanhänger?

Zugegeben: Auch die drei Elternpaare waren nicht sicher, ob das ein befriedigender Bike-Urlaub werden konnte.

Das Leben mit Kind unterliegt einem grundsätzlichen Interessenskonflikt. Gemeinsames Sandbuddeln ist lustig, Pfützenhüpfen ebenso, keine Frage. Eltern aber wollen, so sie nicht völlig selbstlos sind, auch mal Dinge tun, für die sie sich in ihrem früheren Leben begeistert haben. Ist keine Oma am Start, muss das Hobby eben kindgerecht gestaltet werden.

Für Mountainbiker heißt das dreierlei: Einen wendigen Fahrradanhänger besorgen und dabei keinesfalls bei der Federung sparen. Kurze Touren auswählen, auf dass die Kids nicht allzu lang ihrer natürlichen Bestimmung - krabbeln, rumrennen, die Welt entdecken - entzogen werden.

Und: Losfahren, wenn sie bereit für ihren Mittagsschlaf sind. Den können sie dann statt im Bettchen oder Kinderwagen im schunkelnden Fahrradanhänger halten.

Klingt einfach, erfordert bei drei Kindern mit höchst individuellen Schlafenszeiten aber ein ausgefuchstes Zeitmanagement. Endlich sind alle Rucksäcke gepackt und die drei Kinder im Anhänger verstaut. Die Zeit läuft.

Schnell noch einmal die Sicherung der Kupplungen kontrollieren, die Tachos eichen und los geht's. Die Eltern, noch keinen Höhenmeter gefahren, schwitzen bereits. Zwei Minuten später kehrt Mittagsruhe in den Anhängern ein.

Beim Pedalieren nach Riva macht es sich dann allmählich breit - das herrliche Gefühl, nach einem abstinenten Sommer wieder auf dem Mountainbike zu sitzen. Die Berge, der tiefblaue See, die einzigartige Brise um die Nase - wie früher.

Klar, die Touren mit Kind sind andere. Wurzelige Trails und geröllige Downhills sind selbst mit einem gut gefederten Anhänger nicht fahrbar. Jedenfalls nicht guten Gewissens. Sportlich ist Hänger-Biken aber in jedem Fall: Die rund 25 zusätzlichen Kilos von Anhänger samt Kind und Sandspielzeug machen jeden Anstieg um ein paar Prozentgrade steiler. Routen, die neben dem Trainingseffekt auch landschaftliche Highlights garantieren, bietet die nördliche Gardasee-Region genug.