Flugzeug versus Bahn Das Märchen vom Billigflieger

Deutsche Bahn: billiger als der Billigflieger.

(Foto: Wolfgang Kluge/dpa)

Überall werben Fluglinien mit Billigtarifen innerhalb Deutschlands, der Bahn haftet dagegen ein teures Image an. Der Verkehrsclub Deutschland hat nun die Preise von Zugfahrten und Flugreisen verglichen - und dabei Erstaunliches festgestellt.

Von Daniela Kuhr

Wer innerhalb Deutschlands ohne Auto verreisen will, hat die Wahl. Die Strecke von München nach Frankfurt kann man mit der Bahn in drei Stunden 22 Minuten zurücklegen. Das Flugzeug wäre zwar schneller, allerdings liegen die Flughäfen in Frankfurt und München weit entfernt vom Stadtzentrum. Für An- und Abfahrt würde also weitere Zeit anfallen, genauso wie fürs Einchecken.

Trotzdem gibt es immer noch viele, die sich auf dieser Strecke lieber in den Jet als in die Bahn setzen - genau wie auf anderen Inlandsstrecken: Insgesamt 24 Millionen Mal sind Menschen 2011 innerhalb Deutschlands geflogen. Für Michael Ziesak, Bundeschef des ökologisch orientierten Verkehrsclubs Deutschland (VCD), ist das nicht nachvollziehbar. Nicht mal der Preis spreche fürs Fliegen. Auf den zehn Strecken mit den höchsten Fluggastzahlen sei die Bahn fast immer billiger. Das ist das Ergebnis des Bahntests 2012 des VCD. Das Hamburger Quotas-Institut untersuchte 270 Reiseverbindungen. Dabei wurden drei Reisearten unterschieden: die eintägige Geschäftsreise (morgens hin, abends zurück), den Wochenendurlaub für zwei Personen sowie die zweiwöchige Urlaubsreise für eine Familie mit zwei Kindern. Zudem wählten die Forscher vier Buchungszeiten: einen Tag vor der Reise, eine Woche vorher, vier Wochen vorher und drei Monate vorher. Das Ergebnis insgesamt: In 91,5 Prozent der untersuchten Fälle ist die Reise mit der Bahn günstiger. "Wir waren von dem Ergebnis sehr überrascht", so Ziesak. Der "Mythos vom Billigflieger" sei damit widerlegt. Und das, obwohl man bei dem Test viele Kostenfaktoren außer Acht gelassen habe, die im Zweifelsfall den Vorteil der Bahn sogar noch stärker zum Ausdruck gebracht hätten.

So habe man bei den Preisen für die Zugtickets keine Bahncard berücksichtigt, obwohl sehr viele Bahnreisende eine besäßen. Zudem habe man immer die Kosten für eine Platzreservierung dazugerechnet, "weil man ja im Flugzeug auch einen garantierten Platz hat und nur dann das Ergebnis wirklich vergleichbar ist", sagt Ziesak. Die Preise seien über das Internetportal www.bahn.de abgefragt worden.

Bei den Flugtickets dagegen habe man darauf verzichtet, die meist höheren Kosten für An- und Abfahrt zum Flughafen dazuzurechnen. "Dann hätte das Flugzeug allerdings nur noch schlechter abgeschnitten", so der VCD-Vorsitzende. Die Preise für die Flugtickets wurden über das Internetportal www.billigflieger.de ermittelt. Es wird oft genutzt und schneidet bei der Stiftung Warentest am besten ab. Die dort ermittelten Preise seien mit den Preisen auf den Internetseiten der Flugfirmen selbst verglichen worden. Das jeweils günstigere Ticket wurde der Studie zugrundelegt.