Fernreisen Abenteuer Globetrotterinnen Mary Kingsley
Von Katja Schnitzler

"Frauen sind aufgrund ihres Geschlechts und ihrer körperlichen Verfassung für Forschungsexpeditionen ungeeignet, und diese Spezies des weiblichen Globetrotters, die wir seit kurzem kennen, ist einer der größten Irrtümer dieses zu Ende gehenden 19. Jahrhunderts", soll der Brite Lord Curzon konstatiert haben, als über die Aufnahme weiblicher Mitglieder in die Royal Geographic Society abgestimmt werden sollte. Er irrte. Eine Auswahl von Pionierinnen auf Reisen.

Mary H. Kingsley (1862-1900)

Nach dem Tod der Eltern brach Mary Kingsley nach Westafrika auf - kein Grund, die viktorianische Trauerkleidung abzulegen, bestehend aus einem engen, hochgeschlossenen Mieder und einem bodenlangen, gefütterten Wollrock. Was in Sümpfen mehr als behinderte, rettete der englischen Schriftstellerin und Ethnologin das Leben, als sie in eine Großwildfalle stürzte: "Das sind die Augenblicke, wo die Segnungen eines guten, festen Rocks so richtig zur Geltung kommen. Hätte ich mich an die Ratschläge vieler Leute in England gehalten und mich für männliche Kleidung entschieden, wäre ich jetzt bis auf die Knochen durchbohrt gewesen. Das Ende also. So aber saß ich, abgesehen von einer Menge Schrammen, dank der Stoffülle meines Rocks vergleichsweise gemütlich auf neun Ebenholzstacheln von gut 12 Inches Länge und rief frohgemut um Hilfe." (aus "Die grünen Mauern meiner Flüsse, Dtv, antiquarisch; eine weitere Leseprobe finden Sie hier)

Kingsley betrat - oft als erste Europäerin - Gebiete in West- und Zentralafrika und veränderte mit pointierten Berichten über ihre zwei Expeditionen das Bild von Afrika: Sie schrieb und redete gegen das Vorurteil an, dass "primitive Neger" von Europa zivilisiert werden müssten. Kingsley starb an Typhus, als sie während des Burenkrieges in Südafrika als Krankenschwester internierte Buren in einem Gefangenenlager behandelte. Ihr Einsatz war freiwillig, Pläne für eine dritte Reise an die Küste Westafrikas hatte sie hintangestellt.

Bild: Getty Images

8. März 2012, 11:26 2012-03-08 11:26:31  © Süddeutsche.de/dd

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