Fotoprojekt "Panorama Streetline" Mit den Augen spazieren

Betreutes Flanieren durch Hongkong, Mexiko oder München: Das Projekt "Panorama Streetline" lenkt den Blick auf Straßen in aller Welt.

Von Irene Helmes

Straßen sind meist eher Weg als Ziel. Für Einheimische sowieso, und auch viele Touristen neigen dazu, beim Städtetrip von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten zu eilen. Dabei sind Straßen selbst genaues Hinsehen wert: Im Fotoprojekt "Panorama Streetline" kommen die Details ihrer Architektur zur Geltung.

Denn in Straßen, findet Fotograf Jörg Dietrich, zeige sich der Charakter einer Stadt, oder zumindest ein Aspekt davon. Er hat vor Jahren begonnen, mit der Darstellung von Straßenzügen zu experimentieren. Mittlerweile sucht er nicht mehr in erster Linie nach Sehenswürdigkeiten, sondern nach interessanten Blickachsen. Die Aufnahmen von ihm und seinen Kollegen werden im Nachhinein zusammengesetzt. So entstehen streng lineare Perspektiven, die in der Realität oft durch die Enge der Umgebung, durch Winkel und Biegungen unmöglich wären - und gerade deshalb das Wesentliche einer Straße hervorheben. Für Dietrich ist das jedes Mal "wie eine kleine Neuentdeckung".

Das kleine, aber feine Seebad Deauville in der Normandie etwa legte sich vor mehr als 100 Jahren eine Reihe von palastartigen Fachwerkhäusern zu - die hier sichtbare Rue du Casino sei fast noch "ein zurückhaltendes Beispiel", findet Dietrich. Wie bei allen Panoramen fällt auf den ersten Blick zunächst das Muster der Straße ins Auge. Auf den zweiten Blick offenbaren sich die Details. Hier beherbergen die nostalgischen Gebäude eine Luxus-Boutique neben der anderen. Kunden sind wohlhabende Sommergäste aus Paris.

Besonders spannend wird das Projekt durch das Nebeneinanderstellen von Straßen aus unterschiedlichsten Bautraditionen.