Fliegen mit Kleinkindern Kindersitz statt Elternschoß

Bei deutschen Fluglinien dürfen Kinder künftig im mitgebrachten Autositz reisen - die Sache hat allerdings einen Haken.

Von Jens Flottau

Bei Flügen mit Kleinkindern mussten Eltern bislang heftig improvisieren. Kinder unter drei Jahren kamen auf den Schoß und wurden dort mit einem Schlaufengurt festgeschnallt oder - bis vor kurzem - einfach festgehalten. Das war weder bequem noch sicher, etwa bei schweren Turbulenzen oder gar einer Bruchlandung.

Und in den Mitgliedsländern der Europäischen Union galten auch noch unterschiedliche Vorschriften. Dass man den eigenen Auto-Kindersitz mitbringen und ins Flugzeug schnallen könnte, wird seit langem diskutiert.

Auf sanften Druck der europäischen Flugsicherheitsagentur EASA hin haben die deutschen Fluggesellschaften nun eine Liste der Sitze erstellt, die sie an Bord akzeptieren. Mitgemacht haben bereits Air Berlin, TUI-fly, Condor, Cirrus und Germania.

Lufthansa, die eine Flotte mit vielen unterschiedlichen Flugzeugtypen betreibt und viel durchrechnen muss, will bald folgen.

Die Eltern können somit bei den deutschen Airlines künftig wählen, ob sie mit ihrem Sitz oder ohne fliegen wollen. Der Haken an der Sache, vom zusätzlichen Ballast mal abgesehen: Wer sicher sein will, dass sein Kind wirklich im Autositz fliegt, muss einen zusätzlichen Platz im Flugzeug bezahlen.

Bleibt keiner frei, muss der Autositz zum Gepäck und das Kind wieder auf den Schoß. Hintergrund der neuen Regelung ist ein jahrelanger Streit darüber, wie Kleinkinder sicher befördert werden können. Das deutsche Luftfahrtbundesamt etwa lehnte den Schlaufengurt wegen Sicherheitsbedenken ab, der TÜV Rheinland kam in Studien zu ähnlichen Ergebnissen.

Trotzdem musste Deutschland den Gurt im vergangenen Jahr auf Druck der Europäischen Kommission zulassen. Die EASA hofft nun, dass sich andere europäische Airlines das Vorgehen ihrer deutschen Kollegen zu Herzen nehmen und ebenfalls Kindersitze erlauben.