Attacken auf Wanderer Was tun, wenn die Kuh angreift?

Diese Kuh in der Schweiz ist gelassen, behält den Fotografen aber lieber im Auge.

(Foto: dpa)

Tirol hat nun Tipps veröffentlicht, wie Wanderer mit Vieh auf der Alm umgehen sollen - und wie besser nicht.

Von Dominik Prantl

Kühe galten bislang als wandelnder Inbegriff der Almromantik und außerdem noch als phlegmatisch, ziemlich gutmütig und vielleicht auch ein bisschen begriffsstutzig (was Kuhflüsterer als böses Vorurteil bezeichnen). Als aggressiv aber war das Tier bislang eher nicht bekannt. Seit einiger Zeit jedoch häufen sich die Ratgeber darüber, wie mit dem Almvieh auf Wanderungen umzugehen sei. Im Tannheimer Tal etwa sollen zwei Wanderparcours mit Schildern und Infotexten den Städtern endlich Respekt und Achtsamkeit gegenüber dem gehörnten Vierbeiner beibringen.

Schon etwas älteren Datums ist die von diversen almwirtschaftlichen Vereinen in Umlauf gebrachte, comicartig aufbereite Infobroschüre "Eine Alm ist kein Streichelzoo". Jetzt haben die Tiroler in einer gemeinsamen Offensive von Landwirtschaftskammer Tirol, Tirol Werbung und Alpenverein noch einmal nachgelegt: "Eine Alm ist kein Streichelzoo" gibt es seit wenigen Wochen auch als Film.

Darin werden die Grundlagen für den richtigen Umgang mit der Kuh so bildhaft erklärt, dass es auch Kinder und Touristen verstehen: Almzäune nicht übertreten. Sicherheitsabstand einhalten, vor allem und unbedingt dann, wenn Kühe Kälber haben. Kälber nicht streicheln. Hunde an der Leine führen. Hunde dann von der Leine lassen, wenn die Kuh durchdreht. Und: keinesfalls den Hund beschützen wollen. Der Hund ist im Normalfall schneller und wendiger als die Kuh, ein Wanderer eher nicht.

Die konzertierte Aufklärungskampagne ist die Folge von mehreren ernsthaften Kuhattacken auf Almwanderer in den vergangenen Monaten. So wurde im Juni auf der Kranzhornalm im Bezirk Kufstein eine 70-jährige Tirolerin mit ihrem Hund von Kühen überrannt und getötet. Nur wenige Wochen später verletzten Rinder in der Steiermark eine Deutsche in Begleitung ihres Mannes schwer. Das Ehepaar hatte einen angeleinten Hund dabei.

Ein anderer, schon etwas älterer Fall zog diesen Sommer wiederum eine Diskussion über die Eigenverantwortung von Wanderern nach sich: Die Hinterbliebenen einer deutschen Urlauberin, die 2014 im Stubaier Pinnistal wohl wegen des bellenden Hundes von Kühen attackiert worden war und ihren schweren Verletzungen erlag, verklagten den Landwirt auf 360 000 Euro Schadenersatz, da dieser gegen die Sorgfaltspflicht verstoßen habe.

"Es braucht mehr Bewusstseinsbildung"

Entsprechend groß ist derzeit das Bemühen von Touristikern und Landwirtschaftsvertretern, weiteren Fällen vorzubeugen. Josef Hechenberger, Präsident der Landwirtschaftskammer Tirol, sagt beispielsweise: "Nach dem tragischen, tödlichen Unfall zu Beginn der diesjährigen Almsaison war für uns klar, dass es noch mehr Bewusstseinsbildung hinsichtlich des richtigen Verhaltens auf den Almen braucht."

Laut Comic-Film soll man der Kuh im absoluten Notfall übrigens einen kraftvollen Schlag mit einem Stock auf die Nase versetzen. Da dieser allerdings sitzen sollte, ist es vielleicht doch besser, im Zweifelsfall einen weiten Bogen zu machen.

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