Airports in Berlin "Tegel ist der echte Flughafen"

Die Verzögerungen am Pannen-Flughafen Berlin-Brandenburg kosten einige in der Hauptstadt Nerven und manche den Job. Andere Berliner freuen sich jedoch, dass der Flughafen nicht fertig wird.

Von M. Biederbeck und V. Großmann, Berlin

Auf den roten Kunststoffjacken ist der neue Flughafen fertig. Groß prangen darauf die weißen Buchstaben: BER-Service Team. Zwei junge Frauen tragen die Arbeitskleidung. Seit vergangenem Sommer sollten sie eigentlich den Kunden des neuen Flughafens helfen. Ihnen den richtigen Weg zeigen, ihre Fragen beantworten. Nur gibt es da ein Problem: Der neue Flughafen Berlin-Brandenburg, kurz BER, für den Isabelle Friedrichs, 25, und Nadja Berg, 28, angestellt wurden, ist nicht fertig. Und noch ist unklar, wann er überhaupt eröffnet wird. Deshalb beraten die beiden Berlinerinnen eben die Passagiere in Tegel. Ein Glücksfall, finden sie.

"Das hier ist einfach der echte Flughafen in Berlin. BER ist ja schon Brandenburg", sagt Isabelle Friedrichs. Nadja Berg sagt: "Ich wohne in der Nähe vom Kurfürstendamm im Zentrum. Tegel ist einfach viel näher." Für ausländische Passagiere sei der Flughafen zwar bestimmt winzig. Aber gerade wegen der Größe würde alles schneller gehen. Mit dieser Meinung sind die beiden nicht allein. Wer die wartenden Gäste in den Terminals von Tegel zu den aktuellen Patzern beim neuen Flughafen fragt, bekommt oft dieselbe Antwort: Zum Glück!

"Von mir aus könnte Tegel einfach für immer geöffnet bleiben, egal wie runtergekommen er ist. Entscheidend sind ja die Flugzeuge und nicht der Flughafen", sagt Rüdiger Schaub, Marketingmanager. Von seinen Flugreisen ab Frankfurt und München kenne er nur ewiges Hin- und Herlaufen. Das gebe es in Tegel nicht. Auch Lehrerin Nicole Duckstein, 28, sagt: "Ein großer Flughafen hat vielleicht mehr Möglichkeiten, aber Tegel liegt nah an der Innenstadt."

Die Flugpassagiere schätzen die Größe des Flughafens und wünschen sich seinen Fortbestand. Und tatsächlich rückt die eigentlich für Juni 2012 geplante Schließung erst einmal in weite Ferne. Egal, wie sehr die Berliner Tegel aber als den wahren Großstadtflughafen verehren: Ausgelegt ist er für die vielen Menschen nicht.

Seine Kapazität beträgt laut Flughafengesellschaft 11,5 Millionen Passagiere pro Jahr. Bis wenige Monate vor der geplanten Schließung wurde sogar noch angebaut, um diese erreichen zu können. Tatsächlich passierten 2012 aber etwa 18 Millionen Fluggäste die Terminals. Insgesamt landeten oder starteten mehr als 25 Millionen Menschen auf beiden Berliner Flughäfen, dem in Schönefeld und dem in Tegel. Damit ist schon beinahe die geplante Auslastung des neuen Flughafens BER erreicht: Dessen Kapazität ist für 27 Millionen Menschen geplant.

2011 hatte Tegel ein Passagierwachstum von 12,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr erreicht. 2012 stiegen die Zahlen noch einmal um sechs Prozent. Stolz verkündete Flughafen-Geschäftsführer Rainer Schwarz im Dezember 2012: "Wir sind der wachstumsstärkste deutsche Flughafen." Die Fluggesellschaft Air Berlin, deren Heimatstandort Tegel ist, arbeitet daran kräftig mit. Unverdrossen nimmt die Billig-Airline weitere Ziele ins Programm. 2013 nochmals fünf neue Orte. Doch wie lange hält Tegel das noch aus?

Eine Frage, die sich auch Fluggäste stellen. Etwa Martin Müller, 29, der gerade seine Frau zum Flieger bringt. Er mag Tegel, aber den Berliner Sozialarbeiter stört, dass keine U-Bahn zum Tegeler Rollfeld fährt. Auch Marianne Böhl, 51, die als Stewardess öfter nach Tegel kommt, sieht das ganze kritisch. "Hier fällt alles auseinander, da ist sogar unser noch wesentlich kleinerer Heimatflughafen in Rostock moderner."