US-Wahl Umfrage sieht Obama vorne

Der Präsident ist angriffslustig, der Herausforderer hat Probleme: Im zweiten TV-Duell zeigt sich Barack Obama deutlich besser vorbereitet. Mitt Romney hat ebenfalls starke Momente, doch er kann nicht so glänzen wie in der ersten Debatte. Erste Umfragen zeigen: Obama hat das Duell gewonnen.

Die zweite TV-Debatte zum Nachlesen im Newsblog. Matthias Kolb, Washington und Sebastian Gierke

Schwach beim ersten TV-Duell, aber gut erholt im zweiten: Barack Obama lieferte sich mit seinem Herausforderer Romney einen harten Schlagabtausch, immer wieder warf er ihm Lüge vor. Der Präsident zeigte sich sehr viel angriffslustiger. In Hempstead bei New York wirkte er aufgeweckter, energischer. Und konnte laut ersten Umfragen das TV-Duell so für sich entscheiden.

Einen klaren K.o.-Sieg gab es allerdings nicht, Obama könnte es aber gelungen sein, den Abwärtstrend der letzten Tage und Wochen zu brechen.

08:33 Uhr Pinocchio rating

Einen ausführlichen Fact-Check gibt es auch schon zu lesen bei der Washington Post. Hier die Konkurrenz von der New York Times.

Und noch eine schöne Spielerei: Fact or Fiction? Wahrheit oder Lüge? Spielerisch aufbereitet als Pinocchio rating.

08:08 Uhr Das Duell im Wortlaut

Die komplette Abschrift des Duells gibt es bei der Washington Post (auf englisch).

07:42 Uhr Amüsantes auf Twitter

Der Journalist Howard Fineman twittert: "The consensus hardens fast: Obama had a binder full of victory tonight: pay equity, Rose Garden, pension size, etc."

07:30 Uhr Deutschland war Thema

Ein Randaspekt, aber ein interessanter: Deutschland war auch Thema der Debatte. Obama hob deutsche Investitionen in erneuerbare Energien hervor. "Wenn wir immer nur an den nächsten Tag und nicht an die nächsten zehn Jahre denken, werden wir unsere eigene wirtschaftliche Zukunft nicht in den Griff bekommen", sagte Obama. "Denn China, Deutschland leisten diese Investitionen. Und ich werde diese Jobs der Zukunft nicht an jene Länder abtreten. Ich erwarte, dass diese neuen Energiequellen bei uns hier in den USA aufgebaut werden."

07:12 Uhr Romney’s Rose Garden Moment

Die New York Times fährt schwere argumentative Geschütze auf und spricht von "Romney's Rose Garden Moment". Sie vergleicht den Moment, als er fälschlich erklärte, dass Obama nicht sofort von Terrorangriffen gesprochen habe, als es um die Angriffe auf US-Konsolat in Bengasi ging, mit wahlentscheidenden Momenten aus anderen Debatten: Als George H.W. Bush 1992 auf seine Uhr sah. Oder als Gerald Ford 1976 erklärte, Osteuropa würde nicht von der Sowjetunion dominiert.

06:55 Uhr Wie reagieren die Wähler?

Die entscheidende Frage: Wie reagieren die Wähler auf dieses zweite Duell? Romney konnte nach der ersten Debatte zwar punkten, doch die Umfragen sagen noch immer ein Kopf-an-Kopf-Rennen voraus. Auch nach der zweiten ist der Kampf Obama gegen Romney völlig offen. Das dritte und letzte Rededuell ist am nächsten Montag. Gewählt wird am 6. November.

06:43 Uhr

Hier kurz die zwei bemerkenswertesten Momente aus der heutigen Nacht, ganz subjektiv:

[] Romney gerät böse ins Schlingern, als er Obama fälschlicherweise vorwirft, die Attacke auf das US-Konsulat in Bengasi, nicht sofort Terrorakt genannt zu haben. Obama lässt ihn auflaufen, Moderatorin Candy Crowley verbessert den Kandidaten. Romney, völlig aus dem Konzept, beginnt sogar zu stottern. In diesem Moment hatte er die Kontrolle verloren, sah nicht aus, wie der zukünftige Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika.

[] Obama reagiert schlagfertig, als es um die Rente geht und ihn der Millionär Romney fragt, ob er sich die mal angeschaut hätte: "Ich schaue mir meine Rente nicht an. Sie ist nicht so groß wie Ihre."

06:23 Uhr "Romney hat den Halt gleich zu Beginn der Debatte verloren"

Reaktionen? Erwartungsgemäß ziemlich unterschiedlich!  Hier ein kurzer Überblick über die Stimmungslage in beiden Parteien: "Gute Arbeit von Mitt Romney heute Abend. Präsident Obama hat seine Bilanz nicht verteidigen können", sagt John McCain, Obamas republikanischer Kontrahent bei der Wahl 2008. Reince Pribus, Vorsitzender der Republikanischen Partei erklärt: "Obama ist ein Mann vieler Worte, aber er steht nicht zu seinem Wort. Nur Mitt Romney hat einen Plan, um die kommenden vier Jahre besser zu machen als die vergangenen vier."  Rick Santorum, früherer republikanischer Bewerber sagt: "Mitt hat heute Abend wieder zugeschlagen!"

Michelle Obama zeigt sich erleichtert: "Ich bin heute Abend so stolz auf meinen Ehemann, erklärt Obamas Gattin. Und Julian Castro, Bürgermeister der texanischen Stadt San Antonio und Nachwuchs-Hoffnung der Demokraten fasst die Debatte so zusammen: "Romney hat den Halt gleich zu Beginn der Debatte verloren und sich davon nicht erholt. Obamas Antwort zu (der Ermordung von US-Diplomaten in) Libyen war ein sehr starker Moment."

06:01 Uhr Umfrage: Romney bringt die Wirtschaft in Gang

Kann Obama feiern? Er kann zumindest zufrieden sein. Allerdings gibt es noch andere Umfrageergebnisse, die ihn wohl eher sorgenvoll in die letzten Wahlkampfwochen gehen lassen: Von denen, die das Duell gesehen haben, glaubt eine große Mehrheit laut CNN, dass Romney eher als Obama die Wirtschaft in Gang bringen wird. Auch die Bekämpfung des Staatsdefizits liege eher Romney. Und was ist mit Obamacare? Zumindest hier: Gleichstand in den Umfragen.

05:44 Uhr Punktsieg für den Präsidenten

Die erste Umfrage ist da. Von CNN. Und da sieht es dann doch klarer aus als erwartet. 46 Prozent sehen Obama vorne, nur 39 Romney. Allerdings ist die Fehlermarge bei solchen Umfragen relativ groß. Dennoch: Möglicherweise hat sich Obama an diesem Abend das Momentum  wieder zurückgeholt. Beim Auftakt vor zwei Wochen hatten noch 67 Prozent der befragten Wähler Romney vorn gesehen.

05:29 Uhr #bindersfullofwomen

Ein Satz Mitt Romneys beschäftigt das Netz: Er habe viel Energie darauf verwendet, Frauen für sein Kabinett zu finden, als er Gouverneur von Massachusetts war. Dann sagte er, man habe ihm "Aktenordner voller Frauen gebracht" ("brought us whole binders full of women"). Eine - zumindest - unglückliche Formulierung, die ihm wohl keine Stimmen von Frauen einbringen wird, einer der am heftigsten umkämpften Wählergruppe. #bindersfullofwomen ist auf Twitter einer der meistgenannten Begriffe im Moment. Einen Tumblr gibt es auch schon.

05:24 Uhr Hat Obama "Terrorakt" gesagt?

(Foto: dpa)

Viel wird darüber gesprochen, ob Obama die Attacke auf das Konsulat in Bengasi "Terrorakt" genannt hat, oder nicht? Romney suggerierte, der Präsident hätte das nicht getan, wollte damit ausdrücken, dass der Präsident die Situation falsch eingeschätz hat oder sie sogar absichtlich falsch bewertet hat und deshalb auch falsch reagierte. Zu nachsichtig. Doch was hat Obama gesagt, im Rosengarten des Weißen Hauses, einen Tag nach dem Angriff. Hier die exakten Worte: "No acts of terror will ever shake the resolve of this great nation, alter that character or eclipse the light of the values that we stand for."

05:15 Uhr Grüne Präsidentschaftskandidatin verhaftet

Zu einem unschönen Zwischenfall kam es schon vor der Debatte: Die Präsidentschaftskandidatin der Grünen Partei, Jill Stein, und ihre Stellvertreterin sind im Vorfeld des Duells festgenommen worden. Polizeiangaben zufolge versuchten Stein und die Grünen-Vizepräsidentschaftskandidatin Cheri Honkala, am Dienstag auf das Gelände der Hofstra University zu gelangen. Den beiden Frauen wird Ruhestörung vorgeworfen. Anschließend hielten die beiden eine improvisierte Pressekonferenz ab, in der Stein die TV-Debatte als "Verhöhnung der Demokratie" kritisierte.

05:03 Uhr Wer gewinnt die Deutungshoheit?

Im spin room herrscht Hochbetrieb. Jetzt geht es wieder darum, die Deutungshoheit zu gewinnen. Die Unterstützer Obamas wirken dieses Mal weit entspannter als vor zwei Wochen. Die Republikaner versuchen dagegen, die Sache mit dem Terrorakt zu erklären. Das Weiße Haus habe hier ständig unterschiedliche Aussagen gemacht, erklärt Gouverneur Bobby Jindal aus Louisiana. Die Frage ist allerdings eher: Hat Obama etwas Falsches gesagt damals? Darauf antwortet Jindal: nicht.

04:57 Uhr Obama ist zurück

"Barack is Back." Titelt die Huffington Post. Tatsächlich hat Barack Obama die Erwartungen dieses Mal erfüllt. Er wirkte locker, spontan, schlagfertig. Und angriffslustig. Brachte Romney einige Mal sogar in arge Bedrängnis. Der Präsident hat dieses Mal das gemacht, was er bei der ersten Debatte vermissen lies. Allerdings hat sich auch der Herausforderer gut geschlagen.

Unsere Prognose für den Ausgang des Duells: Obama wird wohl in den Umfragen vorne liegen. Knapp.

04:49 Uhr Dieses Mal sitzt Obamas Schluss-Statement

Das letzte Wort hat der US-Präsident: Barack Obama weist es zurück, dass er daran glaube, dass die Regierung Jobs schaffen könne. Er glaube an Marktwirtschaft, doch jeder sollte seine faire Chance haben. Ob dies die Konservativen glauben, die ihn immer als Sozialist bezeichnen, sei dahin gestellt. Nach einer freundlich klingenden Einführung "Ich bin mir sicher, dass Mitt Romney ein guter Mann ist, der seine Familie liebt und an Gott glaubt" verweist er auf jene Bemerkung über die 47 Prozent der Amerikaner, die sich als Opfer sehen würden: "Es geht hier um Soldaten, Veteranen, Rentner und Studenten, die vom Staat unterstützt werden. Die haben sich alle angestrengt und das verdient." Er wolle für diese Menschen kämpfen: "Deswegen bitte ich um ihre Stimme und um vier weitere Jahre."

04:39 Uhr Romney: Das Obama-Lager macht mich schlecht

Die letzte Frage aus dem Publikum kommt von einem Mann namens Barry. Er möchte wissen, was der falscheste Eindruck sei, den die Amerikaner von den Kandidaten haben. Mitt Romney antwortet als Erster, er kritisiert das Obama-Lager, das in seinen TV-Anzeigen nicht die eigene Bilanz präsentiere, sondern ihn als Person schlecht mache. Ohne das Wort "Mormone" zu nennen, spricht er über seinen Glauben an Gott, sein Engagement in der Gemeinde, als Missionar und seine erfolgreiche Arbeit als Geschäftsmann, als Retter der Olympischen Spiele in Salt Lake City und als Gouverneur.

04:23 Uhr Wie schlägt sich Romney?

Wie schlägt sich Mitt Romney an diesem Abend? Ein echter Patzer ist ihm, bis zum Libyen-Thema, nicht unterlaufen, er kann gut reden und wirkt durch seine Statur und sein Äußeres wieder staatsmännisch. Auch auf heikle Fragen, etwa was ihn von George W. Bush unterscheidet, reagiert er relativ gut. Doch weil Barack Obama sehr viel präsenter und angriffslustiger ist, kann er nicht mehr so sehr strahlen. Immer wieder wird Romney von Obama mit Aussagen konfrontiert, die der Republikaner während der Vorwahl gemacht hat - und nur selten kann er diese kontern. Das Image des "moderaten Mitt" bekommt so einige Kratzer und wegen des Gegenwinds wirken Romneys Antworten nicht mehr so eloquent. Er bringt sein Kernargument "Die Wirtschaft schwächelt nach vier Obama-Jahren und 23 Millionen sind arbeitslos" immer wieder an, aber er verliert sich immer wieder in Diskussionen mit der Moderatorin - oder im Kleinklein, als er mit Präsident Obama über dessen Pensionsplan diskutiert. Es muss viel Unvorhergesehenes in den letzten Minuten passieren, damit Romney auch aus dieser Debatte als klarer Sieger hervorgeht.

04:14 Uhr Romney kommt ins Stottern

Jetzt endlich Außenpolitik. Es geht um den Umgang Washingtons mit dem tödlichen Angriff auf das US-Konsulat in Libyen. Obama nutzt die Gelegenheit, sich bei den US-Soldaten zu bedanken, seine Strategie zu loben, die US-Truppen aus Irak abgezogen zu haben und erinnert an die erfolgreiche Kommandoaktion gegen Osama bin Laden. Obama, der Commander in Chief.

Romney kommt zurück auf den Anschlag. Das Thema bestimmt die politische Agenda in Washington in den letzten Wochen. Die Republikaner versuchen, Obama für den Vorfall in die Verantwortung zu nehmen. Und Romney versucht jetzt, Obama  festzunageln. Obamas Umgang mit dem Angriff stelle die gesamte Politik des Präsidenten gegenüber der arabischen Welt in Frage. Obama zeige in der Region keine Führungsstärke und entschuldige sich für die USA. "Diese Strategie löst sich gerade vor unseren Augen auf". Soweit ok. Doch dann wirft er Obama vor, die Attacke erst nach 14 Tagen als "Terrorakt" bezeichnet zu haben. Obama lässt ihn cool auflaufen: "Holen sie das Protokoll". Tatsächlich äußerte Obama damals bereits nach 24 Stunden im Weißen Hauses diese Meinung. Romney verheddert sich vollkommen. Und auch die Moderatorin greift ein und berichtigt Romney. Das Publikum klatscht, obwohl es das eigentlich gar nicht darf. Romney kommt sogar ins Stottern. Wir er rot? Diese Szene werden wir noch öfter sehen, während der Aufarbeitung dieses Duells.

04:11 Uhr Obama mit mehr Sprechzeit

Auf dem Zeitkonto liegt Obama vorne: 32:40 Minuten hat der Präsident gesprochen. Romney 28:40 Minuten. Obama verliert sich dennoch nicht in professoralen Vorträgen. Was das Duell angeht liegt Obama jedenfalls nicht zurück...

04:10 Uhr Obama schlagfertig

Romney hat jetzt schon zum wiederholten Mal die Moderatorin unterbrochen, nicht sofort auf eine Frage geantwortet, sondern erst einmal auf Obama reagiert. Das wirkt fast arrogant - und hat sofort Auswirkungen auf die Zustimmungskurven. Negative.

Obama dagegen ziemlich schlagfertig: Auf die vorwurfsvolle Frage Romneys, ob er sich mal seinen Rente angeschaut hat in den vergangenen Jahren, was sich da geändert hat, kontert Obama den Millionär aus: "Ich schaue nicht auf meine Rente. Sie ist nicht so groß wie ihre. Deshalb dauert das nicht lange." Heiterkeit im Publikum. 

04:05 Uhr Lag es doch an der Höhenluft?

Al Gore hatte nach der ersten Debatte in Denver darüber spekuliert, ob Obamas schlechte Performance mit der Höhenluft in der Metropole in Colorado zu erklären sei. Wer den US-Präsidenten heute beobachtet, der wird Ryan Lizza, dem klugen Washington-Korrespondenten des New Yorker zustimmen, der bei Twitter schreibt: "Obamas heutige Performance lässt sein Auftreten bei der ersten Debatte noch verwirrender erscheinen." Ob es Obamas Ehrgeiz oder die bessere Vorbereitung war: Es scheint zu wirken.

03:59 Uhr Obama punktet

(Foto: AFP)

Eines ist nach einer Stunde klar: Obama schlägt sich sehr viel besser als vor zwei Wochen. Bei der Frage nach seiner Bilanz, bei der Frage danach, was er dafür getan hat in den vergangenen vier Jahren, ihn jetzt wiederzuwählen, ist Obama völlig klar, wirkt optimistisch und der Zukunft zugewandt. Es folgt eine kurze Tour durch das, was er für seine Erfolge hält: Außenpolitik, Innenpolitik, ganz egal. Obama punktet.

03:56 Uhr Frauen-Power

Moderatorin Candy Crowley hat die beiden Herren bisher sehr gut im Griff. Vor allem Romney steht immer wieder vor der CNN-Journalistin und möchte länger reden, doch Crowley lässt sich nicht darauf ein. Romney wirkt hier wenig präsidentiell. Und die zuständige Pool-Reporterin (Hintergründe hier) meldet aus dem Saal der Hofstra University an alle Korrespondenten: Das Publikum habe hörbar und verärgert geschnauft, als Romney dem Präsidenten der USA zurief "Sie bekommen Ihre Chance in einem Moment." Und das Publikum habe gelacht, nachdem Crowley dem klagenden Romney vorhielt: "So funktioniert das nicht hier." Anders als in Denver kann der Republikaner nicht die Rolle des Moderators mitübernehmen, weil Jim Lehrer sich so sehr zurück hält.

03:46 Uhr

"Was ist der Unterschied zwischen Ihnen und dem republikanischen Ex-Präsident George W. Bush?" Auch diese Frage wird Romney nicht besonders gefallen. Gefährlich. Aber Romney schlägt sich gut. "Unsere Partei hat sich zu lange am Big Business orientiert. Mir geht es um die kleinen und mittelständischen Unternehmern."

Für Obama ist die Frage ein Elfmeter: "Unterschiedliche ökonomische Pläne? Nicht wirklich? China härter anpacken? Er will doch amerikanische Arbeitsplätze nach China auslagern! Deshalb wird er nicht härter mit China ins Gericht gehen!" Romney springt auf. Wird von der nächsten Frage unterbrochen.

03:43 Uhr

Als nächstes will eine junge Frau wissen, was die Kandidaten denn tun wollen, um die Unterschiede in der Bezahlung von Frauen und Männern auszugleichen. Plötzlich wirkt Romney das erste Mal etwas hölzern, unsicher. "Eine gute Frage", sagt er. Aber seine Körpersprache sagt: "Schnell, nächste Frage." Er versucht sich an einem Beispiel aus der Wirtschaft, kommt schnell wieder zu Jobs. 

Obama dagegen spricht jetzt nicht über die Ökonomie. Er spricht über Gesundheitsvorsorge, über Verhütung: "Das sind nicht nur Frauenthemen, das sind Familienthemen. Die CNN-Kurve zeigt: Große Zustimmung.

03:40 Uhr Erstens, zweitens, drittens

Beide Kandidaten bemühen sich, ihre Argumente anschaulich zu präsentieren. Immer wieder zählen sie auf "Punkt 1, Punkt 2", um so Kompetenz zu signalisieren. Barack Obama schafft es bisher recht gut, seine Ausführungen in einen größeren Zusammenhang zu stellen: Natürlich erfordere es die Moral und die Verantwortung gegenüber den nächsten Generationen, dass die Verschuldung reduziert werde. Doch zugleich müssten sie die Gelegenheit haben, eine gute Bildung und eine faire Chance zu erhalten. Die Gegensätze zwischen den Kandidaten werden in Hempstead sehr deutlich. Obama scheint sich wohl zu fühlen - immer wieder sieht man ihn grinsen, wenn Romney mit dem Sprechen an der Reihe ist.

03:30 Uhr Big Bird ist wieder da

Jetzt Steuern. Die Fragestellerin verhaspelt sich ein bisschen, muss ihre Notizen herausholen. Romney lächelt. Obama lacht. "Sie machen das toll." Heiterkeit im Publikum.

Obama versucht wieder, seinen Widersacher als kalten Kapitalisten darzustellen, der die Steuern für die Reichen senken will, aber nicht weiß, wie er das Defizit senken will. "Wir haben von Gouverneur nichts Konkretes dazu gehört, außer Big Bird abschaffen zu wollen." Zuvor hatte Romney seinen Fünf-Punkte-Plan vorgestellt. Er blieb dabei tatsächlich wieder sehr vage.

Crowley fragt nach: "Was, wenn ihre Zahlen nicht aufgehen, wenn die Steuereinkünfte nicht ausreichen?" Die Moderatorin schlägt sich gut, legt immer wieder den Finger in die Wunden der Kandidaten. Romney sagt: "Natürlich wird mein Plan aufgehen." Obama rutscht unruhig auf seinem Stuhl hin und her. Dann hält es ihn nicht mehr. Er steht auf, kann aber nicht mehr eingreifen. Die nächste Frage.

03:23 Uhr Obama lebt

"Thank God, he's alive", schreibt der Blogger Andrew Sullivan über Barack Obama. Und wirklich, der US-Präsident lebt und präsentiert sich in der ersten Viertelstunde sehr wach und angriffslustig. Er erinnert bereits in seiner ersten Antwort daran, dass Mitt Romney einst dafür plädierte, die Autoindustrie nicht zu retten und Detroit bankrott gehen zu lassen. Wiederholt sagt er: "Was Gouverneur Romney sagt, ist nicht wahr." Noch etwas: Obama schaut nicht mehr nach unten, sondern fixiert seinen Widersacher. Doch auch Romney präsentiert sich wach und gut präpariert.

03:14 Uhr Direkte Konfrontation

Die nächste Frage zur Energiepolitik. Sollte die Regierung regulierend eingreifen bei den hohen Benzinpreisen? Die erste direkte Konfrontation der beiden. Romney spricht Obama direkt an: Was haben sie in den vergangenen vier Jahren getan, um mehr Öl und Gas zu fördern? Obama reagiert ausweichend. Romney insistiert. Obama erhebt den Zeigefinger. Ein interessanter Augenblick. Romney ist dran. Deshalb steht er. Obama sitz auf seinem Hocker. Romney hat die Situation unter Kontrolle. Obama in der Defensive, er muss sich rechtfertigen. Aber Obama schlägt zurück. Diesmal. Er erinnert daran, dass er vor vier Jahren sehr schwierige wirtschaftliche Bedingungen vorgefunden hat. Romney will noch antworten, wird von Crowley unterbrochen. Sie will zur nächsten Frage übergehen. Romney spricht einfach weiter. Die Zustimmung, bei CNN live anhand von Graphen für Frauen und Männer dargestellt: im Keller.

03:13 Uhr Vertauschte Farben

Ein Zeichen der Überparteilichkeit? Die traditionelle Farbe der Republikaner ist rot, die Farbe der Demokraten blau. An diesem Abend trägt Mitt Romney eine blau-weiße Krawatte, während sich Obama für eine rote Krawatte mit kleinen weißen Punkten entschieden hat.

03:08 Uhr Obama geht in die Offensive

(Foto: AFP)

Obama geht noch einen Schritt weiter. An Jeremy heran. Er wirkt angespannter, nicht so locker wie sein Gegner. Man spürt den Druck, unter dem er steht. Man merkt aber auch: Diesmal will er sich wehren, diesmal wird er aggressiver sein.

Schon in seiner Antwort an den Studenten Epstein spricht er an, dass Romney die Autoindustrie in Detroit, wie er selbst sagte, pleite gehen lassen wollte. Er wollte den freien Markt über das Schicksal dieses wichtigen Industriezweiges im Bundesstaat Michigan entscheiden lassen. Obama pumpte dagegen viele Millionen Dollar in die angeschlagenen Konzerne und sicherte so deren Fortbestehen. Und dann: "Was Gouverneur Romney sagt, ist schlicht nicht wahr."

03:03 Uhr

Es geht los. Keine Pulte für die Kandidaten. Sie sitzen auf Hockern, ein kleiner Tisch neben ihnen. Jeremy Epstein, ein Erstwähler stellt die erste Frage. Sie geht an Mitt Romney. Jeremy will wissen, wie Romney es schaffen will, dass er, nach seinem Studium, auch für sich selbst sorgen kann.

Romney steht von seinem Hocker auf, geht auf Jeremy im Publikum zu, spricht ihn direkt an, bedankt sich für die Frage, sagt: Wenn ich Präsident werde, wirst du einen Job finden. Das Lächeln breit, das Auftreten locker.

03:01 Uhr Worauf die Zuschauer achten könnten

Die meisten unentschlossenen Wähler, so erklären die Experten bei CNN, MSNBC und Fox News, sind Frauen mittleren Alters. Das wissen Obama und Romney auch und so werden sie sicherlich versuchen, die Damen zu überzeugen. Ein Schlüssel zum Erfolg, so hat es die Linguistin Elisabeth Wehling in einem süddeutsche.de-Interview erklärt (hier nachzulesen), liegt darin, nicht nur Fakten zu nennen, sondern stets die eigenen Werte deutlich zu machen, die den Politiker leiten. Auch sehr spannend: Direkt vor der zweiten Debatte hat US-Außenministerin Hillary Clinton die Verantwortung dafür übernommen, wie die Obama-Regierung auf den Anschlag auf das Konsulat in Bengasi reagiert hat, bei dem Botschafter Chris Stevens und drei weitere Amerikaner getötet wurden. In den letzten Wochen hatten Romney und Ryan den Vorfall genutzt, um Obama Schwäche in der Außenpolitik vorzuwerfen. Mal sehen, wie Romney seine Kritik heute formulieren wird - und wie Obama kontert.

02:56 Uhr Technische Probleme

Nur noch wenige Minuten. Candy Crowley stellt sich den Bürgern in Hempstead vor. Die Moderatorin macht einen nervösen, etwas fahrigen Eindruck. Das Mikrofon versagt. Hoffentlich kein schlechtes Omen für die Debatte. 

02:53 Uhr Ehefrauen in pink

Bei CNN wird darüber philosophiert, ob es ein Zufall sein kann, dass sowohl Ann Romney als auch Michelle Obama sich bei der Kleiderwahl für die Farbe pink entschieden haben.

Zuvor hat Ann Romney erzählt, dass ihr Mann, sobald er auf die Bühne kommt, seine Uhr ablegt und auf einen Zettel den Namen seines Vaters notiert. "Um sich zu erinnern, was dieser für die Familie geopfert hat."

02:46 Uhr Warum Obama auf der Hut sein muss

Bei der ersten Debatte wirkte Mitt Romney, als könnte er es gar nicht abwarten, auf Obamas Aussagen zu antworten. Der Präsident dagegen, so machte es den Anschein, wollte nichts mehr, als sofort wieder runter von der Bühne. Warum sich Mitt Romney bei einer Debatte so wohl fühlt, hat SZ-Korrespondent Nicolas Richter unter der Überschrift "Böser Reicher, plötzlich verbindlich" analysiert: "Die Vorstandsetage ist seine Welt, der höfliche Ton, die guten Manieren. Der republikanische Präsidentschaftskandidat Mitt Romney fühlt sich am wohlsten im kleinen Kreis."

02:40 Uhr Die Rolle der Candy Crowley

Die Kritiker sind sich einig: Jim Lehrer war bei der ersten Debatte ein schlechter Moderator, während Martha Raddatz Vizepräsident Joe Biden und Paul Ryan sehr gut im Griff hatte und äußerst kompetent wirkte. Durch den heutigen Abend führt die 63-jährige Candy Crowley, die jeden Sonntag die CNN-Talkshow "State of the Union" moderiert und den Titel Chief Political Correspondent trägt. Sie ist erst die zweite Frau, die durch ein Rededuell der Präsidentschaftsbewerber führen darf. In den Regularien, die das Magazin TIME vorab veröffentlicht hat, wurde festgehalten, dass die Moderatorin keine Nachfragen stellen oder das Thema wechseln dürfe. Crowley hat jedoch in mehreren Interviews, etwa mit Politico deutlich gemacht, dass sie nicht nur Mikrofon-Halterin spielen wolle. "Ich werde keine Fliege an der Wand sein", sagte sie und kündigte Nachfragen an, wenn Obama oder Romney zu sehr ausweichen sollten. Es sei keinem Wähler geholfen, wenn die Bewerber nur altbekannte Phrasen wiederholen würden. Es wird spannend sein, zu beobachten, welcher Kandidat besser mit der Moderatorin wird umgehen können.

02:27 Uhr Romney streitet sich ins Rennen zurück

70 Millionen Amerikaner haben die erste TV-Debatte verfolgt und mehrheitlich Romney als Sieger gesehen. Der 65-Jährige präsentierte sich als Mann der Mitte, dessen Sparplänen niemand fürchten müsse (mehr in dieser SZ-Analyse). Details nannte er nicht, doch in den Umfragen liegt er nun gleichauf mit Obama. Die wichtigste Erkenntnis aus einer Studie von Politico: Romneys Popularitätswerte sind gestiegen und er kam besonders gut bei Wählerinnen an. "51 Prozent haben nun eine positive Meinung von Romney, 44 Prozent sehen ihn negativ. Obama wird von 53 Prozent gut bewertet, 45 Prozent denken schlecht über ihn." Auch die Demoskopen der Washington Post sehen die beiden in einem Kopf-an-Kopf-Rennen. Allerdings gaben zwei Drittel der Befragten an, dass sie keine weiteren Informationen für ihre Entscheidung benötigen - nur jeder Achte hat sich noch nicht festgelegt (Details hier). Um diese kleine Gruppe der unentschlossenen Wähler in Staaten wie Ohio, Virginia, Florida oder Colorado buhlen Obama und Romney heute.

02:13 Uhr Gefahren für Barack und Mitt

Um auf mögliche Risiken für die Bewerber beim Townhall-Format hinzuweisen, erinnert die New York Times an Al Gore und John McCain: Der Demokrat kam 2000 George W. Bush sehr nahe, was unhöflich wirkte, und der Republikaner lief vor vier Jahren so ziellos auf der Bühne herum, dass er auf viele Bürger einen verwirrten und wenig staatsmännischen Eindruck machte. Für die Vorbereitung hat sich Mitt Romney in ein Hotel in Ohio zurückgezogen, um mit Senator Rob Portman als Obama-Double zu üben. Obama hat John Kerry beauftragt, die Rolle von Mitt Romney in den Trainingsdebatten zu übernehmen - und der Präsident hat dieses Mal ein komplettes Wochenende in Virginia an seinen Argumenten gefeilt und sich mögliche Strategien überlegt. Mit einem Unsicherheitsfaktor kämpfen beide Kampagnen: Er heißt WWCCD, was laut Washington-Post-Politjunkie Chris Cilizza für "What will Candy Crowley Do?" steht. Über die Rolle der CNN-Moderatorin an diesem Abend wurde zuletzt viel diskutiert.

02:12 Uhr Auch in der Townhall gibt es Regeln

Die 82 Zuschauer in der Hofstra University sind unentschlossene Wähler und wurden vom Meinungsforschungsinstitut Gallup ausgewählt - wer seine Frage schließlich an die Kandidaten richten darf, entscheidet die Moderatorin Candy Crowley von CNN. Bei dem lockeren Townhall-Format werden Obama und Romney nicht hinter Pulten stehen und werden sich in einem Spagat versuchen: Einerseits müssen sie auf die Frage und das Anliegen des Bürgers eingehen, anderseits sich vom Gegner abgrenzen. Wenn der Bürger die Frage gestellt hat, wird dessen Mikrofon sofort abgestellt. Beide Kandidaten haben jeweils zwei Minuten Zeit, um zu antworten, so hat es die 1987 gegründete und paritätisch mit Demokraten und Republikanern besetzte "Commission on Presidential Debates" festgelegt. Per Münzwurf wurde entschieden, dass Romney als Erster antworten wird.

02:05 Uhr Das Wort haben die Bürger

(Foto: AFP)

Willkommen, liebe Frühaufsteher oder Gar-nicht-zu-Bett-Geher, zur zweiten Runde der TV-Duelle 2012! Knapp zwei Wochen nach ihrer ersten Debatte in Denver stellen sich US-Präsident Barack Obama und sein republikanischer Herausforderer Mitt Romney den Fragen von 82 Bürgern in Hempstead im US-Bundesstaat New York. Beide Kandidaten stehen unter Druck: Nach dem ersten lustlosen Auftritt rechnen Experten und viele Bürger mit einem aktiveren Obama. Er muss aber darauf achten, es mit den Attacken nicht zu übertreiben - dies haben Beobachter an Vizepräsident Joe Biden kritisiert. Romney hingegen muss nach seinem fulminanten Auftritt zum Auftakt zeigen, dass er erneut 90 Minuten staatsmännisch wirken und Obama dominieren kann. In einer Erhebung für Pew gaben 41 Prozent der Befragten an, sie rechnen mit einem Obama-Sieg, 37 Prozent erwarten einen Erfolg Romneys.