Sabine Leutheusser-Schnarrenberger ist zwar nun Bundesjustizministerin, aber so einsam und verlassen wie zuvor: Sie hat ihre ersten schlimmen Niederlagen erlitten.

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Das Swift-Abkommen mit den USA ist verlängert worden, ohne dass Westerwelle ein scharfes Wort dagegen gesagt hätte: Die US-Geheimdienste haben daher weiterhin freien Zugriff auf die Daten von Auslandsüberweisungen deutscher Bankkunden; mehr als 326 Millionen waren das im vergangenen Jahr.

Hier hätte man sich das liberale Veto gewünscht, das der FDP-Wirtschaftsminister Brüderle gegen Mindestlöhne für 150.000 Müllarbeiter eingelegt hat.

Kein liberaler Stimmführer im Parlament

Natürlich: Leutheusser-Schnarrenberger protestiert, mahnt, bedauert - aber das hilft ihr heute beim Datenschutz und der Vorratsdatenspeicherung so wenig wie einst beim Lauschangriff, wenn der Parteichef nicht hinter ihr steht.

Wenn es so weitergeht, wird sie von der Repräsentantin der Bürgerrechte zur Symbolfigur für die Schwächen der FDP.

Die Westerwelle-FDP macht ihre alte Politik weiter und merkt nicht, dass altbackene Politik daraus geworden ist. Westerwelle war erfolgreicher Parteichef in Oppositionszeiten. Es fehlt bisher jedes Indiz dafür, dass er es auch in Regierungszeiten ist.

Es gibt keinen liberalen Stimmführer mehr im Parlament. Er will noch immer höchstpersönlich der Tausendsassa der Partei sein, so wie er es gewesen ist; aber nun ist er Außenminister und beschäftigt damit, sich die Schuhe großer Vorgänger anzuziehen, sie zu putzen und zu polieren, auf dass nicht der junge Konkurrent von der CSU, Verteidigungsminister Guttenberg, glänzender dasteht als er.

Westerwelle hat neue Aufgaben, kann aber die alten nicht loslassen.

Der jüngste der alten Bundespolitiker

15 Jahre lang war es sein großes Plus, dass er der einzige präsentable junge Politiker seiner Partei war. Weit und breit war kein anderer. Das ist nicht mehr so. Jetzt ist er der jüngste der alten Bundespolitiker.

Die Rolle der Jungen in der Partei nehmen jetzt Leute ein wie Gesundheitsminister Philipp Rösler und der neue FDP-Generalsekretär Christian Lindner. Westerwelles Wahlerfolge haben neue Talente geweckt. Die neuen Jungen haben sich dann, ziemlich schnell und ohne große Förderung von oben, selber durchgesetzt.

Die FDP ist nun nicht mehr allein auf den Parteichef angewiesen, der aber so tut, als sei er die exklusive Verkörperung der Liberalität.

Verglichen freilich mit den Leiden der CSU sind die Probleme der FDP komfortabel: Die Westerwelle-FDP muss nur das Pferd wechseln; die CSU muss sich neu erfinden.

Bei der FDP bröselt es nur; die CSU fällt auseinander.

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  1. FDP im goldenen Sattel
  2. Sie lesen jetzt Altbackene Politik
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(SZ vom 4. Januar 2010/odg)