Im Nahen Osten, dem tückischsten Terrain der Weltpolitik, versteht sich Außenminister Westerwelle darauf, Fehler zu vermeiden. Die passieren überall - haben aber nirgends eine so verheerende Wirkung wie in Israel.
Für einen Außenminister im ersten Amtsmonat kann die Schule der Diplomatie überall sein. An diesem Morgen befindet sie sich in einem mit Journalisten überfüllten Konferenzraum der palästinensischen Autonomiebehörde in Ramallah. Auf dem Stundenplan steht Geduld. Hinter Guido Westerwelle hängt ein Bild von Jassir Arafat, neben ihm steht Premierminister Salam Fajad. Der Palästinenser will auf Arabisch nur ein paar Begrüßungsworte sprechen, findet aber keinen rechten Schluss. Westerwelle versucht zunächst, was er so oft geübt hat: Er schaut neutral.
Bild vergrößern
Guido Westerwelle und Avigdor Lieberman, der israelische Außenminister: Fehler passieren überall, doch in Israel entfalten sie verheerende Wirkung. (© Foto: Reuters)
Anzeige
Je länger aber die Ausführungen des Regierungschefs dauern, desto schwerer fällt dem Minister das. Schließlich schleicht sich ein Lächeln auf sein Gesicht. Als Fajad dann nach einigen Minuten doch dem Dolmetscher das Wort übergibt, ist dieses Lächeln schon ziemlich breit geworden und ein sympathisches Lebenszeichen. In der Übersetzung ist schließlich zu erfahren, dass vor der Pressekonferenz ein "sehr konstruktiver Austausch über den Nahost-Friedensprozess" stattgefunden hat.
Im Nahen Osten, auf dem tückischsten Terrain der Weltpolitik, ist es ratsam, sich festzuhalten an gestanzten Formulierungen. Auch Westerwelle hat das bereits verinnerlicht. Er bekräftigt, dass ein "dauerhafter Frieden nur durch eine Zweistaaten-Lösung" zu erreichen sei, lobt auf Anraten seiner Experten "ausdrücklich" einen Zweijahresplan Fajads für mehr Staatlichkeit in den Palästinensergebieten und hält sich ansonsten kurz. Fehler passieren überall, hier aber entfalten sie verheerende Wirkung. Westerwelle ist das in jedem Augenblick seines Antrittsbesuchs in den Palästinensergebieten und Israel bewusst.
Auch am Vorabend, als er in der Halle der Erinnerung der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem mit Charlotte Knobloch, der Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, zu seiner Rechten steht. "Wir sind hier versammelt, um der sechs Millionen von den deutschen Nazis ermordeten Juden zu gedenken", sagt die Zeremonienmeisterin. Westerwelle facht das Mahnfeuer neu an, ordnet die Schleife an dem Kranz aus roten und gelben Gerbera und schreibt nach einem Gang durch das Mahnmal für die ermordeten Kinder ins Gästebuch: "Wir werden nicht vergessen. Unsere Verantwortung bleibt - unsere Freundschaft wächst."
Danach umarmt ihn Charlotte Knobloch. Westerwelle, der Außenminister, wird die Umarmung als Zeichen nehmen können dafür, dass Westerwelle, den FDP-Chef, die Gespenster des Antisemitismus-Streites nun nicht länger verfolgen werden. 2002, als junger Parteivorsitzender, hatte es Westerwelle versäumt, seinem Stellvertreter Jürgen Möllemann und dessen Spiel mit Antisemitismus Einhalt zu gebieten. "Geschichte endet nicht mit einer neuen Generation", schrieb er damals ins Gedenkbuch.
Die Möllemann-Affäre wird Westerwelle in Israel nicht mehr wirklich vorgehalten, fast routiniert würdigt er die besonderen Beziehungen zu Israel. Was diese besonderen Beziehungen in der Praxis mit sich bringen, ist am Dienstag der israelischen Zeitung Haaretz zu entnehmen.
Sie berichtet über die deutschen Vermittlungsbemühungen im Fall des seit drei Jahren entführten israelischen Soldaten Gilad Schalit. "Deutscher Vermittler im Schalit-Austausch-Deal trifft heute Hamas-Delegation in Kairo", lautet die Schlagzeile. Westerwelle äußert sich zu den deutschen Vermittlungsaktivitäten kaum. "Ich bringe nur meine Hoffnung auf ein menschlich gutes Ergebnis zum Ausdruck", sagt er lediglich.
Wirklich temperamentvoll trägt er nur eine Warnung an Iran vor: "Eine atomare Bewaffnung Irans ist für uns nicht akzeptabel." Die Geduld der Völkergemeinschaft sei nicht unendlich, warnt Westerwelle und sein israelischer Kollege hört das gern. "Harte Sanktionen" fordert Avigdor Lieberman für den Fall, dass es bis Jahresende keine Erfolge in den Verhandlungen mit Teheran gebe.
Zum Streit über den israelischen Siedlungsbau schweigen sich beide erst einmal aus. Erst auf Nachfrage bekräftigt Westerwelle, der Siedlungsstopp sei "ein wichtiger Baustein" auf dem Weg zum Frieden. Es gehe da um ein "internationales Missverständnis", klärt ihn da Lieberman, selbst begeisterter Siedler, auf. Siedlungen seien noch nie ein Hindernis für den Frieden gewesen. Über diese Meinungsunterschiede habe man gesprochen, schiebt Westerwelle da hinterher - in "freundlicher Ehrlichkeit". Ob es ehrlich freundlich zugegangen ist, bleibt Westerwelles Geheimnis. Die Lektion hat er schon gelernt.
(SZ vom 25.11.2009/gba)
Müll am Fluss
Bitte beachten Sie unsere netiquette und unsere AGB
Genau - Immer dieses gequatsche! Die diskriminierung von Homosexuelle Welt weit ist kein Israelische Sache sondern ein Problem das in allen Länder dieser Welt besteht! Ich würde gerne einen Schwulen in einem Kippuz sehen! Hören Sie doch auf so ein Blödsinn zu erzählen. Diesen Sommer erst wurden zwei Schwule in Israel auf offener Straße ermordet! Vergessen! ( in Tel Aviv)
Und wenn es so wäre wie Sie das erzählen! Wo war sein Mann Bitte?
Auffällig an allen Diskussionen über Israel ist eine auffällige Häufung der Israelkritischen Kommentare. Diese korrespondiert aber nicht mit der Bewertung der Beiträge. Dafür gibt es mehrere Erklärungen. Entweder trauen sich die Befürworter der israelischen Politik nicht und bewerten lieber oder . Beide Versionen sprechen nicht für demokratisches und politisches (Selbst)-Bewusstsein.
Ich hatte Ihnen bereits in anderem Zusammenhang nahegelegt,sich erst zu informieren,bevor Sie unqualifziertes Zeug von sich geben
In konträrem Gegensatz zu den arabischen Staaten und Iran,werden Homosexuelle in Israel in keiner Weise diskriminiert.Ihnen stehen alle Ämter offen,selbst bei den Streitkräften.
Haben Sie noch niemals von den großen jährlichen Gay-Umzügen in Jerusalem und insbesondere in Tel-Aviv gehört ? Nein ? Dann frage ich mich , WAS Sie denn Israel betreffend überhaupt lesen.
Tel-Aviv hat eine große und völlig offen auftretende Gay-Gemeinde,zu der auch viele israelische Araber gehören,die sich in den arabischen Ortschaften nicht outen können,ohnen dabei ihr Leben zu riskieren und daher nach Tel-Aviv abwandern.
Unser Außenminister darf sich also diesbezüglich in Israel ganz daheim fühlen. Dagen müßte er im Iran befürchten,wegen seiner Sexualität öffentlich an einem Kran erhängt zu werden.Ein grausames Schicksal,welches viele Homosexuellen dort erleiden mußten.
Verzeihen Sie mir,aber Ihre Ignoranz betr. Israel und Nahost ist fast grenzenlos.Wollen Sie nicht zuerst ein wenig lernen,bevor Sie wieder nur so aus dem Bauch heraus loslegen ?
die Kriegsverbrechen der Israelis angesprochen ? oder hat er nur Zigarren mit dem Rechtspopulisten Liebermann geraucht und ihm neue Kriegsschife, auf unsere Kosten versprochen ?
Paging