Die Affäre Möllemann wirft immer noch lange Schatten: Außenminister Westerwelle reist zum Antrittsbesuch nach Israel, wo die frühere antijüdische Haltung von Teilen der FDP unvergessen ist.
Reisen nach Israel sind für deutsche Politiker, um es mit den Worten von FDP-Chef Guido Westerwelle zu sagen, "schwierig, aber auch notwendig". Siebeneinhalb Jahre ist es her, dass Westerwelle diese Formulierung gewählt hat. Es war im Mai 2002, der junge Vorsitzende der Liberalen flog ins Heilige Land. Nicht zu einem Besuch, sondern in einem Notfalleinsatz.
Vor sieben Jahren war Guido Westerwelle zu einem Noteinsatz in Israel - hier im Gespräch mit dem damaligen Außenminister Schimon Peres (Archivbild vom 27.5.2002) (© Foto: dpa)
Anzeige
Die FDP befand sich inmitten dessen, was unter der Überschrift "Antisemitismus-Streit" als unrühmliches Kapitel in die Parteigeschichte eingehen sollte. Wenn der an diesem Montag beginnende Antrittsbesuch Westerwelles noch ein bisschen schwieriger und notwendiger ausfällt als bei jedem neuen deutschen Außenminister, dann hat das mit den damaligen Vorgängen zu tun.
Direkt nach dem Wahlsieg der FDP im September, als die Welt sich für die Partei des Guido Westerwelle zu interessieren begann, rief die israelische Zeitung Haaretz ihren Lesern zwei Namen in Erinnerung: Jamal Karsli und Jürgen Möllemann. Karsli war einst nordrhein-westfälischer Landtagsabgeordneter der Grünen und verbreitete, die israelische Armee gehe mit "Nazi-Methoden" gegen die Palästinenser vor. Möllemann fand damals als FDP-Landeschef, einer wie Karsli sei genau der Richtige für die Partei.
Eine Partei neuen Typs
Unter normalen Umständen wäre die Angelegenheit vermutlich rasch aus der Welt geschafft worden durch einen Ordnungsruf des Bundesvorsitzenden. Doch Westerwelle, noch nicht lange im Amt, befand sich in einer Ausnahmesituation. Er hatte das "Projekt 18" ausgerufen, wollte Kanzlerkandidat sein und schwärmte von einer Partei neuen Typs.
Gerhard Schröder verletzte Westerwelle in dieser Zeit mit der Bemerkung, die FDP sei nicht regierungsfähig. Die Attacke traf den Kern: Über quälende Wochen hinweg mied Westerwelle ein Machtwort, ließ Möllemann gewähren. Er tat das selbst dann noch, als dieser den Vize-Vorsitzenden des Zentralrats der Juden, Michel Friedman, attackierte und ihn gar mitverantwortlich machte für Antisemitismus in Deutschland.
Alte Liberale wie Burkhard Hirsch beschworen den jungen Vorsitzenden damals, einzuschreiten. Seiner innerparteilichen Macht nicht gewiss und auf Protestwähler schielend, nahm Westerwelle den Kampf verspätet und zunächst halbherzig auf. Möllemann habe sich verrannt, seine Kritiker aber auch, behauptete er.
Israels damaliger Botschafter Schimon Stein beobachtete das Treiben mit Sorge und verschaffte dem FDP-Chef eine Einladung nach Jerusalem. Westerwelle nahm an, bekräftigte aber kurz vor der Abreise in der Bild am Sonntag seine Kritik an Israels Besatzungspolitik. "Man darf Kritik üben, ohne gleich in die braune Ecke abgeschoben zu werden", sagte er. In Jerusalem empfingen Westerwelle die höchsten Repräsentanten des Staates - und lasen ihm die Leviten. Der damalige Ministerpräsident Ariel Scharon sprach über den Antisemitismus in Europa und wurde konkret: "Auch die Dinge, die gegen die jüdische Gemeinschaft in Deutschland gesagt werden, beunruhigen uns sehr."
Den Bruch mit Möllemann zögerte Westerwelle nach der Reise hinaus. Erst nach der für die FDP missglückten Bundestagswahl und dem Bekanntwerden illegaler Finanzmachenschaften musste Möllemann am 21. Oktober von seinen Ämtern zurücktreten. Weniger als ein Jahr danach sprang er mit dem Fallschirm in den Tod.
Aufmerksame Zuhörer
Die alte Affäre wirkt nach. Und doch ist es unwahrscheinlich, dass Westerwelle in Israel pausenlos darauf angesprochen werden wird. Gleich nach seiner Ankunft wird der Außenminister zur Holocaust-Gedenkstätte Jad Vaschem fahren und keinen Zweifel daran lassen, dass er zur historischen Verantwortung Deutschlands steht. Präsident Schimon Peres, Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Außenminister Avigdor Lieberman aber wollen wissen, ob sie von Westerwelle mehr erwarten können als diese Pflicht.
In Deutschland sehen die Israelis den wichtigsten Partner in Europa, in Kanzlerin Angela Merkel eine verlässliche Freundin des Landes. Auch Westerwelles Vorgänger Frank-Walter Steinmeier und Joschka Fischer haben es in Israel zu hohem Ansehen gebracht.
Die Erinnerung an die FDP-Minister Klaus Kinkel und Hans-Dietrich Genscher hingegen ist verblasst. In Israel fragt man sich, ob Westerwelle bereit sein wird, sich im Nahen Osten zu engagieren. Unter den Schwerpunkten, die er bisher benannt hat, war von Israel jedenfalls nicht die Rede. In Jerusalem darf er mit aufmerksamen Zuhörern rechnen.
- Streit um Steinbach "Westerwelle profiliert sich auf unsere Kosten" 18.11.2009
- Außenminister Westerwelle Wenn Guido reist 13.11.2009
- Geldstrafe für Liberale Die FDP und der lange Schatten Möllemanns 02.07.2009
- Möllemann Der unentbehrliche Störenfried 07.06.2002
- Ein Jahr nach dem Tod von Jürgen Möllemann Guido Westerwelle: "Man reift" 04.06.2004
- Politik kompakt Limburg: Priester von Aufgaben entbunden 04.05.2010
- Hamas-Propaganda Traumfabrik des Terrors 27.04.2010
(SZ vom 21.11.2009/aho)
Also doch, wenn nicht die alte Nazikeule,was dann ? Nun da haben wir ja noch den Moellemann. Das der Moellemann so unrecht gar nicht hatte, kann man ja fast Taeglich in den Zeitungen lesen. Wenn sich sogar die staerksten Verbuendeten und Freunde mit der Besatzungspolitik Israels nicht mehr einverstanden fuehlen,da sollte doch die Moellemannkeule doch noch ihren Zweck erfuellen. Einen Demuetigen und Devoten deutschen Aussenminister,der allem was Israel will,bedenkenlos zustimmt.
Schaden? und welchen schaden richtet Israel damit das es mit Füßen Vorschläge aus Europa tritt. Und neuerdings die aus der USA auch. Ich mag die FDP nicht und auch nicht den Westerwelle, aber einwenig mehr Respekt vor einem verbündeten der euch den Rücken bei jedem neuen Massaker frei hält wäre angebracht.
Michel Friedman und der Zentralrat SIND eindeutig mitschuldig daran, dass auch in Deutschland die Kritik an der Politik Israels über die letzten Jahre deutlich gewachsen ist!
DAS auch nur zu ignorieren oder gar zu leugnen ist keines Journalisten, aber auch keines Politikers, und seis die Frau Bundeskanzler, "würdig", DENN es widerspricht der weltweiten Wirklichkeit eklatant!
Selbst in den USA, sogar unter den dort lebenden Juden, regt sich verstärkt Widerstand gegen dieses Israel. Und sollte Israel den IRAN überfallen, dann wird sich die Zahl der Israel-Kritiker weltweit vervielfachen. DENN Israel begeht permanent, aber bisher völlig ungestraft, ja sogar vom Westen darin unterstützt und bestärkt, UNRECHT!
Und weder Michel F. noch der Zentralrat haben jemals auch nur eine Silbe der Kritik dazu verlauten lassen!
Ich vermute, dieses posting wird wieder einmal im SZ-Orkus verschwinden. Weil auch diese grösste deutsche Tageszeitung es inzwischen nicht mehr wagt, Israel-Kritik laut werden zu lassen.
Nun ist also unser neuer Aussenminister zum Antrittsbesuch in Israel.... Der Zentralrat ermahnt Weserwelle - titelt der "Focus"
Weiter liest man dort: "Der Zentralrat der Juden erwartet von Außenminister Westerwelle bei seiner Israel-Reise deutliche Akzente der Versöhnung. Die FDP hätte hier mit Blick auf die Möllemann-Affäre erheblichen Nachholbedarf.
Mit der Möllemann-Affäre gebe es eine erhebliche Hypothek. "Das schwebt immer noch wie ein Damoklesschwert über Guido Westerwelle und den Liberalen", sagte Kramer. Allerdings gebe es jetzt die Möglichkeit, einen Klimawechsel in den Beziehungen zu Israel zu erreichen.
Nun ja, es geht also alles seinen gewohnten Gang: Der Zentralrat ermahnt und der Aussenminister führt sein Amt unter dem Damoklesschwert - er ist also ein Aussenminister auf abruf nach Ansicht des Zentralrats.
Ja und ansonsten? Der neue Aussenminister wird als erstes nach Jad Vaschem gefahren, spricht dann am nächsten Tag mit Israels Regierungschef Netanjahu und Staatspräsident Peres. Die israelische Opposition erhält keinen Termin. Ach ja und eine Kurzvisite von Ramalla steht auch noch auf dem Programm...
Man kann nur hoffen, dass diese Kurzvisite nicht auch noch vom Zentralrat gerügt wird....
Möllemann hatte recht und
Westerwelle wird sich rauslavieren( "besondere Verantwortung", verlässlicher Partner!" und weiteres Gelabere).
Was die Siedlungspolitik betrifft zur Erinnerung: Gross-Israel wurde doch schon vor hundert Jahren geplant.
Und wie man sieht wird konsequent daran "gearbeitet".!
Paging