Die Popularitätswerte des Guido Westerwelle sind so tief gesackt wie nie zuvor die eines Außenministers oder FDP-Vorsitzenden. Der Vizekanzler hält sich als innenpolitischer Angreifer für unentbehrlich. Dann aber hätte er nicht Außenminister werden dürfen.
Diese Woche hat für Guido Westerwelle im kanadischen Gatineau begonnen, beim Gipfeltreffen der Außenminister der G-8-Staaten. Weit weg von Berlin, wo die vergangene Woche für den FDP-Chef am Boden der politischen Tatsachen zu Ende gegangen ist.
Nur sein Amt als Außenminister kann Guido Westerwelle noch retten - seine Popularitätswerte sind so tief gesackt wie nie zuvor. (© Foto: Getty Images)
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Da waren seine Popularitätswerte so tief gesackt wie nie zuvor die eines Außenministers oder FDP-Vorsitzenden. Wenn es nun stimmt, dass die schwarz-gelbe Koalition verstanden hat, dass sie ihr Erscheinungsbild verbessern will, dann ist Westerwelle am richtigen Platz für einen Neuanfang. Dem FDP-Chef kann nur noch der Außenminister helfen.
Auch wenn es weh tut: Zum besseren Verständnis dessen, was er falsch gemacht hat in den ersten Amtsmonaten, würde Westerwelle ein Blick darauf helfen, was seine Vorgänger richtig gemacht haben. Der Grüne Joschka Fischer ist angetreten in einer nicht unähnlichen Situation - ohne Regierungserfahrung im Bund, als Vertreter des kleineren Koalitionspartners und gegen das Misstrauen vieler. Fischer gelang die rasche Mutation zum Staatsmann.
Iran und Israel: Chancen für Westerwelle, zu glänzen
Er redete seiner Partei nicht nach dem Mund, sondern mutete ihr gleich zu Beginn mit der deutschen Beteiligung am Kosovo-Krieg viel zu. Frank-Walter Steinmeier hatte diese Probleme nicht. Aus dem toten Winkel der öffentlichen Wahrnehmung aber trat der einstige Kanzleramtschef als honoriger Außenpolitiker ins Bewusstsein der Bürger. Beide haben im Amt an Statur gewonnen.
An Gelegenheiten, sich in der Diplomatie zu beweisen, fehlt es auch Westerwelle nicht: Im sich gefährlich zuspitzenden Nahost-Konflikt kommt Deutschland eine europäische Schlüsselstellung zu. Zum einen bringt Israel keinem anderen Land in der EU so viel Vertrauen entgegen. Zum anderen verfügen nur wenige Länder mit so guten Beziehungen zu Israel über so brauchbare Drähte in die arabische Welt.
Auch beim beherrschenden internationalen Thema der kommenden Wochen, dem Konflikt um das iranische Atomprogramm, spielt Deutschland keine Nebenrolle. Es geht darum, die Russen für Sanktionen gegen Teheran bei der Stange zu halten und die Chinesen ins Boot zu holen. Dies ist, selbst wenn das in Berlin kaum wahrgenommen wird, auch eine Aufgabe für den deutschen Außenminister. Und nicht zuletzt in Europa muss Westerwelle Flagge zeigen, indem er deutsche Interessen wahrt beim Aufbau des Europäischen Auswärtigen Dienstes.
Es sind dies alles Aufgaben, welche die volle Aufmerksamkeit eines Außenministers erfordern. Er muss sie erledigen - nicht, weil dies einen Popularitätsgewinn verspricht, sondern deshalb, weil er einen Amtseid abgelegt hat. Wenn die Bürger den Eindruck gewinnen, dass Westerwelle diesen Eid ernst nimmt, werden sie auch ihn wieder ernster nehmen. Mag sein, dass der FDP-Chef sich in seiner Rolle als innenpolitischer Angreifer für unentbehrlich hält. Dann aber hätte er nicht Außenminister werden dürfen.
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(SZ vom 30.03.2010/pbar)
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einfach nicht mehr zu helfen. Und dem Gildo -äh, Guido- schon lange nicht mehr. Möglicherweise arbeitet er bereits an der Machtübernahme...
"In einem Land, wo die mehr als 80% der Bevölkerung, inkl. der Journalisten mit einer liberalen, offenen und konsesorientierten Haltung nichts anfangen kann, muss man mit sinkenden Popularitätswerten rechnen. Aber vielleicht bessert es sich ja."
Von welchem Land reden Sie? HIER muß man die Erfahrung machen, daß mit liberal eine Freiheit gemeint ist, die auf Kosten anderer geht. Und die Haltung, um die es geht, ist hinterhältig und hetzerisch/spätrömisch/dekadent; leistungslose Abzockerei der ausgequetschten Bevölkerung. Sie müssen es von einer spiegelverkehrten Gegenwelt haben. Glückwunsch, daß Sie das so sehen können.
was bezeichnenderweise bislang nur "Yahoo" eine Nachricht wert war ...
Dass nämlich Westerwelle seine - wochenlang alle Medien beherrschende - Hartz- und "spätrömische Dekadenz"- Debatte mit falschen Angaben begründete - und das als Jurist ...
"Yahoo Deutschland Nachrichten" nimmt in einer Meldung vom 28.03. Bezug auf einen Artikel in der "Leipziger Volkszeitung", die demgemäß berichtet hat, dass
"Westerwelles damals angeführte These nicht stimmt, nach der eine berufstätige verheiratete Kellnerin mit zwei Kindern 109 Euro weniger zur Verfügung habe als eine vergleichbare Hartz-IV-Familie." ...
Und weiter aus der "Yahoo"-Nachricht:
"Der CDU-Staatssekretär im Bundesarbeitsministerium, Ralf Brauksiepe, habe schriftlich eine Berechnungsanfrage der arbeitsmarktpolitischen Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag, Jutta Krellmann, beantwortet, berichtet die Zeitung. Demnach hat die berufstätige Kellnerin bei regulärer Inanspruchnahme von Wohngeld und Kinderzuschlag monatlich 456 Euro mehr zur Verfügung als ein vergleichbares erwerbsloses Paar.."
Quelle: http://de.news.yahoo.com/2/20100328/tde-westerwelle-begruendete-hartz-debatt-a4484c6.html
(Dank an "hanny10", die diese Meldung im Internet gefunden hat)
In einem Land, wo die mehr als 80% der Bevölkerung, inkl. der Journalisten mit einer liberalen, offenen und konsesorientierten Haltung nichts anfangen kann, muss man mit sinkenden Popularitätswerten rechnen.
Aber vielleicht bessert es sich ja.
Paging