Wahl in Schleswig-Holstein CDU knapp vor SPD, aber Schwarz-Gelb abgewählt

Die Regierung aus CDU und FDP hat in Schleswig-Holstein die Mehrheit verloren, die Liberalen schaffen aber den Wiedereinzug in den Landtag. Die CDU liegt ganz knapp vor der SPD, aber für die Dänen-Ampel aus SPD, Grünen und Südschleswigschem Wählerverband gäbe es eine Mehrheit. Für Spitzenkandidat Jost de Jager ist der Ausgang des Wahlabends auch ganz persönlich bitter.

Die Wahl im SZ-Blog. Von: Carsten Eberts aus Kiel und Thorsten Denkler aus Berlin sowie Jasmin Off, Oliver Das Gupta und Oliver Klasen

Wer wird neuer Ministerpräsident in Schleswig-Holstein? Das Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen SPD und CDU haben die Christdemokraten ganz knapp für sich entschieden. Doch viele Fragen sind noch offen:

[] Die CDU ist ganz knapp stärkste Kraft vor der SPD. Für eine Fortsetzung von Schwarz-Gelb reicht es nicht, die Dänen-Ampel aus SPD, Grünen und SSW könnte eine knappe Mehrheit im Landtag erringen.

[] Die FDP bricht ihre Serie von Wahlniederlagen und überspringt deutlich die Fünf-Prozent-Hürde. Die Linke muss hingegen nach nur zweieinhalb Jahren aus dem Parlament ausscheiden. Die Piratenpartei setzt ihren Siegeszug fort und zieht erstmals ins Kieler Parlament ein. Es ist der dritte Landtag mit einer Piratenfraktion.

[] Nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis kommt die CDU mit Jost de Jager an der Spitze auf 30,8 Prozent (2009: 31,5). Die Sozialdemokraten mit ihrem Spitzenkandidaten Torsten Albig verbessern sich auf 30,4 Prozent (2009: 25,4 Prozent). Die Grünen erhalten 13,2 Prozent (2009: 12,4 Prozent), die Piratenpartei 8,2 Prozent und der Südschleswigsche Wählerverband (SSW), der als Vertretung der dänischen Minderheit von der Fünf-Prozent-Hürde ausgenommen ist, 4,6 Prozent (2009: 4,3 Prozent). Die FDP zieht mit 8,2 Prozent (2009: 14,9 Prozent) wieder in den Landtag ein, während die Linkspartei mit 2,2 Prozent (2009: 6,0) an der Fünf-Prozent-Hürde scheitert.

[] Für CDU-Spitzenkandidat Jost de Jager endet der Wahlabend bitter: Er wird dem neuen Kieler Landtag nicht angehören. Die CDU gewann bei der Landtagswahl am Sonntag mehr Direktmandate, als ihr nach dem Zweitstimmen-Ergebnis zustanden. Deshalb kam die Landesliste nicht zum Zuge, auf der de Jager auf Platz eins stand. Einen eigenen Wahlkreis hatte der CDU-Politiker nicht.

Der lange Wahlabend in Kiel in der Ticker-Nachlese. Von: Carsten Eberts (@c_eberts bei Twitter) aus Kiel, Thorsten Denkler (@thodenk) aus Berlin sowie Oliver Das Gupta (@oliverdasgupta), Jasmin Off und Oliver Klasen.

00:34 Uhr SPD nimmt CDU mehrere Wahlkreise ab

Erstarkte Sozialdemokraten: Die SPD hat in den Wahlkreisen die Zahl ihrer Direktmandate mehr als verdoppelt. Sie nahm der CDU zahlreiche Mandate ab, darunter den des Landtagspräsidenten Torsten Geerdts in Neumünster. Von den 35 Wahlkreisen errangen die Sozialdemokraten 13 Direktmandate, die CDU bekam 22. Bei der Landtagswahl 2009 hatte die SPD nur sechs Wahlkreise gewonnen - bei damals noch 40 insgesamt. Die SPD gewann neben ihren traditionellen Hochburgen Kiel und Lübeck unter anderem Flensburg, Elmshorn, Pinneberg und Ostholstein-Nord.

00:31 Uhr Landtag ohne de Jager

Ausgerechnet die Nummer eins sitzt nicht im Landtag: Der CDU-Spitzenkandidat in Schleswig-Holstein, Jost de Jager, wird dem künftigen Landesparlament nicht angehören. Die CDU gewinnt mehr Direktmandate, als ihr nach dem Zweitstimmen-Ergebnis zustehen. Deshalb kommt die Landesliste nicht zum Zuge, auf der de Jager an der Spitze stand. Einen eigenen Wahlkreis hat der erst 2011 für den wegen einer Affäre mit einer Minderjährigen zurückgetretenen Christian von Boetticher zum Spitzenkandidaten aufgerückte de Jager nicht.

00:29 Uhr Dänen-Ampel hätte eine Mehrheit

Nach der Wahl in Schleswig-Holstein kommt ein Dreier-Bündnis aus SPD, Grünen und Südschleswigschem Wählerverband (SSW) laut vorläufigem amtlichen Endergebnis auf eine knappe Mehrheit im Landtag. Die drei Parteien errangen demzufolge 35 von 69 Sitzen und haben damit eine Mehrheit von einer Stimme.

00:23 Uhr Vorläufiges Endergebnis

Die CDU ist in Schleswig- Holstein nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis knapp stärkste Kraft geworden: Die Partei kommt auf 30,8 Prozent. Die SPD erhält 30,4 Prozent. Die FDP behauptet sich mit 8,2 Prozent im Landtag, die Grünen erreichen 13,2 Prozent, der von der Fünf-Prozent-Klausel befreite Südschleswigsche Wählerverband (SSW) 4,6 Prozent. Die Piraten sind mit 8,2 Prozent erstmals im Landtag, die Linke mit 2,2 Prozent nicht mehr. CDU und SPD bekommen je 22 Sitze, die Grünen zehn, FDP und Piraten je sechs und der SSW drei Mandate.

22:34 Uhr Jost de Jager hält große Koalition für denkbar

Für Jost de Jager ist eine große Koalition eine Option. Im Interview mit dem TV-Sender Phoenix sagte der CDU-Politiker, er könne sich eine Zusammenarbeit mit Torsten Albig vorstellen: "Zwischen uns als Person würde da nichts stehen. Bündnisse werden zwischen Parteien geschlossen und nicht zwischen Personen. Hier geht es vor allem darum, dass man die inhaltliche Ebene für eine solche Zusammenarbeit findet."

22:26 Uhr "Ich bin Torsten Albig"

SPD-Spitzenkandidat Torsten Albig hat offenbar keine Angst, das gleiche Schicksal zu erleiden wie die ehemalige SPD-Ministerpräsidentin Heide Simonis, deren Koalition damals im Kieler Landtag nur über eine äußerst knappe Mehrheit verfügte und deren Wiederwahl an einer Stimme scheiterte. "Ich bin Torsten Albig", sagte der SPD-Mann in der ARD. Und in fünf Jahren werde die SPD in Schleswig-Holstein noch "etwas komfortabler gewinnen".

22:01 Uhr Jost de Jager muss um sein Mandat bangen

Für CDU-Spitzenkandidat Jost de Jager könnte es noch ein bitterer Abend werden. Weil die CDU voraussichtlich viele Direktmandate gewinnt, kommt womöglich die CDU-Landesliste nicht zum Tragen. Dann wäre de Jager im neuen Kieler Landtag - trotz Listenplatz 1 - nicht mehr vertreten.

21:53 Uhr Die Wahlkreis-Ergebnisse im Überblick

Die ländlichen Gegenden haben eher Schwarz gewählt, die Städte Rot: Immer mehr Wahlkreise sind nun ausgezählt. Hier geht es zur graphisch aufbereiteten Übersicht.

21:43 Uhr Kubicki, die Piraten und der Arzt

Noch ein Zitat von Wolfgang Kubicki. Nach den ersten Hochrechnungen kündigte der FDP-Spitzenkandidat an: "Wenn wir vor den Piraten liegen, was ja noch möglich ist, trinken wir, bis der Arzt kommt."

21:36 Uhr Piraten schließen Duldung einer "Dänen-Ampel" nicht aus

Gerade erst in den Landtag gewählt und schon potentielles Zünglein an der Waage: Die Piratenpartei zeigt sich grundsätzlich offen für die Tolerierung einer sogenannten Dänen-Ampel in Schleswig-Holstein. Darüber könnten SPD, Grüne und SSW "gern" mit den Piraten sprechen, sagt Spitzenkandidat Torge Schmidt im NDR. Seine Partei strebe keine "Fundamentalopposition" an. Allerdings müsse das Programm einer "Dänen-Ampel" inhaltlich überzeugen, wenn die Piraten den SPD-Politiker Torsten Albig zum Ministerpräsidenten wählen sollten. Albig schließt eine Tolerierung durch die Piraten nicht aus: "Wenn es denn so weit ist, werde ich mich vorstellen und wir werden miteinander reden."

21:26 Uhr Jost de Jagers gequältes Warten

(Foto: dpa)

Auch bei der SPD ist im Kieler Landeshaus nichts mehr los, jedoch aus anderem Grund: Die Party findet ein paar Straßen weiter im "Legionhof" statt. Die CDU hat sich für einen Umtrunk im Landtag entschieden. Jost de Jager steht mittendrin, scherzt eher gequält, schließlich wartet er auf die für ihn erlösende Nachricht: Dass die "Dänen-Ampel" vielleicht doch noch platzt.

21:16 Uhr Der Landtag leert sich

Landeshaus Kiel: Der Landtag leert sich langsam. Die Gänge der Linken-Fraktion sind trist und verlassen, ein Arbeiter sammelt bereits überschüssige Kabel ein. Das ist schon ein Vorgeschmack auf die kommende Legislaturperiode, denn: Dann sind die Linken gar nicht mehr im Kieler Landtag vertreten.

21:09 Uhr Stichprobe der Wahlleitung: CDU und SPD Kopf an Kopf

Die CDU wird möglicherweise doch nicht alös stärkste Kraft aus dieser Wahl hervorgehen. Nach einer Schätzung des Landeswahlamtes liegen Union und SPD fast gleichauf. Die Partei mit Jost de Jager an der Spitze ist nach Auszählung von 85 der 91 repräsentativ ausgewählten Wahlbezirke mit 30,5 Prozent (2009: 31,5) äußerst knapp vorne. Die SPD mit ihrem Spitzenkandidat Torsten Albig erhält 30,4 Prozent (25,4).

Die weiteren Werte: Die FDP kommt auf 8,2 Prozent (14,9), die Grünen erreichen 13,2 Prozent (12,4), der von der Fünf-Prozent-Klausel befreite Südschleswigsche Wählerverband (SSW) 5,0 Prozent (4,3). Die Piraten ziehen danach erstmals mit 7,8 Prozent ins Parlament ein. Die Linke muss mit 2,3 Prozent (6,0) den Landtag verlassen.

20:56 Uhr Kubicki schließt weder "Ampel" noch "Jamaika" aus

(Foto: dpa)

Der Wahlabend in Kiel dauert noch an, alle warten auf das vorläufige amtliche Endergebnis. Wolfgang Kubicki, das steht schon fest, darf sich als Sieger fühlen, schließlich hat er innerhalb weniger Wochen seine desolate Landes-FDP aus dem parlamentarischen Niemandsland sicher über fünf Prozent gebracht. Im Wahlkampf tönte Kubicki in der ihm eigenen Art davon, dass er ein Ministeramt anstrebe. Im SZ-Interview vor nicht einmal einer Woche behauptete er, eine Jamaika-Koalition aus CDU, FDP und Grünen sei nach der Wahl am wahrscheinlichsten. Nun, am Wahlabend, macht er vor laufenden Kameras Faxen mit Robert Habeck: Der Grünen-Frontmann ballt die Fäuste unter Kubickis Kinn, beide lachen dabei.

Später, beim Interview mit der dpa, kündigt Kubicki an, er werde heute "mit Sicherheit mehr als ein Glas" seines Lieblingsweines Amarone trinken. Ob er "Jamaika" oder die "Ampel" für eine Option halte? Kubicki kanzelt ab: Er schließt weder das eine, noch das andere aus. "Wenn das exakte Wahlergebnis vorliegt, werden wir es in Ruhe betrachten und in den nächsten Tagen unsere Schlüsse daraus ziehen."

Robert Habeck schätzt die Chancen für Schwarz-Grün-Gelb anders ein als Kubicki: "Knicken Sie Jamaika", sagt der Grünen-Spitzenkandidat im NDR.

20:35 Uhr Scholz: Bürger wollen Regierungswechsel im Norden

Olaf Scholz springt seinem Parteifreund Torsten Albig bei: Ein Regierungswechsel in Schleswig-Holstein sei der Wunsch der Bürger, behauptet Hamburgs Erster Bürgermeister: "Klar ist: SPD, Grüne und SSW haben zugelegt. CDU und FDP haben Wählerstimmen verloren"

Mit Albig stehe für das Amt des Ministerpräsidenten ein pragmatischer und beliebter Bürgermeister bereit. "Ich wünsche ihm den Erfolg", so Scholz, der im Februar 2011 ein Hamburg einen fulminanten Wahlsieg eingefahren hat und seitdem die Freie und Hansestadt mit einem SPD-Senat regiert.

20:22 Uhr Egal, wer regiert: Die Schulden müssen runter

Wer auch immer künftig in Kiel regiert: Wichtigste Aufgabe des künftigen Ministerpräsidenten und seiner Koalition dürfte sein, den prekären Schuldenstand des Landes in den Griff zu kriegen. Schleswig-Holstein drückt eine Schuldenlast von 27 Milliarden Euro, auf jeden Bürger entfallen damit fast 10.000 Euro Schulden. Das ist - nach dem Saarland - der höchste Pro-Kopf-Wert eines westdeutschen Flächenlandes.

20:16 Uhr Landeswahlamt: CDU im Norden hauchdünn vorne

Die CDU ist bei der Landtagswahl in Schleswig- Holstein der Schätzung des Landeswahlamts zufolge wieder knapp stärkste Kraft geworden. Die Union kam nach Auszählung von 70 der 91 repräsentativ ausgewählten Wahlbezirke auf 30,6 Prozent (2009: 31,5). Die SPD erhielt 30,3 Prozent (25,4). Die FDP kam auf 8,3 Prozent (14,9), die Grünen erreichten 13,2 Prozent (12,4) und der von der Fünf-Prozent-Klausel befreite Südschleswigsche Wählerverband (SSW) erhielt 4,8 Prozent (4,3). Die Piraten ziehen erstmals mit 7,8 Prozent ins Parlament ein. Die Linke fliegt mit 2,3 Prozent (6,0) raus. Zur Mandatsverteilung gab es noch keine Angaben.

20:00 Uhr Lindner: FDP kann neues Vertrauen gewinnen

(Foto: dpa)

Nun meldet sich auch der zweite Spitzenkandidat der FDP zu Wort: Der frisch gewählte nordrhein-westfälische FDP-Chef Christian Lindner sieht im klaren Wiedereinzug der Liberalen ins Parlament in Kiel kräftigen Rückenwind für die NRW-Landtagswahl. Er gratuliert Kubicki. Und sagt: das Ergebnis von Kiel zeige, "dass die FDP mit Konzentration, mit Solidität, mit Seriosität wieder neues Vertrauen gewinnen kann. Im Prinzip wollen die Menschen eine liberale Partei." Die FDP müsse es den Wählern "jetzt möglich machen von Stil und Substanz, dass sie uns auch tatsächlich wieder unterstützen".

Verfügt Philipp Rösler auch über Stil und Substanz? Viele Freidemokraten zweifeln inzwischen an den Fähigkeiten des Bundesvorsitzenden. Die Gerüchte über einen bevorstehenden Putsch gegen Rösler werden zwar auch am Wahlabend von Generalsekretär Döring dementiert. Doch die Liberalen wissen, dass Rösler nicht mehr lange Zeit hat, seinen Posten zu sichern: Der Vizekanzler ist inzwischen so unbeliebt, wie noch nie.

19:58 Uhr Carstensen fordert "stabile Verhältnisse"

(Foto: dapd)

Noch-Ministerpräsident Peter-Harry Carstensen hat heute nur eine Nebenrolle. Trotzdem sagt er auf der CDU-Party: "Ich stelle fest, dass das, was man vorhatte, nämlich Rot-Grün, dass das ganz weit abgeschlagen ist" und lässt unter den Tisch fallen, dass Schwarz-Gelb deutlicher schwächer ist, als SPD und Grüne.

Noch-Landesvater Carstensen sagt dann noch den Satz: "Verantwortung für's Land übernehmen heißt, eine stabile Mehrheit aufzustellen." Ist das schon Werbung für eine große Koalition?

19:51 Uhr Roth herzt Albig

Die Stimmung bei der SPD steigt: Noch immer hält die knappe Mehrheit. Grünen-Vorsitzende Claudia Roth kommt vorbei, herzt erst den SPD-Spitzenkandidaten Torsten Albig, dann schmettert sie mit einem SSW-Helfer das Lied Dänen lügen nicht. Roth sagt in die Runde: "Hoffentlich schaffen wir das." Sie gehe davon aus, dass die Nord-Grünen sich nicht auf eine Jamaika-Koalition einlasse, sagt Roth der SZ.

19:47 Uhr Dunkelrot schiebt Frust

(Foto: dapd)

Die Linken-Wahlparty im Landtag fiel aus, aber andernorts haben sich die Sozialisten am Wahlabend versammelt: im Kieler Kommunikationszentrum "Räucherei": Dort schieben die Genossen "Frust'". Denn es kam so, wie es sich schon in Umfragen abgezeichnet hatte: Die Linke wird nach nur knapp drei Jahren nicht mehr dem Kieler Landtag angehören.

Als die erste Prognose auf der Leinwand erscheint, gehen die Mundwinkel der 70 Mitglieder und Anhänger nach unten. Es ist still, nur die FDP-Prozentzahl wird mit lauten Buhrufen quittiert.

19:31 Uhr Bundes-CDU sieht Führungsrolle bei de Jager

(Foto: dpa)

Noch ist unklar, wer stärkste Kraft in Kiel wird. Aber nach der Bundes-SPD reklamiert auch die Bundes-Union die Regierungsbildung bei den norddeutschen Parteifreunden. Spitzenkandidat Jost de Jager sei "der richtige Mann, Schleswig-Holstein in eine gute Zukunft zu führen", sagt Generalsekretär Hermann Gröhe in Berlin. Eine rot-grüne Mehrheit liege in weiter Ferne. Aber nicht eine Mehrheit von Rot-Grün-Blau: Die Dänen-Ampel hätte nach dem aktuellen Stand nach wie vor eine Stimme Mehrheit im neuen Landtag.

19:30 Uhr Hochrechnungen: CDU und SPD erhalten gleich viel Sitze

Die CDU liegt in den Hochrechnungen in ARD und ZDF knapp vor der SPD erzielt. Bei der Sitzverteilung liegen die beiden großen Parteien jedoch gleichauf. So kommt die CDU auf 30,6 bis 30,8 Prozent, die SPD auf 29,9 bis 30,3 Prozent. Die Grünen werden mit 13,2 bis 13,6 Prozent drittstärkste Kraft, gefolgt von der Piratenpartei, die mit 8,1 bis 8,4 Prozent erstmals den Sprung in den Landtag schafft. Die FDP ist mit 8,1 bis 8,3 Prozent wieder im Landesparlament, die Linke ist mit 2,3 bis 2,4 Prozent draußen. Der Südschleswigsche Wählerverband (SSW), der von der Fünf-Prozent-Hürde ausgenommen ist, erreicht 4,5 Prozent.

CDU und SPD haben diesen Hochrechnungen zufolge je 22 Sitze im neuen Landtag. Die Grünen gewinnen 10 Sitze, FDP und Piraten jeweils 6 und der SSW 3.

19:22 Uhr Linke-Chef Ernst übt Selbstkritik

Nach der Wahlpleite für die Linken in Schleswig-Holstein zeigt sich der Bundesvorsitzende Klaus Ernst zerknirscht. "Wir haben unser Ziel nicht erreicht", sagt Ernst in der ARD. Die Partei habe sich zu sehr mit sich selbst beschäftigt und daher die Wähler nicht in ausreichendem Maße erreichen können. Ernst sagt, seine Partei setze jetzt auf ein besseres Abschneiden bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen am 13. Mai. Für ein gutes Ergebnis in NRW sei es allerdings nötig, sich nicht mehr mit Personalfragen, sondern mit Inhalten zu befassen.

19:14 Uhr Kubicki spricht von "Punsch" und dankt Rösler

(Foto: dpa)

FDP-Frontmann Wolfgang Kubicki ist der gefühlte Wahlsieger des Abends - und das, obwohl sich der Wert seiner Partei fast halbiert hat. Gerüchte, wonach er den Sturz von Parteichef Rösler betreibt, versucht er vor laufenden Kameras zu entkräften. Er spricht immer von einem "Punsch" und meint "Putsch".

"Ich geh davon aus, er freut sich genauso wie wir", sagt Kubicki über Rösler. Dann gibt er sich großzügig und dankt demonstrativ seinem angeschlagenen Vorsitzenden:  "Der Erfolg in Schleswig-Holstein ist auch sein Erfolg."

19:09 Uhr Gabriel reklamiert Regierungsbildung in Kiel für SPD

(Foto: dapd)

SPD-Chef Gabriel tritt im Berliner Willy-Brandt-Haus vor die Presse - und pocht darauf, dass Albig die Regierung in Kiel bildet. "Die SPD und die Grünen haben gewonnen, wir haben die Chance auf eine gemeinsame Regierung mit dem SSW." Die SPD werde "die Regierung anführen". Die Wahlverlierer von CDU und FDP gehörten auf gar keinen Fall in die Regierung.

Doch als Verlierer fühlen sich weder Nord-CDU, noch Nord-FDP - die langen Gesichter machen an diesem Abend bei Sozialdemokraten, Grünen und Linken.

19:06 Uhr Grüner Habeck schimpft auf "Dreckskampagne der CDU"

Noch ein paar Statements aus Kiel: "Die Stimmung ist gut, die Ergebnisse sind knapp, aber wir liegen vorne", sagt CDU-Frontmann Jost de Jager. Er will auf jeden Fall regieren: "Wir haben gesagt, das Schleswig-Holstein stabile Verhältnisse braucht und wir werden unserer Verantwortung für stabile Verhältnisse nachkommen."

Der Grüne-Spitzenkandidat Robert Habeck erklärt sich den Wahlausgang so: Das habe an der "Dreckskampagne der CDU" und am Piraten-Hype gelegen. Beides habe eine klare Mehrheit für Rot-Grün erschwert.

19:02 Uhr Datt und watt

Noch hätte eine Dänen-Ampel eine Mehrheit, was viele mit Hochspannung auf die nächste Hochrechnung warten lässt. Manche bleiben trotzdem gelassen. "Datt kann noch watt warten", das ist der norddeutsch trockene Kommentar zum spannenden Wahlabend von Flemming Meyer vom SSW.

18:58 Uhr Roth sieht Niederlage für Merkel

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"Politikwechsel". Dieses Wort mag Claudia Roth offenbar gerne. Sieben oder acht Mal kommt es vor in ihrem kurzen Statement. Wie oft genau, das lässt sich in der kurzen Zeit kaum zählen. Ansonsten freut sie sich: "Es ist unser historisch bestes Ergebnis. Schwarz-Gelb ist abgewählt und für Angela Merkel ist es die siebte Niederlage in Folge." Aber ob am Ende nicht doch ein CDU-Mann Ministerpräsident im Land zwischen Ost- und Nordsee ist, kann sie auch nicht ausschließen.

18:54 Uhr Simonis verweist auf Adenauer

(Foto: REUTERS)

Heide Simonis, Schleswig-Holsteins ehemalige Ministerpräsidentin, kommentiert die mögliche knappe Mehrheit für eine sogenannte Dänen-Ampel von SPD, Grünen und Südschleswigschem Wählerverband klar und deutlich: "Konrad Adenauer hat mit einer Stimme Mehrheit wunderbar gearbeitet." Was sie nicht sagt: Sie selbst setzte 2005 auf eine Ein-Stimmen-Mehrheit - und fiel bei der Ministerpräsidentenwahl im Landtag durch."

18:47 Uhr Albig: "Das war nicht das, dass ich euch versprochen hatte"

(Foto: dapd)

Landeshaus in Kiel: Nun spricht SPD-Mann Albig. Er sieht etwas blass aus, minutenlanger Beifall gibt ihm die Stärke in seiner Stimme zurück. "Das war nicht das, dass ich euch versprochen hatte", sagt er und redet von den angepeilten 40 Prozent und dem guten Wahlkampf. Aufgegeben hat er noch nicht: "Wir können auch Ein-Stimmen-Mehrheiten, das verspreche ich euch." Wenn der Wähler es denn zulässt.

Beim SSW stimmt tatsächlich einer das Lied Dänen lügen nicht an - eine Anspielung auf die Versuche der CDU im Wahlkampf, vor einer Regierungsbeteiligung des SSW mit teilweise falschen Behauptungen zu punkten. Kurz lachen die SSW- Anhänger wegen des Liedes, dann sagt jedoch Anke Spoorendonk: "Die Kampagne der CDU hat Wirkung gezeigt. Manche Wähler sind darauf reingefallen."

18:41 Uhr Schampus für Döring

(Foto: dpa)

FDP-Zentrale in Berlin: Dirk Niebels Falsche Schampus war für Generalsekretär Patrick Döring - der hat heute Geburtstag. Niebel sagt zur SZ, "nur so ein Wahlsieg alleine hätte zum Wiegenfest ja nicht gereicht." Birgit Homburger fällt es sichtlich schwer, ihrem parteiinternen Erzfeind Wolfgang Kubicki persönlich zu gratulieren. Das sei ein Wahlsieg der "gesamten Partei", sagte die stellvertretende FDP-Chefin der SZ.

18:35 Uhr Piraten-Chef Schlömer: Regierungsbeteiligung steht nicht an

(Foto: REUTERS)

Der Jubel bei den Piraten ist groß: Nach Berlin und dem Saarland erreichen sie im dritten Bundesland den Einzug in ein Landesparlament. Für den Bundesvorsitzenden der Piratenpartei, Bernd Schlömer, steht eine Regierungsbeteiligung seiner Partei in Kiel trotzdem nicht auf der Tagesordnung. "Wir müssen sehen, dass wir Ziele und Inhalte erreichen, und stellen uns nicht Koalitionsfragen zur Zeit", so der frisch gewählte Parteichef. Die Entscheidung über eine mögliche Regierungsbeteiligung werde zudem vom jeweiligen Landesverband der Partei getroffen. Zugleich betonte Schlömer: "Eine solche Entscheidung steht gar nicht an."

Nord-Piraten-Spitzenkandidat Torge Schmidt preist das Ergebnis: "8,5 Prozent ist total genial", sagt er und kündigt an, mit was sich die künftige Fraktion in Kiel als erstes beschäftigen will: "Wir wollen anfangen mit uns selbst".

18:30 Uhr Kubickis "kleiner Stein"

(Foto: dpa)

Entsetzen bei der SPD, nicht nur über das eigene Ergebnis, sondern auch über das Abschneiden der FDP. "Das kann doch nicht sein", platzt es aus einem Genossen heraus. Dann schaltet das Fernsehen live in die erste Kubicki-Rede. Im SPD-Treff wird gebuht.

"Ich habe immer gesagt, die FDP bekommt heute Abend zwischen 6,5 und neun Prozent", sagt Kubicki. Als er vor drei Wochen dies einigen Chefredakteuren gesagt hätte, habe er "eine so arrogante... anmaßende... überhebliche Antwort erhalten". Kubicki sagt das langsam und genüsslich, er macht Pausen, in die das versammelte Parteivolk hinein johlt.

Später sagt Kubicki in einem TV-Interview auf die Frage: " Wie groß ist der Stein, der Ihnen heute Abend vom Herzen gefallen ist?" - "Klein", sagt Kubicki.

18:29 Uhr "Schwarz-Gelb hat voll auf den Deckel bekommen"

Nun melden sich in Berlin die Bundespolitiker zu Wort: SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles glaubt, dass Torsten Albig Ministerpräsident werden wird - zumindest sagt sie es. "Wir können unsere Wahlziele alle noch erreichen. Die Bürger von Schleswig-Holstein haben den Politikwechsel gewählt, eine große Koalition will keiner."

Peter Altmaier, der parlamentarische Geschäftsführer der Unionsbundestagsfraktion gibt sich zufrieden: "Wir haben im Vergleich mit allen Prognosen sehr gut abgeschnitten". Altmaier meint, dass der CDU-Spitzenkandidat eine "Regierung unter seiner Führung" zusammenzimmern kann. Aber das geht nur mit der SPD.

Oder gemeinsam mit der FDP und den Grünen. Deren Spitzenkandidat Robert Habeck sagt fast zeitgleich den Satz: "Schwarz-Gelb hat voll auf den Deckel bekommen."

18:26 Uhr Dänen-Ampel hätte eine Mehrheit von einer Stimme

Eine Stimme hätte momentan eine "Dänen-Ampel" aus SPD, Grüne und SSW - doch sicher ist noch gar nichts. Es kann rauf oder runter gehen für alle Parteien. In einem sind sich Politiker und Journalisten einig: Das wird ein langer Abend.

18:21 Uhr Erste Hochrechnung der ARD

Erste Hochrechnung der ARD: CDU 30,5 Prozent, SPD 29,7 Prozent, FDP 8,5 Prozent, Grüne 13,8, Linke 2,4, SSW 4,6 und die Piraten kommen demnach auf 8,2 Prozent.

18:18 Uhr Linke sagen Wahlparty ab

Impressionen aus Kiel: Bei den Grünen liegen sich Bundeschefin Claudia Roth und der schleswig-holsteinische Spitzenmann Roland Habeck in den Armen. Es ist wohl auch Trost, schließlich hatte sich der Frontmann der Nord-Grünen mehr erhofft von der Wahl.

Traurig sind die nun außerparlamentarischen Linken: Sie haben ihre Wahlparty spontan abgesagt. Ein paar wenige von ihnen stehen mit betretenen Gesichtern in der "Alten Räucherei", einem Lokal in Kiel.

18:16 Uhr Ein Jubel, der selbst Kubicki umgehauen hätte

(Foto: dpa)

FDP-Zentrale, Berlin. Ein Jubel, als hätte die FDP gerade die Champions League gewonnen. Obwohl, so voll, dass nur noch Durchdrängeln möglich wäre, ist es dann doch nicht. Vielleicht kommen ja jetzt noch ein paar FDP-Fans hier vorbei. Die Frage ist, wem sollen sie zujubeln? Das ist ein klarer Erfolg von Wolfgang Kubicki. Der hatte im Wahlkampf an Parteichef Philipp Rösler herumgenörgelt und gilt sogar als ein möglicher "Königsmörder" gegen den Vizekanzler.

Nun geht Generalsekretär Patrick Döring ans Mikrofon. Er wird mit frenetischem Applaus begrüßt, macht aber nicht den Fehler, das Abschneiden im Hohen Norden für die Bundespartei zu reklamieren. Ausdrücklich beglückwünscht er Kubicki. Danach brandet ein solch massiver Jubel auf, der wohl selbst den Kieler Fraktionschef umgehauen hätte. Er ist ja eher gewohnt, dass man sich von ihm wegdreht, wenn er die Berliner Parteizentrale betritt.

18:06 Uhr Entsetzen bei SPD, Triumphgeschrei beim SSW

(Foto: dapd)

Landeshaus Kiel: Erste Reaktionen aus dem SPD-Wahltreff: Entsetzen, nur 29 Prozent.Auch Heide Simonis ist gekommen - und macht ein undefinierbares Gesicht. Kandidat Albig ist gar nicht erst aufgetaucht, verfolgte die Prognose wohl in kleiner Runde. Nun doch verhaltener Applaus bei der SPD, als müsse man sich selbst aufmuntern. Es könnte trotz der eigenen Schwäche zur Regierumgsbildung reichen.

Riesengeschrei und Gejohle indes zwei Türen weiter beim SSW: Die Minderheitspartei schafft offenbar ihr bestes Ergebnis überhaupt. Nur eine hat sich kurz verdrückt: Spitzenkandidatin Spoorendobk. Ist sie überwältigt vom Ergebnis? Nein, sie ist unterwegs zum ersten TV-Auftritt.

18:01 Uhr Bei der FDP läuft "Simply the best"

(Foto: dapd)

In der Prognose des ZDF sind SPD und CDU mit jeweils 30,5 Prozent gleichauf. Die FDP zieht mit 8,5 Prozent wieder in den Landtag ein. Auch die Piraten erreichen 8,5 Prozent.  Die Grünen schneiden mit 13 Prozent erneut gut ab. Die Südschleswigsche Wählerverband erreicht 4,5 Prozent, die Linken kommen auf 2,5 Prozent und sind nicht mehr im Landtag vertreten.

Geballte Fäuste, Luftsprünge bei der FDP-Wahlparty. Spitzenkandidat Wolfgang Kubicki wird um 18.15 Uhr erwartet. Das Lied, dass bei seinem Einlauf gespielt werden soll: Simply the best.

18:00 Uhr FDP bleibt im Landtag, CDU stärkste Kraft, Piraten jubeln, Linke draußen

Die Wahllokale schließen, die ersten Prognosen flimmern auf den Bildschirmen: Die CDU bleibt laut ARD stärkste Fraktion, aber mit einem mauen Ergebnis: 30,5 Prozent. Dahinter kommt die SPD mit 29,5 Prozent. Die FDP bleibt im Landtag mit 8,5 Prozent - Wolfgang Kubicki hat es geschafft, innerhalb weniger Wochen seine Partei über die Fünf-Prozent-Hürde zu reden. Jubeln können auch die Piraten: Sie ziehen laut 8 mit beachtlichen 8 Prozent erstmals ins Kieler Landeshaus ein. Die Grünen verbessern sich auf 14 Prozent, hatten sich aber eigentlich mehr erhofft. Für die Linke ist es ein trauriger Abend: Die Sozialisten müssen den Landtag wieder verlassen mit schwachen 2,5 Prozent.

17:55 Uhr Niebel hält den Champagner bereit

Thomas-Dehler-Haus in Berlin. In der FDP-Zentrale sammeln sich die Liberalen. Sie wollen endlich wieder etwas zum Feiern haben nach all den erniedrigenden Wahl-Niederlagen. Entwicklungsminister Dirk Niebel scheint guter Dinge zu sein: Er stolziert mit einer Falsche Champagner umher. Sein Staatssekretär Hans-Jürgen Beerfeltz telefoniert im Garten und erfährt wohl gerade erste Prognosen. Er wirkt ganz zufrieden.

17:54 Uhr Fröhliche Dänen

(Foto: dapd)

Landeshaus Kiel: Die Parteien scharen ihre Gäste auf den Wahltreffs um sich, bei der SPD ist das Gedränge am Größten. Gibt es hier gleich den neuen Ministerpräsidenten zu bestaunen? Trotzdem: Ausgelassene Stimmung sieht anders aus.

Anders sieht es beim SSW aus. Das Büro von Spitzenkandidatin Anke Spoorendonk misst vielleicht ein Zehntel der Fläche des SPD-Raums, der Fernseher könnte auch in einem normalen deutschen Wohnzimmer stehen. Die Stimmung: freudig gespannt. Ahnt man hier Großes?

17:46 Uhr

Die Wahl ist die erste in Schleswig-Holstein nach dem neuen Wahlrecht. Das bisherige wurde für verfassungswidrig erklärt, weil es der Regierung von CDU-Ministerpräsident Peter Harry Carstensen vor zweieinhalb Jahren zur Mehrheit verhalf, obwohl sie von den Wählern insgesamt weniger Stimmen als SPD, Grüne, Linke und SSW erhielt. Die Schräglage hatte mit der übergroßen Anzahl an Überhangmandaten zu tun. 2010 kippte das Landesverfassungsgericht die bisherige Regelung - nun musste vorzeitig neu gewählt werden.

Carstensen trat zur Neuwahl nicht mehr an, sein designierter Nachfolger stolperte über eine Affäre mit einer Minderjährigen, und so fiel es Jost de Jager zu, die CDU in den Wahlkampf zu führen. Der Wirtschaftsminister gilt als fleißig und integer - aber ob er auch einen guten Landesvater abgibt? Beim TV-Duell gegen Albig (hier mehr dazu) schnitt de Jager gefühlt etwas schlechter ab, obwohl aus ihm Zahlen sprudelten - was Albig als "Attitüde eines Mathematikers" nannte. Das war gemein.

17:37 Uhr Bionade statt Bier

Die Spannung steigt im Kieler Landeshaus. Vorfreudige Partystimmung im SPD-Wahltreff? Von wegen. Die Bierflaschen (Flensburger Pils in Kiel!!) bleiben noch zu. Getrunken werden Bionade und Cola. Noch nicht aufgetaucht: Spitzenkandidat Albig.

17:31 Uhr "Die Piraten sind Merkels Kinder"

Grünen-Frontmann Robert Habeck bei der Stimmabgabe mit seinem Sohn Oskar

Grünen-Frontmann Robert Habeck bei der Stimmabgabe mit seinem Sohn Oskar

(Foto: dapd)

Das Auftauchen der Polit-Neulinge beschäftigt auch die anderen Spitzenkandidaten: CDU-Frontmann de Jager klingt im besorgt und meint, von den Piraten könnte man bislang "nichts lernen" (hier mehr dazu), während sein SPD-Rivale glaubt, seine Partei könne sich von der neuen Konkurrenz "inspirieren lassen" (hier mehr dazu).

Robert Habeck von den Grünen isdt genervt von den Piraten. Seine Partei stand vor einem Jahr noch bei mehr als 20 Prozent, nun könnten die Piraten Rot-Grün die Tour vermasseln. Im SZ-Interview lässt Habeck seinem Unmut freien Lauf: Für ihn spiegeln die Piraten "die Orientierungslosigkeit und Wertelosigkeit der momentan Regierenden" und meint damit die schwarz-gelbe Regierung in Kiel und Berlin: "Die Piraten sind Merkels Kinder".

17:20 Uhr Piraten ante Portas

Spitzenkandidat Torge Schmidt und andere Piraten

Spitzenkandidat Torge Schmidt und andere Piraten

(Foto: dpa)

Was machen die Piraten? Ziehen sie, nach Berlin und dem Saarland, in ihr drittes Landesparlament ein? Spitzenkandidat Torge Schmidt (hier der Link zum SZ-Interview) werden satte acht Prozent der Stimmen prognostiziert. Kurios: Schmidts Mutter Birgit Piepgras (Listenplatz neun) und Stiefvater Hans-Heinrich Piepgras (sieben) bewerben sich ebenfalls um den Einzug in den Landtag.

17:13 Uhr "Den Superstar haben wir selbst"

Wie wichtig die Nord-Wahl in Berlin empfunden wird, zeigte auch der massierte Auftritt von bundespolitischen Schwergewichten zwischen Flensburg und Kaltenkirchen im Wahlkampf. Für den Wahlabend hat sich unter anderem Grünen-Chefin Claudia Roth angesagt. Und bei der SPD? Dort weiß man von niemandem aus Berlin, der sich sicher angekündigt hat. Das brauche man auch nicht, sagt ein Helfer von SPD-Spitzenkandidat Torsten Albig und fügt vollmundig hinzu: "Den Superstar haben wir selbst".

In einer Stunde wird sich zeigen, ob er richtig liegt. Dann gibt es die ersten Prognosen.

17:09 Uhr Ärger für de Jager

Jost de Jager bei der Stimmabgabe

Jost de Jager bei der Stimmabgabe

(Foto: dpa)

Ärger für CDU-Kandidat Jost de Jager kurz vor der Wahl: Er muss sich mit der Klage eines Bürgers auseinandersetzen. Der Flensburger Alexander Maschmann hat wegen de Jagers Wahlplakat "Stabile Regierung statt Dänen-Ampel" Strafanzeige wegen Volksverhetzung gestellt. Seine Begründung: "Auf dem Plakat werden die Dänen direkt in den Zusammenhang mit einem Gefahrensymbol gebracht, welches eine Gefahr für Leib und Leben assoziiert." De Jagers Wahlkampf hatte zuvor für heftige Diskussionen gesorgt.

16:59 Uhr Grüner könnte Kieler Interims-OB werden

Unmittelbare Auswirkungen könnte die Wahl auf das Oberbürgermeisteramt in Kiel haben. Wird SPD-Kandidat Torsten Albig zum neuen Ministerpräsidenten gewählt, muss er sein Amt als OB aufgeben. Die Ratsversammlung am 10. Mai wäre seine letzte als Kieler Stadtoberhaupt. Danach übernähme Bürgermeister Peter Todeskino (Grüne) kommissarisch die Amtsgeschäfte - bis im November oder Dezember ein neuer OB gewählt wird.

16:48 Uhr Albig wählte früher - weil er mit seinem Patenkind feiern wollte

(Foto: dapd)

Gleich früh morgens um 10 Uhr gab FDP-Kandidat und Berufsquerschläger Wolfgang Kubicki im Ostseebad Strande seine Stimme ab. Ihm folgten Anke Spoorendonk vom Südschleswigschen Wählerverbandes (SSW) und Robert Habeck (Grüne), beide daheim in Flensburg. SPD-Kandidat Torsten Albig hatte bereits einige Tage zuvor per Briefwahl seine Stimme abgegeben. Der Grund: Albig wollte tagsüber ungestört die Konfirmation seines Patenkindes in Nordrhein-Westfalen feiern.

16:45 Uhr Wichtiger Stimmungstest für Schwarz-Gelb

Auch klar ist: Die Wahl ist, gemeinsam mit der Abstimmung am kommenden Wochenende in Nordrhein-Westfalen, ein wichtiger Stimmungstest für die schwarz-gelbe Bundesregierung in Berlin. Zwei Wahlniederlagen, womöglich zusammen mit unerfreulichen Wahlausgängen für ihre Europapolitik in Frankreich und Griechenland - und Kanzlerin Angela Merkel wird einiges erklären müssen.

16:31 Uhr Putschgerüchte bei der Bundes-FDP

Gefahr für Rösler aus dem Norden? Der FDP-Chef im Wahlkampf bei einem Auftritt für seinen Parteifreund Kubicki.

Gefahr für Rösler aus dem Norden? Der FDP-Chef im Wahlkampf bei einem Auftritt für seinen Parteifreund Kubicki.

(Foto: dpa)

Die FDP mit Spitzenkandidat Wolfgang Kubicki hat nach den letzten Umfragen wieder bessere Chancen, erneut in den Landtag zu kommen. Auch wenn es der scharfzüngige Liberale schaffen sollte, die Negativ-Serie der Liberalen zu stoppen, dürfte die Debatte um Bundesparteichef Philipp Rösler weitergehen - inzwischen machen Putschgerüchte die Runde. Und Wolfgang Kubicki soll darin eine zentrale Rolle spielen.

Er wird nach SZ-Informationen als potentieller "Königsmörder" gehandelt. Vor wenigen Tagen hatte er noch erklärt, dass er zunächst mit dem Verbleib Röslers im höchsten Parteiamt rechne. "Egal wie die Wahlen ausgehen: Philipp Rösler wird Bundesvorsitzender bleiben", sagte er im SZ-Interview. Allerdings schob Kubicki noch eine Bemerkung nach, die offenbart, dass Rösler seines Postens mittelfristig sorgen machen muss: "Es gibt immer Alternativen", sagte Kubicki, "aber nicht in nächster Zeit."

16:20 Uhr Ampel? Schwampel? Oder Dänen-Ampel?

Wer kann mit wem nach der Wahl? Die Spitzenkandidaten (von links) Robert Habeck (Grüne), Jost de Jager (CDU), Wolfgang Kubicki (FDP) und Torsten Albig (SPD)

Wer kann mit wem nach der Wahl? Die Spitzenkandidaten (von links) Robert Habeck (Grüne), Jost de Jager (CDU), Wolfgang Kubicki (FDP) und Torsten Albig (SPD)

(Foto: dpa)

Was der Wahlabend bringen wird, kann niemand voraussagen: SPD und CDU liegen in den Umfragen fast gleich auf und ringen bis zur letzten Sekunde um das Amt des Ministerpräsidenten; sollte dies irgendwann vergeben sein, ist die Regierungskoalition noch lange nicht klar: Die klassische "Ampel" (Rot-Gelb-Grün) ist theoretisch möglich, auch "Jamaika" (Schwarz-Gelb-Grün), eine Kombination, die manche auch Schwampel nennen - und die im Saarland scheiterte. Möglich wäre auch, dass erstmals eine "Dänen-Ampel" aus SPD, Grünen und dem Südschleswigschen Wählerverband (SSW) regiert. Die Farbenlehre wäre dann neu. Sie würde dann lauten: Rot-Grün-Blau!

Und ja, natürlich, auch eine Große Koalition aus CDU und SPD könnte das Land künftig regieren. Aber das wollen sowohl Schwarzem, als auch Rote tunlichst vermeiden: Zu frisch ist die Erinnerung an die letzte schwarz-rote Koalition: damals flogen die Fetzen.

16:10 Uhr Spannende Wahlen

Wahlen im nördlichen Bundesland waren zuletzt immer spannend, was nicht zuletzt am mitunter giftig Klima in der Landespolitik lag. Überraschungen sind immer möglich, nicht nur bei den Landtagswahlen, sondern auch bei den Wahlen im Landtag. Das zeigte sich vor allem 2005, als der damaligen Ministerpräsidentin Heide Simonis (SPD) bei der entscheidenden Abstimmung im neuen Landtag Wahlgang um Wahlgang die Mehrheit versagt blieb. Vom "Heide-Mörder" war damals die Rede. Ob er heute wieder irgendwo herumspukt?

16:01 Uhr Landtagswahl in Schleswig-Holstein

(Foto: dapd)

Herzlich Willkommen zum Liveblog zur Landtagswahl in Schleswig-Holstein. Knapp zwei Stunden haben die Bürger in Deutschlands nördlichstem Bundesland noch Zeit, ihre Stimmen abzugeben. Die Sonne über Kiel strahlt nach Kräften, vor dem Landeshaus räkeln sich sonnenbebrillte Menschen in Liegestühlen, auf der Kieler Förde vollführen bunte Segelschiffe ihre Manöver. Das schöne Wetter scheint sich allerdings nicht gerade positiv auf die Wahlbeteiligung auszuwirken: Bis zum Mittag hatten nach erst 17,7 Prozent der etwa 2,2 Millionen Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben. Im September 2009 waren es zum gleichen Zeitpunkt noch 25,9 Prozent. Das ist ziemlich schwach und rekordverdächtig: So schlecht war die Wahlbeteiligung im Hohen Norden seit Jahrzehnten nicht.