Christoph Ahlhaus im Interview "Mit Arroganz à la Scholz kann man nicht regieren"

Selbstkritik und Attacke: Hamburgs Bürgermeister Christoph Ahlhaus über Fehler seiner CDU, seine Zweifel am Erfolg der FDP - und das Auftreten des SPD-Rivalen Olaf Scholz.

Interview: J. Schneider und O. Das Gupta

Der aus Heidelberg stammende Jurist Christoph Ahlhaus zog vor zehn Jahren an die Alster. Ahlhaus' Polit-Karriere verlief seitdem steil: Als Landesgeschäftsführer der CDU managte er den Wahlkampf 2004, der Bürgermeister Ole von Beust und der CDU die absolute Mehrheit und Ahlhaus in die Bürgerschaft brachte. Bald regierte er mit: 2006 als Staatsrat in der Innenbehörde, 2008 als Innensenator in der schwarz-grünen Koalition; im August 2010 folgte er Beust als Bürgermeister. Ahlhaus erbte ein Umfragetief, Problem-Personal und einen murrenden Koalitionspartner. Drei Monate später beendeten die Grünen die Koalition. Wahlkämpfer Ahlhaus befindet sich seitdem in schwerer See - bei der Bürgerschaftswahl am 20. Februar droht der CDU von Christoph Ahlhaus eine schwere Niederlage.

Wahlkampf in schwerer See: Hamburgs Regierungschef Christoph Ahlhaus (CDU)

(Foto: dpa)

sueddeutsche.de spricht mit dem Stadtvater nach seinem Wahlkampfspaziergang über den "Isemarkt", einem Wochenmarkt im Stadtteil Eppendorf. Zwischen seinem Referenten und ihm liegt ein prallgefüllter Beutel voller Mandarinen - ein begeisterter Obstverkäufer hat sie Ahlhaus geschenkt. Der Bürgermeister bestellt sich einen Cappucino - und das Gespräch beginnt.

sueddeutsche.de: Herr Bürgermeister, wie fühlt sich ein Wahlkampf in schwerer See an?

Christoph Ahlhaus: Als ich in diesen Wahlkampf gestartet bin, lag die CDU in Hamburg bei 22 Prozent - keine optimale Voraussetzung also. Aber ich kämpfe, ich habe diese Verantwortung angenommen und stehe dazu. Bei Veranstaltungen und auf der Straße erfahre ich viel Zuspruch - die Stimmung ist nicht so schlecht, wie manche meinen. Ich bin Realist und kenne meine Lage. Aber wir müssen jetzt um jede Stimme kämpfen. Gerade in Großstädten entscheiden sich viele Bürger erst in der Schlussphase, für wen sie stimmen.

sueddeutsche.de: In drei Sätzen: Warum sollten die Hamburger CDU wählen?

Ahlhaus: Erstens: Weil die CDU diese Stadt in den vergangenen neun Jahren hervorragend regiert hat. Neun Jahre CDU-geführte Senate weisen in allen wesentlichen Themen eine Erfolgsbilanz auf: Wirtschaftswachstum, niedrige Arbeitslosigkeit und eine drastisch gesunkene Kriminalitätsrate stehen beispielhaft dafür. Zweitens: Weil die CDU im Gegensatz zu anderen keine unseriösen Wahlkampfversprechen macht. Drittens: Weil wir im Gegensatz zu den Herausforderern eine klare Vision für die Zukunft unserer Stadt haben.

sueddeutsche.de: Wenn alles so prima ist, wie erklären Sie sich dann die mauen Umfragewerte?

Ahlhaus: Umfragen sind keine Wahlergebnisse. Es gibt in der Stadt eine diffuse Wechselstimmung, weil wir in der Vergangenheit nicht alles richtig, sondern auch Fehler gemacht haben.

sueddeutsche.de: Da sind wir gespannt auf Ihre Analyse.

Ahlhaus: Schauen Sie, bei meiner Amtsübernahme lag gerade ein verlorener Volksentscheid hinter uns und zugleich war ich gezwungen, das größte Sparpaket in der Geschichte Hamburgs in Höhe von 500 Millionen Euro auf den Weg zu bringen. Dabei waren viele Maßnahmen, die schmerzhafte Einschnitte für die Bürger bedeuteten. In der Kürze der Zeit des Wahlkampfes haben wir unsere damit verbundene Gesamtstrategie nicht gut genug erklären können, beispielsweise die Notwendigkeit der Kita-Gebührenerhöhung oder die Kürzung des Weihnachtsgeldes für Beamte. Das ist eine heikle Gemengelage, die viele Wähler verunsichert hat und die sich fragen: Was ist mit der CDU los?

sueddeutsche.de: Gute Frage, oder?

Ahlhaus: Wir haben aus unseren Fehlern gelernt, und ziehen die notwendigen Schlüsse daraus. Jetzt ist unser Kurs solide, verlässlich und vor allem aufrichtig. Wir machen keine leeren Versprechungen, sondern machen das Machbare möglich.