Wahl in Frankreich 4,2 Millionen Franzosen wählen ungültig

Auch die Nichtwählerquote ist hoch. Viele bekunden in der Stichwahl zum Präsidentenamt so ihren Unmut über Le Pen und Macron.

Von Thomas Hummel und Katharina Brunner (Grafiken)

Hätte ein imaginärer dritter Kandidat bei der Stichwahl um die französische Präsidentschaft alle ungültig abgegebenen Stimmen für sich reklamieren können, er wäre auf sagenhafte zwölf Prozent gekommen. Etwa 4,2 Millionen Bürger gaben zwar ihren Stimmzettel ab, stimmten allerdings für keinen der beiden Kandidaten ("Vote blanc") oder beschädigten ihren Stimmzettel so stark, dass er nicht in die Wertung einging ("Vote nul").

Die meisten dieser Wähler bekundeten damit ihre Haltung, weder für den sozialliberalen Europa-Freund Emmanuel Macron noch für die rechtsnationale Marine Le Pen stimmen zu wollen. Zudem war der Anteil der Nichtwähler mit 25,7 Prozent so hoch wie seit 1969 nicht mehr. Diese Zahlen sind ein Makel für den neuen Präsidenten.

Xavier Bertrand, Präsident der Region Hauts-de-France im Norden des Landes, appellierte an Macron, "in keinem Moment seiner Präsidentschaft die Wut und die Unsicherheit des französischen Volkes zu vergessen". Bertrand von der konservativen Partei Les Républicains gilt als Kandidat für das Amt des Premierministers unter Macron. "Das Frankreich, das leidet, kann nicht mehr warten", sagte er. "Das Resultat dieses Abends verpflichtet alle, demütig zu bleiben."

Linkspopulist Jean-Luc Mélenchon, der im ersten Wahlgang als Vierter noch knapp unterlegen war, schloss aus dem Ergebnis: "Durch die Nichtwähler und die ungültigen Stimmen verweigerte sich unser Land massiv der extremen Rechten, weil sie uns fremd ist. Marine Le Pen wurde in diesem zweiten Wahlgang nur Dritte."

Mit Spannung war das Verhalten der Mélenchon-Wähler erwartet worden. Etwa sieben Millionen Franzosen hatten vor zwei Wochen für ihn gestimmt, zu einer Wahlempfehlung konnte er sich anschließend nicht durchringen. Mélenchon hatte nur dazu geraten, nicht für Le Pen zu stimmen. Am Ende blieben diesen Sonntag 41 Prozent seiner Anhänger entweder zu Hause oder gaben einen ungültigen Wahlzettel ab. Wer allerdings dachte, dass viele zur rechten Le Pen überlaufen würden, sah sich getäuscht: Nur sieben Prozent Mélenchon-Wähler gaben ihr die Stimme, dafür 52 Prozent dem Mitte-Politiker Macron.

Immerhin zwanzig Prozent der Anhänger des konservativen François Fillon wählten diesmal den Front National. 32 Prozent blieben zu Hause oder wählten ungültig.

Zieht man die gültigen Stimmen heran, so lag der 39-jährige Macron bei der Stichwahl deutlich vorne: Etwa 24 Millionen Franzosen stimmten für ihn, etwa elf Millionen für Le Pen. In fast allen gesellschaftlichen Gruppen gewann der für die Bewegung En Marche! angetretene Kandidat. Le Pen lag nur unter Arbeitern (56 Prozent) vorne und unter jenen Menschen, die angaben, mit ihren Einkünften sehr schlecht über die Runden zu kommen (69 Prozent). Dabei galt wie schon im ersten Wahlgang: je gebildeter und höher das Einkommen, desto größer war der Vorsprung für Macron.

Seine Kontrahentin vom Front National errang wie erwartet in ländlichen Gebieten ein besseres Ergebnis als in Städten, ein bekanntes Phänomen bei Rechtspopulisten.

Große Unterstützung erfuhr der neue Präsident unter Rentnern, auch bei ganz jungen Wählern liegt der Pro-Europäer weit vorne. Unter den Franzosen mittleren Alters hingegen kam ihm Le Pen sehr viel näher.

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