Familienfreundlichkeit bei der Bundeswehr Von der Leyen erhält Rückendeckung

Von der Leyen spricht am 22. Dezember 2013 in Masar-i-Scharif bei einem Frühstück mit Bundeswehrsoldaten.

Teilzeitarbeit für Soldaten und Kinderbetreuung in den Kasernen: Ursula von der Leyen will die Vereinbarkeit von Dienst und Familie bei der Bundeswehr verbessern. Während der Wehrbeauftragte des Bundestags die Pläne begrüßt, kommt von der Opposition Kritik. Eine Linken-Abgeordnete nennt die Ankündigungen der Ministerin "blanken Hohn".

Der Wehrbeauftragte des Bundestages, Hellmut Königshaus, begrüßt die Pläne von Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU), die Bundeswehr zu einem familienfreundlichen Arbeitgeber umzubauen. "Attraktivität, dazu gehört auch Familienfreundlichkeit, ist ein entscheidender Baustein der Neuausrichtung der Bundeswehr", sagte der FDP-Politiker dem Handelsblatt. Gerade weil der Dienst in der Bundeswehr immer auch von persönlichen Härten geprägt sein werde, müsse das Möglichste getan werden, um das Arbeitsumfeld familienfreundlich zu gestalten, sagte Königshaus.

Der SPD-Verteidigungspolitiker und designierte Vorsitzende des Bundestags-Verteidigungsausschusses, Hans-Peter Bartels (SPD), nannte von der Leyens Pläne "richtig und überfällig". Der Leidensdruck bei vielen Soldaten sei sehr hoch, weshalb die Ministerin mit dem Vorstoß offene Türen einrenne, sagte er dem Tagesspiegel.

SPD-Verteidigungsexperte Rainer Arnold sagte der Leipziger Volkszeitung, es sei bekannt, "dass die Ministerin sehr schnell Überschriften setzt". Grundsätzlich unterstütze seine Partei die Abkehr vom Denken des früheren Verteidigungsministers Thomas de Maizière (CDU), "der die Soldaten in erster Linie als Soldaten, als Beamte betrachtet und der nur das Dienen im Auge gehabt" habe.

Opposition: "Es gibt keine Teilzeitkriege"

Die Linkspartei-Abgeordnete Inge Höger nannte die Ankündigungen blanken Hohn. "Es gibt keine Teilzeitkriege und keine familienfreundlichen Militäreinsätze, doch genau solche Auslandseinsätze sind in der Zwischenzeit das Kerngeschäft der Bundeswehr."

Von der Leyen, die das Verteidigungsministerium erst vor Kurzem übernommen hatte, hatte in einem Interview angekündigt, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie bei der Bundeswehr steigern zu wollen. "Mein Ziel ist es, die Bundeswehr zu einem der attraktivsten Arbeitgeber in Deutschland zu machen. Das wichtigste Thema ist dabei die Vereinbarkeit von Dienst und Familie" sagte die CDU-Politikerin der Bild am Sonntag. Die Truppe müsse Dienst- und Familienzeiten besser aufeinander abstimmen. "Unsere Soldatinnen und Soldaten lieben ihren Beruf, aber sie möchten auch, dass ihre Ehen halten und sie ein glückliches Familienleben führen."

Die familienunfreundlichen Bedingungen in der Bundeswehr sind ein häufiger Kritikpunkt von Soldaten. Künftig sollen diese nach dem Willen der Ministerin ganz selbstverständlich Teilzeitmöglichkeiten nutzen können: "Wer etwa in der Familienphase die Option einer Drei- oder Viertagewoche nutzt, muss weiter Karriereperspektiven haben. Ich denke auch an Lebensarbeitszeitkonten, auf die Überstunden eingezahlt werden und von denen Freizeiten abgehoben werden können, sei es für die Betreuung von kleinen Kindern oder alter Eltern."

Kinderbetreuung in den Kasernen

Die häufigen Versetzungen der Soldaten will von der Leyen auf das Notwendige begrenzen: "Karriere bei der Bundeswehr darf im Regelfall nicht bedeuten: immer im Dienst und alle paar Jahre ein Umzug." Da die Lebenspartner der Soldaten häufig selbst berufstätig seien, trügen Versetzungen große Spannungen in die Familien.

"Ich werde mir das System der nahezu automatischen Versetzungen alle zwei bis drei Jahre genau ansehen. Wenn jemand eine steile Karriere macht, dann geht das auch in großen Wirtschaftskonzernen nicht ohne häufige Positions- und Ortswechsel. Aber die Frage ist, ob dies für die große Mehrheit der Soldatinnen und Soldaten immer sinnvoll ist."

Als eine der ersten Maßnahmen plant von der Leyen den Ausbau der Kinderbetreuung in den Kasernen. "Wir brauchen ein flexibles System der Kinderbetreuung rund um die Bundeswehr", sagte die Ministerin. "Wir sollten gerade für die Betreuung in Randzeiten sehr viel stärker mit Tagesmüttern arbeiten. Denn das ist eine besonders flexible Form der Kinderbetreuung und wir haben den großen Vorteil, dass es in vielen Kasernen den Platz dafür gibt."

Grüne zweifeln an Finanzierbarkeit

Wie von der Leyen das Vorhaben finanzieren will, ist noch nicht geklärt. "Die Umsetzung der Maßnahmen wird viel Geld kosten, das bislang nicht im Verteidigungshaushalt zur Verfügung steht", sagte der Grünen-Verteidigungspolitiker Tobias Lindner im Handelsblatt.

Allein ein flächendeckendes Kita-Angebot würde eine zweistellige Millionensumme erfordern, schätzt der Grünen-Politiker, der auch im Haushaltsauschuss der Bundestags sitzt. Für flexiblere Arbeitszeiten sei zudem die Einstellung zusätzlichen Personals notwendig.

Auch der SPD-Verteidigungspolitiker Bartels mahnte, dass es "eine solche Reform nicht für umsonst" gebe.