Guttenberg: Der Rücktritt Der Tag, an dem der Minister aufgab

Von der kurzen Erklärung bis zu den Ausläufern des politischen Bebens: Wie Verteidigungsminister zu Guttenberg seinen Rücktritt erklärt und damit das politische Berlin "schockt". Ein denkwürdiger Tag in der Liveticker-Nachlese.

Zwei Wochen nach den ersten Plagiatsvorwürfen aufgrund seiner Doktorarbeit ist Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg von allen politischen Ämtern zurückgetreten. "Das ist der schmerzlichste Schritt meines Lebens", sagte der CSU-Politiker am Dienstag in Berlin.

Guttenberg tritt ab Die Rücktrittsrede

Verteidigungsminister zu Guttenberg hat seinen Rücktritt von allen politischen Ämtern erklärt. Der Druck der Plagiatsaffäre sei zu groß gewesen. Die Rücktrittsrede und Impressionen von Guttenbergs Auftritt - Eine Audioslideshow

(Video: Ruth Klaus, Foto: Getty)

Bundeskanzlerin Angela Merkel nahm den Rücktritt an und zollte Guttenberg "Respekt und Dank für seine Arbeit." Die FDP reagierte überrascht, die Opposition mit Genugtuung.

Das politische Beben in Berlin und alle Reaktionen darauf in der Live-Ticker-Nachlese.

11:10 Uhr

Säulenhalle im Bundesverteidigungsministerium. Überall Marmor. Diesen Raum kann nichts erschüttern, so scheint es. Das ist gut so. Gleich wird es hier wohl zu einem politischen Erdbeben kommen. Schon bevor der Minister vor die Kameras tritt, läuft der Ticker heiß. "Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg tritt zurück" vermelden die "Bild"-Zeitung und zahlreiche Nachrichtenagenturen.

11:14 Uhr

Kanzlerin Merkel hatte zuvor ihren Rundgang auf der Computer-Messe Cebit in Hannover überraschend unterbrochen und längere Zeit telefoniert. Dem Vernehmen nach stimmte sich die Kanzlerin auch mit FDP-Chef Guido Westerwelle und CSU-Chef Horst Seehofer ab. Erst am Montag hatte sich Merkel erneut demonstrativ hinter Guttenberg gestellt.

11:16 Uhr

"Meine Damen und Herren, der Verteidigungsminister", ruft ein Mann in Uniform. Es wird wohl das letzte Mal sein, dass sich Karl-Theodor zu Guttenberg so vorstellen lassen kann. Zu Guttenberg federt die Stufen hinunter, die vom Stockwerk höher direkt in die Säulenhalle führen. Er geht direkt zum Mikrofon, legt einen Zettel auf das Pult. Es sind die Sätze, die ihn vom Verteidigungsminister zum Privatmann machen werden. Pünktlich um 11:15 Uhr ist es dann tatsächlich so weit: Guttenberg tritt zurück. Er wolle damit "politischen Schaden" abwenden, sagt er. Kanzlerin Merkel sei darüber informiert. Dann sagt Guttenberg den Satz, der wohl morgen in jeder deutschen Zeitung zu lesen sein wird: "Es ist das der schmerzlichste Schritt meines Lebens."

11:20 Uhr

Guttenberg sagt, er könne es nicht mehr verantworten, dass die Plagiatsaffäre auf dem Rücken der Bundeswehrsoldaten ausgetragen werde. Die öffentliche und mediale Betrachtung drehe sich nur noch um die Person Guttenberg und die Dissertation. Der Tod und die Verwundung von Soldaten rückten in den Hintergrund. Dies sei eine "dramatische Verschiebung". Für das fordernde Amt des Verteidigungsministers brauche man ungeteilte Konzentration und fehlerfreie Arbeit. Er habe schließlich die größte Reform in der Geschichte der Bundeswehr angestoßen. Guttenberg liest alles ab. Wort für Wort, Satz für Satz. Dies ist nicht der Augenblick für Improvisation.

11:22 Uhr

Der Verteidigungsminister machte klar, wie schwer er sich mit seinem Rücktritt getan habe. Dies sei "unbefriedigend, aber allzu menschlich". Man gebe nicht leicht ein Amt auf, "an dem das Herzblut hängt". Oben auf der Galerie lauschen enge Mitarbeiter von Guttenberg, was ihr Chef zu sagen hat. Manche schauen, als könnten sie es nicht fassen. Anderen scheinen den Tränen nah.

11:25 Uhr

Er klingt, als hätte er sich lange auf diesen Schritt vorbereitet. Die Stimme ist fest. Unverzagt ist vielleicht das richtige Wort. Er weiß, das ist nicht das Ende. Seine Zukunft liegt noch vor ihm. Deshalb sagt Guttenberg Sätze, die ihn später seine moralische Autorität wiedergeben können. Sätze wie den: "Ich ziehe die Konsequenz, die ich auch von anderen verlangt habe." Damit nicht genug: Er stehe zu seinen Schwächen und Fehlern. Es sei eine Frage des Anstandes gewesen, zunächst die drei in Afghanistan gestorbenen Soldaten zu Grabe zu tragen. Er werde sich an der Aufklärung der Vorwürfe gegen ihn in Zusammenhang mit seiner Doktorarbeit beteiligen.

11:26 Uhr

Dann dankt Guttenberg der Kanzlerin für ihre Unterstützung. Merkel hatte sich mehrmals hinter ihren Minister gestellt und unter anderem gesagt, sie haben keinen "wissenschaftlichen Mitarbeiter" angestellt.

11:34 Uhr

"Ich war immer bereit zu kämpfen. Aber ich habe die Grenzen meiner Kräfte erreicht", erklärt Guttenberg. Die mediale Betrachtung seiner Person und die Qualität der Auseinandersetzung sei nicht ohne Auswirkung auf ihn und seine Familie geblieben. Die Mechanismen könnten zerstörerisch sein. Er erwarte aber kein Mitleid. Das sind Sätze, die sonst nicht zum Repertoire des Homo politicus gehören. Dann geht er. Das Bild, wie er die Treppe wieder hochgeht, die er vor wenigen Minuten heruntergekommen ist, genau in der Mitte, den Rücken zu den Kameras, dieses Bild wird morgen in allen Zeitungen zu sehen sein. Er geht wie er gesprochen hat. Festen Schrittes, Stufe um Stufe. Nicht zu schnell, nicht zu langsam. Es ist der Moment des Abgangs. Ein Moment, in dem er alles richtig macht.

11:39 Uhr

Guttenberg sagte auch, dass er sich schnell staatsanwaltlichen Ermittlungen zu den Plagiatsvorwürfen gegen ihn stellen will. Er habe Respekt vor all jenen, die die Vorgänge strafrechtlich überprüft sehen wollen. "Es würde daher nach meiner Überzeugung im öffentlichen wie in meinem eigenen Interesse liegen, wenn auch die staatsanwaltlichen Ermittlungen etwa bezüglich urheberrechtlicher Fragen nach Aufhebung der parlamentarischen Immunität, sollte dies noch erforderlich sein, zeitnah geführt werden können."

11:48 Uhr

Der Auftritt Guttenbergs war der erwartete Paukenschlag. Das politische Berlin wird sich damit noch länger beschäftigen. Mitten im Superwahljahr verliert die Koalition ihren beliebtesten Minister. Die Kanzlerin wird das nicht freuen. Und auch CSU-Chef Horst Seehofer kann über den Sturz Guttenbergs nicht glücklich sein, obwohl sich die beiden Leitfiguren der Partei nicht immer grün waren.

11:49 Uhr

Ganz anders die Opposition. SPD, Grüne und Linke haben den Rücktritt Guttenbergs vehement gefordert. Als einer der Ersten wird sich wohl Gregor Gysi zu Wort melden. "12:30 Uhr, Reichstag, Fraktionsebene, vor dem Clara-Zetkin-Saal", da will der Linken-Fraktionschef vor die Presse treten.

11:57 Uhr

Der Rücktritt Guttenbergs ist der bislang schwerste Schlag für die Bundeskanzlerin. Klar, mit Franz Josef Jung hat Angela Merkel in dieser Legislaturperiode schon einmal einen Minister verloren. Die Kundusaffäre, der Auslöser für dessen Rücktritt, hat der Kanzlerin aber nicht weiter geschadet und Jung war für die Regierung ungefähr so wichtig wie Andreas Ottl zuletzt für den FC Bayern München. Guttenberg aber war einer der wichtigsten Spieler in Merkels Mannschaft. Für ihn hat sich die Kanzlerin, wohl gegen besseres Wissen, bis zuletzt eingesetzt. Das dürfte auch an ihr hängenbleiben.

12:06 Uhr

Die Linken-Chefin hat den Linken-Fraktionschef überholt. Gysi will sich um 12.30 Uhr vor die Presse stellen, Gesine Lötzsch hat einfach mit der Tageszeitung "taz" gesprochen und die haben das Gesagte dann ganz schnell auf den Ticker gegeben: "Der Rücktritt war die einzige richtige Entscheidung", ist die wenig überraschende Bewertung der Linken-Chefin. Alles andere hätte den Wissenschaftsstandort Deutschland weiter beschädigt. Es hätte viele Bürgerinnen und Bürger irritiert, wenn für Politiker "unterschiedliche Maßstäbe gegolten hätten". Nachdem es in den vergangenen Tage auch aus den eigenen Reihen immer mehr kritische Stimmen zu Guttenbergs Verhalten gegeben habe, sei der Druck auf den Minister "einfach zu groß geworden", sagte Lötzsch.

12:17 Uhr

Die Nachricht vom Rücktritt an der Pinnwand der Facebook-Seite "Gegen die Jagd auf Karl-Theodor zu Guttenberg" haben bereits 3444 Fans kommentiert. "Ein Verlust für Deutschland! Nun sollten aber auch alle Doktorarbeiten sämtlicher im Bundestag vertretenden Politiker unter die Lupe genommen werden", schreibt einer, "Wirklich jammerschade, dass Guttenberg zurückgetreten ist. Selbst seine Rücktrittserklärung war stark, da können ihm die Meisten nicht das Wasser reichen", ein anderer. "Schade, schade, schade." Die Fanseite gibt es noch nicht mal zwei Wochen und hat 305.790 Anhänger in dem sozialen Netzwerk.

12:24 Uhr

CSU-Chef Horst Seehofer verließ überraschend eine Sitzung des bayerischen Kabinetts und kam mit der Nachricht vom Rücktritt zurück, wie Teilnehmer anschließend berichteten. Er habe betroffen gewirkt, hieß es. Um 13 Uhr will sich Seehofer zum Rücktritt seines Parteifreundes äußern. Davor drücken aber schon weniger prominente Unionspolitiker ihr Bedauern aus. Zum Beispiel: Der schleswig-holsteinische CDU-Landesvorsitzenden Christian von Boetticher. "Auch wenn ich in einigen inhaltlichen Fragen eine andere Auffassung vertreten habe, so gebührt zu Guttenberg meine hohe Anerkennung für seine erfolgreiche Arbeit als Minister", so Boetticher. Interessanter ist da die Wortmeldung des bayerischen Umweltministers Markus Söder, der als parteiinterner Rivale Guttenbergs gilt. "Wir sind echt geschockt", sagte Söder am Dienstag nach einer Sitzung des bayerischen Kabinetts in München. Es tue ihm persönlich "sehr leid". Zugleich würdigte der CSU-Politiker Guttenbergs Verdienste als Verteidigungsminister. Der bayerische Kultusminister Ludwig Spaenle sprach von einem Schritt, der Respekt verdiene und der Guttenbergs Persönlichkeit unterstreiche.

12:31 Uhr

Nun wird freilich schon darüber spekuliert, wer Guttenberg auf den Ministersessel folgt. Parteifreund Ramsauer, als CSU-Vize einer der natürlichen Kandidaten für das Amt, stellte gleich einmal klar, dass er keine Ambitionen hat. „Das mute ich meiner Familie nicht zu“, sagte Ramsauer am Dienstag der "Rheinischen Post". Seine Familie habe ihn dringend gebeten, unter keinen Umständen eine derartig drastische Erschwerung der Lebensumstände hinzunehmen. "Meine Kinder sind zu klein, um jetzt nur noch in gepanzerten Wagen herumzufahren", so Ramsauer. Das klingt eindeutig.

12:34 Uhr

Nun melden sich auch die Grünen zu Wort. Frakionschefin Renate Künast findet den spannenderen Dreh als vor ihr die Linken-Chefin Lötzsch - sie interpretiert den Abgang Guttenbergs als "Riesenblamage für die Kanzlerin". Merkel habe bis zuletzt geglaubt, sich durch diese peinliche Affäre lavieren zu können. "Merkels Zögern und machtpolitisches Taktieren haben nicht nur dem Ansehen unserer demokratischen Institutionen schwer geschadet." Die Kanzlerin habe damit aktiv den Werteverfall befördert. "Konservative haben in der CDU seitdem keine Heimat mehr." Auch wenn manche Konservative, die in der CDU noch ihre Heimat sehen, heftig widersprechen: Diese Vorwürfe dürften einige Konservative schon vor dem Rücktritt ehrlich getroffen haben. Dann gibt Künast der wissenschaftlichen Gemeinde noch ein Zuckerl: Guttenbergs Rücktritt sei auch ein Sieg für die Wissenschaft, die den Versuch der Kanzlerin nicht hingenommen habe, den Wissenschaftsstandort Deutschland beschädigen zu lassen.

12:38 Uhr

Vor dem Bundesverteidigungsministerium in Berlin stehen noch mehrere Kamerateams. Das ZDF meldet unter Berufung auf CSU-Kreise, dass der parlamentarische Staatssekretär Christian Schmidt neuer Verteidigungsminister werden soll. Die "Leipziger Volkszeitung" hat einen anderen Favoriten gefunden: den derzeitigen Vorstandsvorsitzenden der Bundesagentur für Arbeit, Hans-Jürgen Weise. Nach Informationen von "sueddeutsche.de" steht der 53-jährige Schmidt noch nicht als Nachfolger von Karl-Theodor zu Guttenberg fest. Zur Stunde läuft noch eine Schaltkonferenz des CSU-Präsidiums zu diesem Thema.

12:39 Uhr

uf Guttenbergs eigenem Facebook-Profil wird deutlich weniger kommentiert, als bei der Guttenberg-Unterstützer-Seite. Das Büro des Ex-Verteidigungsministers hat die kurze Rede zum Auftritt online gestellt. Aus den knapp 1000 Kommentaren darunter spricht fast schon Trauer, und vor allem Anerkennung: "Deutschland hat soeben seinen besten Verteidigungsminister verloren", schreibt ein Soldat; auf seinem Profilbild trägt er ein hellblaues Uniformhemd. Manch einer äußert schon jetzt die Hoffnung auf eine Wiederkehr Guttenbergs. So auch ein Steve o’Stewart: "Dear Sir, one unfortunate step backwards now...", schreibt er. "Hopefully two fulfilling steps forward in the near future."

12:46 Uhr

Die Minister vom kleinen Koalitionspartner melden sich zu Wort. Entwicklungsminister Dirk Niebel wertete den Rücktritt Guttenbergs als "folgerichtige und respektable Entscheidung". Er sehe aber nun keine Veranlassung für eine Kabinettsumbildung, so Niebel. Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, Parteifreundin und Justizministerin, ist da ähnlich optimistisch: So ein Rücktritt sei zwar nicht normal, "bringt die Koalition aber nicht ins Trudeln".

12:50 Uhr

Die Online-Welt diskutiert im Sekundentakt über den Abgang des Verteidigungsministers. Pro Minute werden beim Micro-Blogging-Dienst Twitter 300 neue Kurznachrichten über Guttenberg gepostet. Dort kursieren bereits sarkastische Berufswünsche: "Guttenberg wird Moderator der Johannes B. Kerner Show", verkündet "flachzange", "Ab Sommer 2011 übernimmt Karl-Theodor zu Guttenberg die Moderation von 'Wetten, dass..?'. Und wird Kaiser von Libyen", spottet "Parisi1". "Clint_E" schreibt über die Leser der "Bild"-Zeitung, die in der der Plagiatsaffäre meist auf der Seite Guttenbergs stand: "87% der BILD-Leser fordern: Dr. Guttenberg soll wieder als Arzt praktizieren."

12:55 Uhr

Thürigens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht mischt sich unter die Rücktrittsbedauerer. "Das ist eine Nachricht, die mich wirklich betroffen macht", sagt Lieberknecht, aber nicht ohne sich schon jetzt auf eine Rückkehr Guttenbergs zu freuen. Sie wünsche sich, dass der CSU-Politiker nach einer gewissen Auszeit wieder für die Öffentlichkeit zur Verfügung stehe und sich weiter aktiv in gesellschaftliche Debatten einbringe.

12:57 Uhr

CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe versucht, aus Guttenbergs Rücktritt Schwung für einen Schlag gegen die Opposition zu ziehen. "Ich fordere die Opposition, die in den vergangenen Tagen die Grenzen der politischen Auseinandersetzung immer wieder deutlich überschritten hat, auf, den konsequenten Schritt Karl-Theodor zu Guttenbergs anzuerkennen und endlich zur notwendigen Sachlichkeit zurückzukehren", lässt Grohe schriftlich mitteilen. Außerdem bedauert er natürlich den Rücktritt und hat zugleich großen Respekt. Kürzer fasst sich Innenminister Thomas de Maizière: "Ich habe den Rücktritt meines Kollegen und Freundes Karl-Theodor zu Guttenberg mit Respekt und Bedauern zur Kenntnis genommen." Mehr gebe es dazu nicht zu sagen.

12:59 Uhr

Der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Thomas Oppermann, folgt dem Beispiel von Grünen-Fraktionschefin Künast: Rücktritt schön und gut, aber die Kanzlerin, die habe sich "kräftig blamiert", ihre Glaubwürdigkeit sei beschädigt, dem Ruf der Politik habe sie Schaden zugefügt, sagt Oppermann.

13:06 Uhr

Nun steht die - neben den noch ausstehenden Worten der Kanzlerin - spannendste Reaktion auf den Rücktritt bevor: CSU-Chef Horst Seehofer wird vor die Presse treten. Er blickt sehr ernst drein, seine Stimme ist heute besonders sonor. "Die CSU steht auch weiterhin zu Karl-Theodor zu Guttenberg" sagt Seehofer. "Er gehört auch weiterhin zu uns". Und: Er wolle alles dafür tun, dass Guttenberg der Partei erhalten bleibe. Dieser Wunsch ist nachvollziehbar - für die CSU ist er wichtig, hat Guttenberg die Partei doch aus dem Umfragetief geholt.

13:11 Uhr

Der Rücktritt von Guttenberg ist erst wenige Stunden alt, doch in München wird schon die Frage nach der Nachfolge gestellt. Doch eine konkrete Antwort gibt Seehofer nicht. Klar, es ist eine "der ganz schmerzlichen Stunden" in der Geschichte der CSU, sagt Seehofer und verweist auf eine Präsidiumssitzung der Partei, die am Freitag stattfinden soll.

13:19 Uhr

Mit dem 30-jährigen Jens Spahn meldet sich ein junger CDU-Abgeordneter zu Wort: "Der Schritt war am Ende sicher unvermeidlich", sagt Spahn zu "sueddeutsche.de". "Aber es wäre gut für die deutsche Politik, wenn zu Guttenberg der Politik erhalten bliebe." Wie so viele gibt auch Spahn sich zuversichtlich: "Er kommt ohne Zweifel zu einem späteren Zeitpunkt auch wieder für Spitzenpositionen in Union und Bundespolitik in Frage." Da sei nicht nur ihm, sondern vielen jungen CDU-Abgeordneten wichtig, so Spahn.

13:22 Uhr

Nun, mit etwas Verspätung: Gregor Gysi. Für den Linkspartei-Fraktionschef dürfte es eine Freude sein, sich endlich zum Rücktritt zu äußern, doch der angriffslustige Gysi zügelt sich: "Immer, wenn man im Leben die Konsequenzen aus eigenen Fehlern zieht, kommt man ein bisschen zur Besinnung, denkt über sich und andere anders nach und kann danach auch wieder neu starten", lässt Gysi die Reporter wissen - und wird dann doch schärfer: Die Folgen des "langen Versuchs" von Guttenberg und Merkel, "das Ganze herunterzuspielen und keine Konsequenzen zu ziehen" sei allerdings "verheerend für das Ansehen der Politik der Bundesregierung und für den Wissenschafts- und Forschungsstandort Deutschland".

13:26 Uhr

In den Wochen der Krise hat die "Bild"-Zeitung vor allem mit ihrer Parteinahme für Guttenberg Aufsehen erregt. Riesig präsentiert die Online-Ausgabe nun die Nachricht vom Rücktritt – unter dem Titel "Ich habe die Grenzen meiner Kräfte erreicht". Darunter, sehr angeregt, die Diskussion. Der Tenor der Kommentare – zwei Stunden nach dem Rücktritt sind es mehr als 2000 – ist vergleichweise wütend: "Glückwunsch liebe Presse. Glückwunsch an die Linken", schreibt staatsfeindn1. "Nun habt ihr wieder Zeit, das Volk auszunehmen." Ähnlich sehen das "hayco" und "bestofbauer": "Neider und Heuchler stürzen beliebten Minister", kommentiert der eine. Der andere: "So, ich hoffe, jetzt können die Grünen und die SPD-Mitglieder und die ganzen Medien, die auf Herrn Guttenberg herumgeritten haben, endlich zufrieden sein. Denn sie haben wieder einmal einen großartigen Politiker von seinem Amt verscheucht."

13:30 Uhr

Baden-Württembergs Ministerpräsident Stefan Mappus will auf die Hilfe des gestürzten CSU-Stars im Landtagswahlkampf nicht verzichten - sofern der CSU-Politiker dazu bereit ist. "Karl-Theodor zu Guttenberg war, ist und bleibt im höchsten Maße willkommen bei der Union in Baden-Württemberg", so Mappus. Kurt Beck, Ministerpräsident in Rheinland-Pfalz, Ex-SPD-Chef und wie Mappus am 27. März zur Wiederwahl aufgestellt, nutzt den Abgang Guttenbergs zum Angriff auf Merkel: "Die Kanzlerin ist offenbar völlig überrascht worden von der Entwicklung", sagt Beck.

13:32 Uhr

Als eine der Ersten äußert sich die Grünen-Chefin Claudia Roth auch kritisch zur Rücktrittserklärung Guttenbergs. Sie hätte eine Stellungnahme zu den Vorwürfen erwartet, dass Guttenberg seine Doktorarbeit durch Betrug erlangt habe, so Roth. "Bis zuletzt verweigert er sich aber den kritischen Fragen der Medien", sagt Roth und kritisiert, Guttenberg versuche, Medien und Öffentlichkeit für den Rücktritt in Haftung zu nehmen. Das sei unredlich. "Ich persönlich finde es außerdem unanständig, dass Guttenberg bis zuletzt versucht, seine Plagiatsaffäre und das Wohl der Soldatinnen und Soldaten bis hin zu den in Afghanistan getöteten Soldaten gegeneinander auszuspielen.“ Guttenberg hatte von einer "medialen Verzerrung" und einer "dramatischen Verschiebung" der medialen Wahrnehmung gesprochen. Er könne es nicht mittragen, dass die Affäre auf dem Rücken der Soldaten ausgetragen werde, die in Afghanistan getötet und verletzt würden.

13:39 Uhr

Von den Guttenberg-Kritikern scheinen einige vom Rücktritt des Ministers noch gar nichts mitbekommen zu haben: Noch immer unterzeichnen im Sekundentakt Akademiker den offenen Brief an Angela Merkel. So setzt etwa um 12.27 Uhr Marc Stemmler vom Max-Planck Institut für Immunbiologie seine digitale Unterschrift unter das Schreiben. Darin kritisieren die inzwischen mehr als 50.000 Unterzeichner Merkels Unterstützung für Guttenberg.

13:41 Uhr

Außenminister Guido Westerwelle hat der Rücktritt vorerst einen neuen Geschäftsbereich beschert. Nach den Regeln der Bundesregierung übernimmt er den Bereich Verteidigung nun mit. Er stehe in engem Kontakt mit Bundeskanzlerin Merkel, sehe die Regelung der Nachfolge aber als Sache der Union, so der FDP-Chef. Ansonsten findet Westerwelle die Entscheidung natürlich auch "konsequent".

13:46 Uhr

Die Plagiatsjäger vom Guttenplag-Wiki beklagen, dass Guttenberg in seiner Rücktrittserklärung "keine klaren Worte zur offensichtlichen Täuschungsabsicht und zur Urheberschaft" seiner Dissertation gefunden habe. Aus aktuellem Anlass wollen sie am heutigen Dienstag einen zweiten Zwischenbericht zur Doktorarbeit des Politikers veröffentlichen.

13:47 Uhr

Während beim Nachrichtensender n-tv die Telefonleitungen von Pro-Guttenberg-Anrufen heißlaufen, ist die Diskussion auf der Seite "Bundeswehrforum" fast überraschend differenziert: "Ich werde KzG vermissen!", lässt "snake99" seine Kameraden wissen. "Von allen Verteidigungsministern die ich erlebt habe, war er der beste Chef! Wenn die mediale Landschaft sich einmal eingeschossen hat, und keine Ruhe gibt, ist man irgendwann am Ende seiner Kräfte." Doch die Replik kommt sofort, und snake99 steht mit seiner Meinung recht einsam da: "So, wie es jetzt gelaufen ist, liegt die Schuld einzig bei ihm selber, auch wenn er versucht, sie 'der Presse' in die Schuhe zu schieben", schreibt "Timid". Und "Army Strong" setzt noch eins drauf: "Vielleicht sollte sich mancher Verdammer der Medien in Erinnerung rufen, was er mal gelobt/geschworen hat. Fakt ist, dass KTzG nun mal die Fehler, für die er jetzt bezahlen muss, selbst gemacht hat. Oder hat seine Doktorarbeit irgendeine Zeitung geschrieben und ihm dann untergeschoben?" Vielleicht sind es die Soldaten schlicht auch Leid, vom zurückgetretenen Verteidigungsminister als Entschuldigung und Ausflucht missbraucht zu werden - noch in seiner Rücktrittsrede bezog sich Guttenberg mehrmals auf die gefallenen Soldaten in Afghanistan.

14:02 Uhr

Nun meldet sich auch der Vorsitzende des Deutschen Bundeswehrverbands zu Wort: "Offenbar hat die Plagiatsaffäre in den letzten Tagen und Stunden die Reformbestrebungen für die Bundeswehr derart überlagert, dass keine vernünftige Sacharbeit mehr möglich war", erklärt Oberst Ulrich Kirsch.

14:11 Uhr

Für Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) ist Guttenbergs Rücktritt konsequent: "Aufgrund der sich gegen ihn verfestigenden Vorwürfe im Zusammenhang mit der Erstellung seiner Doktorarbeit war diese Entscheidung nur folgerichtig", sagt die Ministerin der Nachrichtenagentur dpa.

14:26 Uhr

Als Guttenberg im Verteidigungsministerium seinen Rücktritt erklärte, konnte man ihn im TV nicht sehen. Kameras waren zwar vor Ort, aber kein Sender übertrug live. Der Mediendienst meedia.de berichtet, dass das Verteidigungsministerium "unverständlicherweise" Live-Kameras verboten hatte. Die deutschen Fernsehsender mussten minutenlang Archivbilder zeigen, Korrespondenten schilderten die Situation. Nur beim Nachrichtensender n-tv konnte man Guttenberg zumindest live hören. Ein Reporter des Senders übertrug die Rücktrittsrede per Handy. Ob das Ministerium davon wusste, ist nicht klar. Erst 15 Minuten nach der Rücktrittserklärung waren Bilder davon im deutschen TV zu sehen.

14:29 Uhr

Für den Politikberater Michael Spreng ist Kanzlerin Angela Merkel (CDU) "die eigentliche Verliererin": "Sie hätte zu Guttenberg sofort klarmachen müssen, dass seine Verfehlung so massiv war, dass er das auf Dauer nicht durchstehen kann", sagt er dem Tagesspiegel. Mit ihrer Erklärung, sie habe einen Verteidigungsminister berufen und keinen "wissenschaftlichen Assistenten", habe die CDU-Vorsitzende all die Werte verhöhnt, für die die Partei eintrete. Die Kanzlerin will sich in Kürze zu dem Rücktritt ihres Verteidigungsministers äußern.

14:43 Uhr

Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel begrüßt Guttenbergs Rücktritt, attackiert aber zugleich Angela Merkel. Der Amtsverzicht des CSU-Politikers sei ein guter Schritt, der jedoch relativ spät gekommen sei, sagt Gabriel. Die Kanzlerin habe einen großen Fehler begangen, indem sie Guttenberg gedrängt habe, im Amt zu bleiben, fügte der SPD-Chef hinzu. "Ein Rücktritt ist immer stabilisierend für die Demokratie", sagte Gabriel.

14:47 Uhr

Nach Informationen von Welt Online befürchtet Guttenberg offenbar schon seit vergangener Woche, dass seine Immunität aufgehoben und staatsanwaltschaftliche Ermittlungen eingeleitet werden könnten. Demnach habe es bereits in der vergangenen Woche intensiven Kontakt zwischen dem Verteidigungsminister und den Staatsanwälten gegeben, meldet das Nachrichtenportal.

14:49 Uhr

Nachdem sich mehr oder weniger jeder im politischen Berlin zum Rücktritt Guttenbergs geäußert hat, tritt nun die Kanzlerin vor die Kameras. Sie habe den Amtsverzicht von Guttenberg "schweren Herzens angenommen", sagt Merkel. Dann würdigt sie die "herausragende politische Begabung" Guttenbergs und kündigt an, sie werde die von Guttenberg begonnene Bundeswehrreform mit aller Entschlossenheit weiter umsetzen. Zugleich deutete die Kanzlerin aber auch die Möglichkeit an, dass Guttenberg weiter politisch aktiv sein könne. Sie habe am Dienstag sicher nicht das letzte Gespräch mit ihm geführt, sagte die CDU-Vorsitzende. Sie sei überzeugt davon, dass sie mit ihm auch in Zukunft in irgendeiner Form zusammenarbeiten könne.

14:54 Uhr

Dann stellt Merkel klar, dass noch kein Nachfolger benannt worden ist. Heute sei nicht die Stunde, über einen Nachfolger zu reden und zu entscheiden, so Merkel. Die Kanzlerin spricht langsam und gefasst, aber es ist ihr anzumerken, dass dies nicht ihr einfachster Auftritt vor laufender Kamera ist. Zwei Nachfragen lässt die Kanzlerin zu und verrät in ihren Antworten, dass sie von dem Rücktritt überrascht worden sei. Darauf, dass die CSU einen Anspruch auf die Besetzung des Ressorts habe, darauf will sich die Kanzlerin nicht festlegen lassen.

15:00 Uhr

In das "Kondolenzbuch" tragen sich nun auch noch die Ministerpräsidenten aus Niedersachsen, Hessen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein ein. "Er war ein hervorragender Bundeswirtschaftsminister, er war ein hervorragender Bundesverteidigungsminister", sagt David McAllister. "Das verdient Respekt", sagt Volker Bouffier. "Die Entscheidung verdient menschlichen Respekt", sagt Wolfgang Böhmer. "Man kann lange darüber diskutieren, ob er zu spät kommt", sagt Peter Harry Carstensen.

15:08 Uhr

Im Netz wird nicht nur mit Worten kommentiert, sondern auch mit Musik: Das Musikmagazin "LaxMag" hat auf seiner Webseite (www.laxmag.de) umgehend einen Soundtrack zusammengestellt: Von Judas Priests "Breaking the Law" und Rollins Bands "Liar" über Lacrimosas "COpycat" und Arcade Fires "Intervention" bis hin zu Elten Johns "Sorry seems to be the hardest word" ist alles dabei. Guttenbergs Lieblingsband AC/DC fehlt mit "Highway to Hell" auf dieser Liste ebenso wenig wie der Plagiatssong "Copy Paste" des Allgäuers Rainer von Vielen, der dieses Lied eigens für den Verteidigungsminister neu komponiert hat. Nicht in dieser Aufzählung, aber dennoch hörenswert: "I don’t need no doctor", etwa in der Version der britischen Altrocker Humble Pie und "Alles nur geklaut" in der Cover-Version des Radiosenders FFN.

15:13 Uhr

Der CSU-Bundestagsabgeordnete Georg Nüßlein ist hörbar traurig über Guttenbergs Rücktritt. Dies sei ein "großer Verlust für die deutsche Politik", sagt der Parlamentarier aus Neu-Ulm zu "sueddeutsche.de". Der Minister sei an einen Punkt gelangt, wo er "die mediale und politische Hetzjagd nicht mehr ertragen konnte".

15:37 Uhr

Der Rücktritt des Verteidigungsministers verbreitete sich auch in den afghanischen Stützpunkten der Bundeswehr wie ein Lauffeuer. "Wir dachten erst, wir hätten uns verhört", berichtete ein Oberstleutnant in Masar-i-Scharif der Nachrichtenagentur dapd. "Wir sind bestürzt, weil wir trotz allem, was wir so aus der Heimat gehört haben, nicht damit gerechnet hatten, das unser Chef das Handtuch wirft." Offiziere wiesen darauf hin, dass die Plagiatsaffäre in den Stützpunkten der Bundeswehr "nicht so aufgeschlagen ist", weil die Soldaten am Hindukusch mit "total anderen Problemen ständig konfrontiert“ seien. Allerdings gaben Soldaten auch zu bedenken, "dass wir nachdenklich wurden, als die negativen Eingeständnisse Guttenbergs zugenommen haben". Als die von Guttenberg selbst besonders gepriesenen Tugenden der Glaubwürdigkeit, Wahrhaftigkeit und Transparenz ins Wanken kamen, "wurden wir zunehmend nachdenklich".

15:53 Uhr

In der Online-Ausgabe kommentiert der "Bild"-Hauptstadtchef Nikolaus Blome Guttenbergs Rücktritt - und bricht noch ein letztes Mal die Lanze für den scheidenden Verteidigungsminister. Mit dem Rücktritt ende die Karriere Guttenbergs zwar nach den "traditionellen Regeln der Berliner Politik", schreibt Blome. "Aber zur Tagesordnung übergehen kann trotzdem niemand. Und zufrieden sein schon gar nicht." Denn – wobei das Blatt ganz auf der Linie der letzten Tage bleibt – nach Ansicht Blomes geht mit Guttenberg einer, "der die Menschen eben für diese Politik begeistern konnte." Die Politik, so der Journalist weiter, "verliert einen Mann, der z.B. im Stile eines abgezockten Polit-Profis im Innern des Berliner Betriebes Erfolge wie die Aussetzung der Wehrpflicht erreichte - und gleichzeitig‚ draußen im Land unendlich viel mehr Zustimmung und Vertrauen genoss als die meisten Politiker." Schließlich stellt Blome noch einmal unmissverständlich klar, dass er gegen die Rücktrittsforderungen war: "Nun sollen die, die Guttenbergs Rücktritt wollten und bekamen, erklären, ob die Politik in Deutschland ohne diesen Minister unter dem Strich wirklich besser da steht. Sie tut es nicht!"

16:16 Uhr

Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) hat die Kritik Guttenbergs an der Medienberichterstattung über seine Plagiatsaffäre zurückgewiesen. "Den Medien die Schuld für sein Fehlverhalten in die Schuhe schieben zu wollen ist perfide", sagte der DJV-Bundesvorsitzende Michael Konken. In seiner Rücktrittserklärung hatte Guttenberg kritisiert, dass es in den Medien nur noch um seine Person und seine Doktorarbeit, nicht aber um getötete Soldaten in Afghanistan gegangen sei. Er begründete damit auch indirekt seinen Rücktritt, als er sagte: "Wenn es auf dem Rücken der Soldaten nur noch um meine Person gehen soll, kann ich das nicht mehr verantworten." Die Berichterstattung der Medien über die Doktorarbeit von zu Guttenberg sei "notwendig und unverzichtbar" gewesen, sagte Konken. "Hier ging es um nichts weniger als die Glaubwürdigkeit eines Ministers, der eines der wichtigsten Ressorts leitete. Ob er die Öffentlichkeit hinters Licht geführt hat, ist daher alles andere als eine Privatsache."

16:30 Uhr

Die Universität Bayreuth will weiterhin prüfen, ob Guttenberg mit seiner Doktorarbeit eine Täuschung begangen hat. Die Entscheidung habe nichts daran geändert, dass die Arbeit der Kommission zur Selbstkontrolle in der Wissenschaft "unabdingbar bleibt", sagte Universitätspräsident Rüdiger Bormann. Das Gremium werde insbesondere der Frage nachgehen, ob Guttenberg bei seiner Doktorarbeit vorsätzlich getäuscht habe und welche internen Konsequenzen zu ziehen seien. Die Universität erwarte, dass Guttenberg seine Ankündigung, er wolle sich an der Aufklärung der gegen ihn erhobenen Vorwürfe beteiligen, nunmehr in die Tat umsetze.

16:33 Uhr

Die Kölner Karnevalisten bedauern den Zeitpunkt des Rücktritts von Verteidigungsminister Guttenberg. Der fertige Motivwagen für den Rosenmontagszug mit einem riesigen Papp-Guttenberg muss jetzt entweder umgerüstet oder ausgemustert werden, sagt Sigrid Krebs, die Sprecherin des Festkomitees. „Der ist jetzt obsolet.“

17:12 Uhr

Für Omid Nouripour endet mit Guttenbergs Abgang eine "würgende Hängepartie". Der Grünen-Abgeordnete aus Frankfurt sagt zu "sueddeutsche.de", dass Kanzlerin Angela Merkel dieses dieses "Trauerspiel" längst hätte beenden müssen. Guttenbergs Nachfolger oder seine Nachfolgerin habe nun die Chance, "die Reform der Bundeswehr ohne Glanz und Glorie, aber dafür mit Solidität" erfolgreich zu beenden.

17:30 Uhr

Wie schon vor dem Rücktritt formiert sich breite Unterstützung für Guttenberg auch im Netz: Kurz nach der historischen Pressekonferenz gründet ein enttäuschter Facebook-Nutzer die Fan-Seite "Wir wollen Guttenberg zurück". Um 17 Uhr hat sie schon 38.000 Anhänger. Zum Vergleich: Bei sueddeutsche.de haben knapp 23.000 Nutzer den "Gefällt-mir"–Button gedrückt. Auf der neuen Guttenberg-Fan-Seite liefern sich die Unterstützer des Barons einen Wettkampf im Hauen und Stechen – auf die Opposition, die Politik an sich und die Medien. "Ganz ehrlich, ich könnte kotzen", schreibt etwa Anne. "Wir wissen es, er wird wieder kommen", Lorenz. "Ich möchte nicht wissen, wie oft die Linkspartei und die Grünen lügen bzw. uns hinters Licht führen/führten...", schreibt ein anderer. Die Empörung ist gewaltig und pro Minute gewinnt die Seite mehrere hundert Unterstützer dazu.

17:37 Uhr

Bedauern über den Rücktritt und Lob für Guttenberg kommt vom CSU-Bundestagsabgeordneten Paul Lehrieder. "Sicherlich hat er vereinzelt Fehler gemacht, auch in den letzten Wochen war manches unglücklich, wie er selbst eingeräumt hat", sagt der Parlamentier im Gespräch mit "sueddeutsche.de", allerdings hätten die positiven Eigenschaften des CSU-Stars überwogen. Lehrieder kommt wie Guttenberg aus Franken und ahnt: Der Minister a. D. werde der Union "als Zupferd in den Wahlkämpfen fehlen".

18:14 Uhr

Besonders unglücklich über den Abgang Guttenbergs scheint der Norbert Geis zu sein. Der CSU-Bundestagsabgeordnete greift die Medien scharf an: "Sie wollen ein Opfer", schreibt Geis in einer Stellungnahme für sueddeutsche.de. "Obwohl das Prüfungsverfahren der Universität Bayreuth noch nicht abgeschlossen ist, wird der Bundesminister auf ganzer Linie bekämpft und zum Teil niveaulos herabgewürdigt. Hier sehe ich demokratische Grundprinzipien verletzt."

19:13 Uhr

Der Auslöser der Plagiatsaffäre, Andreas Fischer-Lescano, hat sich zurückhaltend zum Amtsverzicht von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg geäußert. "Mir ging es immer darum, dass an Guttenberg die selben wissenschaftlichen Maßstäbe angelegt werden wie bei anderen Forschern auch. Und das musste den Verlust seines Doktortitels zur Folge haben", sagte der Bremer Juraprofessor der "Süddeutschen Zeitung". Guttenbergs Rücktritt selbst wolle er nicht bewerten. Fischer-Lescano hatte vor gut zwei Wochen die ersten abgeschriebenen Textstellen in Guttenbergs Doktorarbeit entdeckt und das Werk als "dreistes Plagiat" kritisiert. Er wirft dem CSU-Politiker vor, "systematisch verschleiert, plagiiert und getäuscht" zu haben. Seinen Rücktritt aber forderte er nie. "Ich habe Guttenberg immer aus der Perspektive kritischer Rechtswissenschaft betrachtet, die politischen Schlussfolgerungen müssen andere ziehen".