Karl-Theodor zu Guttenberg hatte Glück: Die Defizite seiner Vorgänger schenkten dem Minister Aufmerksamkeit. Doch seine Auftritte verströmen viel Glanz und wenig Substanz.
Freiherr Karl-Theodor zu Guttenberg hat eine besondere Begabung: Wo er hinkommt, steht er im Mittelpunkt. Das gilt natürlich bei Auftritten vor den Heerscharen seiner Fans, die in ihm unbedingt den Politikertyp sehen wollen, der Politik für sie wieder verständlich macht und glaubwürdig. Es gilt aber auch für seine Ämter in der Regierung.
Wo er hinkommt, steht er im Mittelpunkt: Karl-Theodor zu Guttenberg. (© Foto: dpa)
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So wie Guttenberg als Wirtschaftsminister Projektionsperson für die Debatte um staatliche Interventionen im freien Markt war, so ist er es nun für die Debatte um staatliche Interventionen mit militärischen Mitteln. Wo es um Guttenberg geht, geht es ums Grundsätzliche.
Die Aufmerksamkeit für den Minister erklärt sich in beiden Ämtern zunächst durch die Defizite seiner Vorgänger. Michael Glos war ein Wirtschaftsminister, der in der Öffentlichkeit keine Rolle spielte und in der Regierung nur die Aufgabe hatte, von der Kanzlerin nicht ernst genommen zu werden.
Franz Josef Jung war ein Verteidigungsminister, der wegen des Afghanistan-Einsatzes in der Öffentlichkeit eine Rolle spielen musste und von der Kanzlerin so ernst genommen wurde, dass sie ihn nach der Wahl versetzte. Bei beiden Vorgängern war schon die Berufung ins Amt ein Fehler, den zu widerlegen ihnen nie gelang.
Karl-Theodor zu Guttenberg hatte also zweimal das Glück, Ressorts zu übernehmen, in denen die Fußspuren seiner Vorgänger gar nicht zu groß sein konnten, weil es keine gab. Deshalb fiel es ihm auch leichter, sich entsprechend politischer Nützlichkeiten zu profilieren.
In jener Nacht der Opel-Rettung, die Guttenberg berühmt machte, votierte er gegen Kompromiss und Kredit zugunsten des Autobauers, was für Opel folgenlos blieb, nicht aber für Guttenberg. Der Minister stilisierte sich zum ordnungspolitischen Musterschüler, und die Gemeinde der selbsternannten Erben Ludwig Erhards dankte es ihm.
So ähnlich ging Guttenberg dann auch im neuen Amt vor, als er gleich zu Beginn den Musterschüler an der Spitze des Verteidigungsministeriums geben wollte und schon nach wenigen Tagen den Bombenangriff in Kundus für angemessen erklärte. Das oberste Prinzip war der Schutz der Truppe, und genau das erwartete man auch im neuen Haus. Der politische Verstand hätte ihm jedoch sagen müssen, dass die Legitimität eines so verheerenden Einsatzes nicht per Minister-Dekret herzustellen ist. Fehlende Berichte hin oder her.
Vier Wochen später musste Guttenberg im Bundestag nun das Gegenteil erklären. Diesmal war die Erwartung der Öffentlichkeit zu stark. Die Haltungsnoten waren wieder erstklassig. Guttenbergs Problem jedoch bleibt, dass seine Auftritte viel Glanz verströmen und keine Substanz. Der Minister hat bisher eher öfter falsch gelegen als richtig. Jedes Mal vertritt er seine Positionen mit einem Anspruch auf absolute Klarheit, ja Wahrheit. Das Merkwürdige ist nur: Wenn Guttenberg sich dann korrigieren muss, macht er es wieder so.
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(SZ vom 07.12.2009)
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Was gibt es denn gegen den kleinen Prinzen einzuwenden? Er macht doch seinen Job hervorragend!
Er hält so blöde Geschichten (wie die von den paar toten Zivilisten am anderen Ende der Welt) von seiner Kanzlerin fern. Er zeigt auch den Schwiegermüttern dieser Republik, dass es auch noch schöne Männer für ihre übrig gebliebenen Mauerblümchen gibt.
Insgesamt wird unser Kabinett viel schöner und jünger. Rösler, Köhler und Gutti - jetzt macht es endlich wieder Spaß, der Regierung zuzusehen! Was kümmern da schon so überbewertete Dinge, wie Inhalte oder Aussagen?
@carlotta.v
Ich gebe Ihnen Recht, dass man bei Rösler auf die politischen Inhaltsaussagen achten muss..
Bei Gutti geht das schon deshalb nicht,weil es keine gibt , die man ernsthaft unterstützen oder ablehnen kann - mit einer Ausnahme :
Gutti möchte die BW als "Normalität","Routine" weltweit ihre kriegerischen Fähigkeiten demomstrieren lassen.
Ich will aber weder den Kaiser noch Adolf wiederhaben.
Daher muss man da verdammt aufpassen.
Ich habe zwischen 16:30 und 17:00 Uhr einen Beitrag als Antwort auf @carlotta.v. geschrieben und abgesandt (2x), der hier überhaupt nicht auftaucht.
War er zu schlecht ? Kann ja sein,kann dann aber bitte eine dementsprechende Reaktion von Ihnen haben ?
Ein paar Monate lang hochgejubelt, fast taeglich ein Artikelchen, Bildchen aus New York, die Ernennung zum "Star" - und nun schon fast kritisches!
Tatsaechlich hat der Herr noch nichts getan, was es zu beurteilen gaebe, aber seine Wortblasen finde ich eher schlecht. Es war schoen, dass er seine erste Beurteilung (wie arrogant muss man sein, dass man glauben kann, das einem das zukommt?) zuruecknehmen musste, aber auch dabei zeigt er das Gegenteil von Groesse, indem er den schwarzen Peter gleich wieder anderen zuschob.
Er kann noch nicht ueber das Wasser laufen ! Nur das er aus der Masse der grauen Maeuse absticht,macht ihn bei einigen Lesern der Sueddeutschen suspeckt. Warum erfolgreiche Politiker kann man auf der linken Seite mit der Lupe suchen und es stoert einige das man nicht erst durch den linken Kader eine Karriere machen kann. Seine Zeit als Wirtschaftsminister war viel zu kurz als das man das ob gut oder Schlecht nicht beurteilen kann. Seine Zeit im Verteidigungsministerium hat erst begonnen,auf diesen undankbaren Schleudersessel sind schon viele heruntergefallen. Die Lage in Afghanistan ist alles andere als Gut,sie ist sehr schlecht und der Wiederaufbau stockt an allen Ecken und Enden. Da sind zu viele Einzelinteressen um etwas zu erreichen. Warscheinlich ist es so,das er daran auch Schuld hat, hauptsache man kann ihm was schlechtes nachsagen,das erfreud des linken Herz.
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