Versicherungskosten für Hebammen Es geht um eine vergleichsweise lächerliche Summe

Ingrid Fischbach von der CDU, im Gesundheitsministerium als parlamentarische Staatssekretärin für das heikle Thema zuständig, versucht das Problem etwas zu relativieren. Eine Umfrage in den Landkreisen habe ergeben, dass die Schwangeren im Schnitt nur 20 Kilometer bis zur nächsten Geburtsstation fahren müssten. Was allerdings den Frauen nicht hilft, die dann eben überdurchschnittlich weit entfernt wohnen.

Die CDU-Politikerin lobt dann auch lieber die Zwischenlösung, die der Bundestag vor kurzem beschlossen hat: Die Krankenkassen zahlen pro Geburt einen Zuschuss, mit dem die Hebammen die hohen Versicherungskosten abfedern können. Bis übernächstes Jahr sei damit die Situation erst einmal geklärt. Jetzt müssen sich nur noch die gesetzlichen Krankenkassen mit den Hebammen einigen.

Wenn die Geburtshilfe im Sterben liegt

Die Debatte um die Haftpflichtversicherung für freie Hebammen ist heute Thema im Bundestag. Dabei geht es um mehr als um berufliche Existenzen. Es geht vor allem darum, wie wir künftig Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett sehen wollen - als Krankheit oder als Beginn neuen Lebens. Von Barbara Vorsamer mehr ...

Sabine Schmuck sieht das anders. Viele Hebammen betreuen zwar Schwangere vor und nach, aber nur selten während der Geburt. Manche Hebammen auf dem Land kommen auf kaum mehr als zehn Geburten im Jahr. Die Zuschüsse pro Geburt reichen kaum, um die hohe Prämie zu finanzieren.

Nicht geklärt ist auch die Situation von Berufsanfängerinnen, die während der Geburt oft als Zweithebamme eingesetzt werden. Sie tragen das volle Haftungsrisiko, bekommen aber den Zuschuss nicht.

Schmuck will ohnehin ein ganz anderes System, weg von einer Berufshaftpflicht, die von Versicherungskonzerne angeboten wird. Sie will einen Haftungsfonds, der am besten aus Steuergeld gespeist wird. Grüne und Linke sind mit ihr auf einer Linie. Die große Koalition aber tut sich schwer mit der Idee. Sie will ihr Ziel eines ausgeglichenen Bundeshaushaltes nicht aus dem Blick verlieren. Die SPD kann der Idee zwar etwas abgewinnen - denkt sogar über einen Haftungsfonds für alle Heilberufe nach. Aber dafür müssten womöglich Steuern erhöht werden. Das will die Union unter allen Umständen vermeiden.

Vielleicht hilft diese Zahl den Politikern bei der Entscheidungsfindung: Deutschlandweit werden jedes Jahr etwa 700 000 Kinder geboren. Bei ungefähr 50 kommt es zu Schädigungen, für die die Berufshaftpflichtversicherungen der Hebammen eintreten müssen. Es geht um insgesamt etwas mehr als sechs Millionen Euro. Eine geradezu lächerlich geringe Summe angesichts des Bundeshaushaltes, der diese Woche mit einem Volumen von knapp 300 Milliarden Euro beschlossen wird.

"Die Frage ist", sagt Schmuck, "wer die Verantwortung trägt". Für sie ist die Antwort eindeutig: "Das geht uns alle an."