Verhältnis von CDU zu AfD Strategie des Totschweigens ist gescheitert

Die CDU freut sich über die Wahl in Brandenburg und Thüringen, aber langfristig ist das Ergebnis für sie ein Fanal. Die AfD hat sich rechts von ihr etabliert, indem sie ein existenzielles Gefühl der Wähler anspricht: Angst.

Von Anna Günther, Potsdam, und Robert Roßmann, Berlin

Michael Grosse-Brömer ist kein Mensch von Traurigkeit, den Mann kann noch nicht einmal das Dauer-Trauerspiel seines Hamburger Sportvereins erschüttern. Der parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion ist am Wahlabend der Erste, der für die CDU vor die Kameras tritt. Der HSV spielt da noch - und liegt mal wieder zurück. 0:2 gegen Hannover. Grosse-Brömer ficht das aber nicht besonders an. Schließlich hat dafür gerade seine CDU bei den Landtagswahlen 2:0 gewonnen, glaubt zumindest der Fraktionsgeschäftsführer.

In Thüringen habe die bisherige Ministerpräsidentin einen ganz klaren Wählerauftrag erhalten, so Grosse-Brömer. Die CDU habe zugelegt, die SPD sei "massiv abgestraft" worden. Deutlicher könne "der Wähler nicht sprechen". In Brandenburg wiederum habe die Linke verloren und die CDU - im Gegensatz zur SPD - klar dazugewonnen. Die Christdemokraten könnten mit den beiden Ergebnissen also sehr zufrieden sein.

CDU wird ohnmächtig darauf warten müssen, wie sich die SPD entscheidet

Aber ist dem wirklich so? Ist da nicht doch noch etwas geschehen, was die Selbstzufriedenheit nachhaltig stören könnte und was mit den drei Buchstaben zu tun hat, die Grosse-Brömer nur so ungern in den Mund nehmen mag: AfD?

Auf den ersten Blick kann sich die Bundes-CDU tatsächlich über den Wahlausgang freuen. Die Christdemokraten haben in beiden Ländern zugelegt. Dass dies trotz der neuen Konkurrenz von der AfD gelungen ist, ist zunächst einmal ein Erfolg. Am Ende kommt es aber nicht auf die reinen Prozentergebnisse an, sondern auf die Machtoptionen.

Warum die AfD alte Ängste bei CDU und CSU weckt

Die Wahlen in Thüringen und Brandenburg zeigen: Die AfD tut der Linken weh, sie tut der SPD weh und sie marginalisiert die FDP. Der Union aber setzt die AfD besonders zu. Die Linke dagegen ist demokratisch so stabilisiert, dass sie in Thüringen sogar den Ministerpräsidenten stellen könnte. Kommentar von Heribert Prantl mehr... Kommentar

In Brandenburg hat sich für die CDU durch den Zuwachs vom Sonntag nichts verändert. Sie ist weiterhin davon abhängig, dass Dietmar Woidke das Brautwerben der Christdemokraten erhört. Die CDU wird weitgehend ohnmächtig darauf warten müssen, ob sich der SPD-Ministerpräsident für die Linke oder die Christdemokraten als Koalitionspartner entscheidet. Es gibt angenehmere Situationen im politischen Leben. Außerdem hat die Bundestagswahl gezeigt, dass die CDU in Brandenburg eigentlich noch viel bessere Ergebnisse einfahren müsste. Vor einem Jahr holten die Christdemokraten noch neun der zehn Direktmandate und deklassierten die SPD.