Vereinte Nationen schlagen Alarm IS-Miliz setzt Kinder als Selbstmordattentäter ein

Die Vereinten Nationen werfen dem "Islamischen Staat" vor, Hunderte Kinder ermordet und verstümmelt zu haben oder als Kämpfer zu missbrauchen. Auch an die irakischen Regierungstruppen richten die UN Vorwürfe. In Bagdad steht inzwischen die neue Regierung.

  • Die UN-Beauftragte Leila Zerrougui wirft der Terrorgruppe "Islamischer Staat" vor, Hunderte Kinder getötet zu haben oder als Kämpfer einzusetzen.
  • Auch irakische Regierungstruppen sollen Minderjährige rekrutieren.
  • Haider al-Abadi wurde als neuer Ministerpräsident des Irak vereidigt. Der bisherige Premier Nuri al-Maliki wird Vizepräsident. Wichtige Posten in der Regierung sind noch unbesetzt.
  • USA begrüßen Regierungsbildung in Bagdad.

UN: IS-Milizen sind für Tod von Hunderten Kindern verantwortlich

Die Vereinten Nationen (UN) richten massive Anschuldigungen gegen die Kämpfer der Terrorgruppe "Islamischer Staat". Die UN-Beauftragte für Kinder in Kriegen, Leila Zerrougui, warf den IS-Milizen vor, Minderjährige als Selbstmordattentäter einzusetzen. Jungen von gerade einmal 13 Jahren würden vom IS angewiesen, Waffen zu tragen, strategisch wichtige Orte zu bewachen und Zivilisten festzunehmen, sagte Zerrougui vor dem UN-Sicherheitsrat in New York. Andere müssten Selbstmordanschläge verüben.

Seit Jahresbeginn wurden UN-Angaben zufolge im Irak bis zu 700 Kinder getötet oder verstümmelt. Die absolute Missachtung menschlichen Lebens von Terrorgruppen wie IS und Boko Haram (in Nigeria) erschüttere sie, sagte Zerrougui.

UN richten auch Vorwürfe an irakische Armee

Auch mit der irakischen Regierung verbündeten Milizen warf die UN-Gesandte vor, im Kampf gegen den IS Kindersoldaten zu rekrutieren. Die irakische Regierung habe zahlreiche Kinder festgenommen, von denen unklar sei, wo sie festgehalten würden.

Haider al-Abadi neuer Ministerpräsident des Irak

Inmitten der Kämpfe gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) wurde in der Hauptstadt Bagdad eine neue Regierung vereidigt. Die Mitglieder des neuen Kabinetts von Ministerpräsident Haider al-Abadi legten am Montagabend im Parlament ihren Amtseid ab, wie die unabhängige Nachrichtenseite Al-Sumaria News berichtete. Al-Abadi bezeichnete in seiner Antrittsrede den Kampf gegen die IS-Extremisten als wichtigste Aufgabe.

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Der seit den Wahlen im Frühjahr andauernde Machtkampf in der Hauptstadt Bagdad hatte letztlich auch den IS-Vormarsch in weiten Teile des Landes begünstigt. 1,6 Millionen Iraker sind mittlerweile nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR auf der Flucht vor den Extremisten.

Al-Abadi war Mitte August mit der Regierungsbildung beauftragt worden. Posten für das Innen- sowie das Verteidigungsressort wurden noch nicht vergeben. Al-Abadi habe sich eine weitere Woche Bedenkzeit für deren Besetzung erbeten, berichtete der irakische Fernsehsender Al-Sharqiya.

Al-Maliki wird Vizepräsident

Al-Maliki, der sich Anfang August zum Verzicht auf das Ministerpräsidentenamt bereiterklärt hatte, wurde zum neuen Vizepräsidenten ernannt. Der bisherige Regierungschef galt als Hemmnis für eine Aussöhnung der verschiedenen Volksgruppen im Land.

Insgesamt waren nach Al-Sharqiya unter Berufung auf Parlamentssprecher Salim al-Dschaburis 289 der 328 Abgeordneten zur Sitzung erschienen. Einige sunnitische Abgeordnete seien der Abstimmung aus Protest gegen die schiitische Partei Al-Abadis ferngeblieben. Zuvor hatte auch ein Streit mit kurdischen Abgeordneten die Regierungsbildung gefährdet. Die Parlamentarier wollten Al-Abadi mehr Zugeständnisse für die kurdische Autonomieregion im Nordirak abringen. Kurdische Peschmerga-Soldaten hatten in den vergangenen Wochen die Provinzen gegen IS-Angriffe verteidigt, nachdem irakische Truppen geflohen waren.

Washington gratuliert neuer Regierung in Bagdad

US-Präsident Barack Obama gratulierte dem neuen Ministerpräsidenten Al-Abadi telefonisch. US-Außenminister John Kerry lobte die Regierungsbildung als Eckpfeiler im Anti-IS-Kampf. Zugleich wies er darauf hin, dass dieser möglicherweise noch Monate oder Jahre dauern könne. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon rief dazu auf, das Regierungsprogramm, das die Belange aller Volksgruppen beachten soll, rasch umzusetzen.