USA: Anschlag auf Gabrielle Giffords Das Talent im Fadenkreuz

Mutig stritt die Demokratin Gabrielle Giffords für ihre Positionen. Doch im politisch aufgeheizten Bundesstaat Arizona wurde ihr die Unerschrockenheit zum Verhängnis. Trotz alarmierender Zwischenfälle in der Vergangenheit verzichtete sie bis zuletzt auf Personenschutz.

Für die renommierte politische Website Real Clear Politics war sie eine der zehn aufsteigenden "Power Player" im US-Kongress: Gabrielle Giffords galt vielen Beobachtern der politischen Szene als kommender Stern am Himmel der demokratischen Partei.

Die charismatische 40-Jährige hatte sich ihr Profil erarbeitet, als sie sich für die Gesundheitsreform von Präsident Barack Obama einsetzte, für das "Cap-and-Trade"-System, für das Stimulus-Paket. Die Demokratin bewies aber auch des Öfteren, dass sie eigene politische Vorstellungen hat, die mit der Parteilinie nicht vereinbar sind. So befürwortete sie stets das Recht eines jeden Bürgers, eine Waffe zu tragen - und sie äußerte massive Kritik an der Einwanderungspolitik der Regierung. Als ihr Bundesstaat Arizona das heftig umstrittene Einwanderungsgesetz verabschiedete, kritisierte es Giffords sogar als zu schwach: Es schütze die Grenzen nicht und unterbinde auch nicht den Drogenschmuggel.

Doch jene ihrer eindeutigen politischen Botschaften, mit denen sie auf demokratischer Linie war, brachten ihr im aufgeheizten Arizona nicht nur massive verbale Kritik ein. Schon vor dem Attentat am Samstag war es zu alarmierenden Zwischenfällen gekommen. Stunden nach der Verabschiedung der Gesundheitsreform in Washington wurde etwa die Scheibe ihres Wahlkreisbüros in Tucson eingeschlagen. Bei einer politischen Veranstaltung in einem Supermarkt tauchte ein aufgebrachter Bürger mit einer Waffe auf.

Doch Giffords hatte sich stets furchtlos gezeigt. In einem Interview mit MSNBC, das nach dem Angriff auf ihr Büro geführt wurde, verneinte sie die Frage des Moderators, ob sie nun Angst habe - und überzog die "unglaublich aufgeheizte Rhetorik" der Tea-Party-Bewegung und der Republikaner mit Kritik. Namentlich erwähnte sie die republikanische Rechtsaußenpolitikerin Sarah Palin, die in einer Grafik jene Bezirke mit Fadenkreuzen markiert hatte, in denen die demokratischen Volksvertreter für die Gesundheitsreform gestimmt hatten. "Wenn man so etwas tut, dann muss man auch wissen, dass es Konsequenzen haben kann", sagte Giffords damals.

Die 40-jährige, die 2006 als erste jüdische Frau für Arizona nach Washington ging, wollte sich von der teils üblen Hetze nicht einschüchtern lassen. Trotz der Bedenken ihrer Berater verzichtete sie bis zuletzt auf Sicherheitspersonal bei den "Townhall Meetings". "Sie wollte auf die Bürger so zugänglich wie möglich wirken", sagt Mark Kimble, ein Mitarbeiter aus ihrem Team. Giffords machte sogar Witze über die schießwütige Vergangenheit ihres Bezirks: "Wenn man einen Distrikt repräsentiert, zu dem die Wildwest-Stadt Tombstone gehört, dann überrascht einen nichts mehr."

Das Verbrechen, das ganz Amerika nun in Schockstarre versetzt hat, ereignete sich am Samstagvormittag im knapp 100 Kilometer entfernten Tucson, als Giffords mit politischen Anhängern vor einem Supermarkt sprach. "Es wurden zwischen 15 und 20 Schüsse abgefeuert", berichtete ein Augenzeuge. Der Täter habe die Abgeordnete aus nächster Nähe gezielt in den Kopf geschossen.

"Zorn, Hass, Bigotterie"

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