US-Wahlkampf im Internet Ein Obama-Pulli für den Hund

Die "pet lovers" zum Beispiel soll der Hund des Präsidenten überzeugen. US-Wahlstrategen umwerben inzwischen zielgenau kleinste Wählergruppen und wissen etwa: Wer Cognac trinkt, ist Demokrat, wer Becks bevorzugt, Republikaner. Möglich macht das die Datenspur im Internet.

Von Reymer Klüver, Washington

Bo ist ein drolliges, schwarz-weißes Fellknäuel mit Knopfaugen und hängender Zunge. Ein Portugiesischer Wasserhund und Barack Obamas neuester Wahlhelfer. "Bark for Barack - Bellen für Barack" steht auf blaugrundigen Magneten, die man sich aufs Auto kleben kann und die für die Wiederwahl des Präsidenten werben.

Wahlkampf für das Herrchen: Hund Bo und sein Besitzer US-Präsident Barack Obama.

(Foto: dpa)

Es gibt blau- weiß-rot gehaltene "Obama-Pullover" für Hunde, blaue Halsbänder für Katzen mit dem Aufdruck: "Ich miaue für Michelle" (die First Lady). Und wenn man im Internet zum Beispiel nach Hundefutter sucht, kann es einem glatt passieren, dass auf dem Bildschirm eine Anzeige mit dem Slogan aufpoppt: "Tierfreunde für Obama".

Obamas Wahlstrategen sind auf den Hund gekommen, auf den Hund des Präsidenten, um die "pet lovers", die Tierfreunde unter Amerikas Wählern, für ihren Mann zu gewinnen. Die sind indes bei weitem nicht die einzige Wählergruppe, die Obamas Helfer umschmeicheln. Es gibt Internetanzeigen (und Buttons und T-Shirts) etwa für Soldatenfamilien, für Krankenschwestern und sogar für junge Mütter (mit einem "Babys für Obama"-Strampler).

Microtargeting heißt das im amerikanischen Politslang, der Versuch, gezielt Wählergruppen zu umwerben. Das gibt es schon lange. Doch je raffinierter die Marketing-Methoden in Internet und Sozialen Medien werden, desto genauer lassen sich die Wähler ansprechen.

Die elektronische Datenspur ist gewaltig

Vor vier Jahren war die Obama-Wahlkampagne damit bereits hocherfolgreich. Diesmal umwirbt sie noch methodischer selbst kleinste Bevölkerungsgruppen, um das Wählerpotential des Präsidenten auszuschöpfen. Alle Umfragen deuten darauf hin, dass die Präsidentenwahl im November sehr knapp ausgeht. Wer da seine möglichen Wähler besser mobilisiert, könnte am Ende gewinnen.

Im Polit-Marketing wissen sie dank der gewaltigen elektronischen Datenspur, die jeder Amerikaner hinterlässt, ziemlich genau, wen sie ansprechen sollten. So tendieren zum Beispiel Subaru-, Volkswagen- und selbst Mercedes-Fahrer dazu, demokratisch zu wählen. BMW-, Porsche- und Landrover-Besitzer sind vielfach Republikaner. Wer CNN guckt, dürfte eher für Obama stimmen als die Fox-News-Zuschauer, die republikanisch gesinnt sind. Cognac-Liebhaber sind überwiegend Demokraten, Becks-Bier-Trinker mehrheitlich Republikaner.

Aus der Kombination einer Fülle solcher Daten (die zum Beispiel von Kreditkarten-Firmen kommerziell vertrieben werden) können die Wahlstrategen beider Lager inzwischen punktgenau ihre Zielgruppen definieren: Ein Mercedes-Fahrer, der Cognac trinkt und die New York Times abonniert und gerade im Internet nach Hundefutter sucht, ist der ideale Kandidat für den "Tierfreunde für Obama"-Pop-up auf dem Bildschirm.

Fast die Hälfte des Werbeetats für Internetwerbung

Allein im März gab Obamas Wahlkampagne fast die Hälfte ihres Werbeetats von 6,7 Millionen Dollar für Internetwerbung aus; das meiste davon ging in Microtargeting-Anzeigen. Thomas Edsall, Professor an der Journalistenschule der Columbia University in New York, nennt die immer gezieltere Wählerwerbung im Internet inzwischen "Nano-Targeting" und prophezeit, dass sie bis zur Wahl im November noch weiter auf die Spitze getrieben werden wird: "Je enger der Abstand zwischen Barack Obama und Mitt Romney wird, desto mehr Geld wird da hineinfließen."

Auch die Republikaner machen natürlich Mircrotargeting. Und sie umwerben auch die Tierfreunde. Doch hat ihr Kandidat da ein kleines Problem. Bei einem Wahlkampfauftritt hatte Mitt Romney nebenbei erzählt, dass er den Familienhund Seamus auf einer Fahrt in den Familienurlaub nach Kanada einmal zwölf Stunden im offenen Käfig auf dem Autodach transportiert hatte. Hundefreunde waren empört ob der tierischen Gewalttour, weshalb die Demokraten die Geschichte immer wieder gerne aufwärmen.

Die Republikaner haben sich allerdings gerächt. Sie weisen ihrerseits süffisant auf eine Passage in der Autobiographie des Präsidenten hin: Darin erzählt Obama, dass er als Kind Hundefleisch zu essen bekam - in Indonesien, wo er mit seiner Mutter lebte. Ein Glück, dass Bo im Weißen Haus wohnt.