US-Vorwahlen Was Donald Trump antreibt - und seine Anhänger fasziniert

Kann es angeblich besser: Donald Trump.

(Foto: AP)

Der Milliardär suggeriert: Ich kann es so viel besser als die schwachen, abstoßenden, korrupten Politiker, denen ihr sonst so unerbittlich ausgeliefert seid.

Von Nicolas Richter, New York

Eine klobige Maschine mit der Aufschrift "Trump" scheibt sich über den Belag

Wenn Donald Trump mal Präsident ist, verspricht er, dann wird es toll. Sagenhaft. Hier in New York City genießen sie die Früchte seines Könnens schon jetzt. Ein milder Wintertag; die Sonne scheint zwischen Wolkenkratzern hindurch in den Central Park.

Die Menschen kneten ungeduldig ihre Finger, treten von einem Bein aufs andere, besänftigen ihre Kinder. Noch ist die Eislaufbahn vor ihren Augen gesperrt: Eine klobige Maschine fährt dort lärmend im Kreis, beschriftet mit dem Wort "Trump" in großen roten Buchstaben; behäbig schiebt sie sich über den zerfurchten Belag, hobelt das Eis, saugt, spritzt und lässt schließlich eine feucht glänzende Fläche zurück, zu schön fast, um sie mit Kufen zu zerkratzen.

Es ist ein Geschenk für das Volk, von Donald Trump, dem Immobilienmogul. In den Achtzigern hat er von seinem Fenster im benachbarten Trump Tower aus verfolgen müssen, wie die Stadt daran scheiterte, die Eislaufbahn zu renovieren: Sie plante ewig, wählte die falsche Kühltechnik, die Baufirma verpanschte den Beton - das Desaster symbolisierte die Unregierbarkeit New Yorks. Als sechs Jahre und etliche Millionen Dollar verschwendet waren, hatte Trump, wie er damals erzählte, die Nase voll. Er reparierte die Anlage auf eigene Kosten binnen fünf Monaten. "Noch immer freut es mich", brüstete er sich später, "wenn ich im Wohnzimmer am Fenster stehe und Hunderte Schlittschuhfahrer auf der Eislaufbahn beobachte."

Die Leute lachen sich kaputt über Trump - aber er führt in den Umfragen

Wie alles im Leben des unzähmbaren Egozentrikers Donald Trump war das weniger Selbstlosigkeit als eine Investition: Er hatte angeblich bewiesen, dass er seine Mitmenschen erlösen konnte von Amtsträgern und Bürokraten. Es war sein erster Sieg in der Politik, nein, über die Politik, der Kern seiner politischen Identität: Ich kann es so viel besser als die schwachen, abstoßenden, korrupten Politiker, denen ihr sonst so unerbittlich ausgeliefert seid.

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Ein halbes Jahr also ist es her, dass sich Donald John Trump, 69, um das höchste Amt beworben hat; die Leute lachten sich kaputt über den narzisstischen Clown. Aber seit Monaten führt er in allen Umfragen für die republikanische Nominierung, und würde heute gewählt, wäre er der Kandidat für das Weiße Haus. Trump war immer wie New York. Dazu gehörte die in Teilen dieser Stadt typische, maßlose Gier nach Geld und Aufmerksamkeit, aber auch politische Mäßigung und der Wille, für gute Geschäfte mit jedem auszukommen.

Der "Trumpismus" wird dem Land wohl erhalten bleiben

Trump missbilligte die Radikalen in beiden Parteien, er spendete an Rechte wie Linke, verehrte Ronald Reagan, ließ Hillary Clinton zu seiner Hochzeit kommen. Ein Mann der Mitte, mehr Opportunist als Ideologe. Doch heute macht der Milliardär Stimmung gegen Ausländer, will Millionen Illegale ausweisen, allen Muslimen die Einreise verbieten, Moscheen schließen. Rivalen und Kritiker nennt er "schwach", "ahnungslos", "krank", "korrupt", "langweilig", "irrelevant", "dumm", "überbewertet", "unnütz", "inkompetent", "abstoßend". Nach jedem seiner Ausfälle hat man Trump das Ende prophezeit, aber sein Beleidigungswahlkampf ist selbsterhaltend.

Wie es auch ausgeht: Trumps Aufstieg wird die Geschichte dieser Wahl sein und der "Trumpismus" dem Land wohl erhalten bleiben als neue, ultra-populistische Art, Politik zu machen - oder sie zu ersetzen durch permanenten Krawall, am besten im 140-Zeichen-Twitter-Format. Wie die Eismaschine im Central Park hat Trump alle politischen Regeln und Gewissheiten weggehobelt. Aber Manhattan ist nur ein amerikanisches Milieu. Es gibt so viele andere entlang der Autobahn Interstate 80, die bis zum Pazifik führt und damit auch in den Mittleren Westen, wo sich Trump in Iowa nun der ersten Vorwahl stellt. New York bis Iowa - 1800 Kilometer, viel Schnee, viel Zorn, ein Land, das mit sich hadert, ob es diesen Milliardär ins Herz schließen soll oder ob es ihn schnell zurück in die Fifth Avenue schicken soll.

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