US-Vorwahlen der Republikaner Romney rüstet gegen die Hetzer

Die Parteibasis liebt den moderaten Mormonen nicht. Doch niemand sollte unterschätzen, wie heiß Sehnsucht und Ehrgeiz in Mitt Romney glühen. Der Mann will Obamas Job. Nach seinem Sieg in New Hampshire stehen die Chancen für ihn gut, zumindest gegen den amtierenden Präsidenten antreten zu dürfen. Wenn, ja wenn er die nun drohende Hetzkampagne im Süden übersteht.

Ein Kommentar von Christian Wernicke, Washington

Mitt Romney hat sein Ziel vor Augen. Und nur davon, nur von Barack Obama wollte der Republikaner reden in der Nacht, nachdem er die Vorwahl von New Hampshire gewonnen hatte: Der amtierende Präsident, so polterte Romney, stehe für Sozialneid und Amerikas Niedergang, der Demokrat sei nicht mehr als "ein Abweg von unserer Bestimmung". Er selbst, so der Aspirant, verkörpere hingegen den Aufbruch "der großartigsten Nation in der Geschichte der Erde". Und "die Sehnsucht nach Erfolg".

Niemand sollte unterschätzen, wie heiß Sehnsucht und Ehrgeiz in Romney glühen. Der Mann will Obamas Job, auch wenn viele seiner eigenen Parteifreunde nach wie vor nicht erkennen mögen, warum. Aber nach New Hampshire, dem nunmehr zweiten Sieg auf der zweiten Etappe der republikanischen Vorwahl-Tour, stehen die Chancen des Multimillionärs und Ex-Gouverneurs besser denn je. Nicht nur, weil er ein überragend starker Kandidat wäre, sondern weil seine fünf Konkurrenten allesamt schwächeln.

Romneys Konkurrenten sind "the freak and the weak" - der Kauz und die Schwachen. Auf Platz zwei in New Hampshire landete Ron Paul, der marktradikale Außenseiter und Isolationist, der die US-Zentralbank abschaffen und alle amerikanischen Soldaten heimholen will. Paul ist ein Guru mit Kult-Charakter bei jungen Wählern; ein wirklicher Konkurrent zu Romney ist er nicht.

Dasselbe gilt für Jon Huntsman, den Drittplatzierten. Obamas Ex-Botschafter in Peking beklagt (zu Recht) die ideologische Verbohrtheit seiner eigenen Partei, er plädiert für Räson und Kompromiss. Aber genau das macht ihn für den Bauch der nach rechts gerutschten Partei ähnlich unwählbar wie Ron Paul. Jon Huntsman verklärte seinen Achtungserfolg in Neuengland lyrisch zu einem "Ticket to Ride" nach South Carolina, einem Fahrschein zur nächsten Vorwahl im erzkonservativen Südstaat. Das war als Anspielung auf einen alten Hit der Beatles gemeint. Doch Huntsman vergaß offenbar, wie der Song weitergeht: "But she don't care" - der rechten Parteibasis ist dieser ebenfalls moderate Mormone schlicht gleichgültig.

Die übrigen drei Bewerber sind zwar allesamt stramme Konservative. Aber sie sind eben drei. Ergo zwei zu viel: Das alte Schlachtross Newt Gingrich, der katholische Ex-Senator Rick Santorum und (ja, immer noch dabei, trotz nur einem Prozent Stimmen in New Hampshire) Rick Perry, der Texaner, buhlen um dieselbe Klientel. Um jene Wähler nämlich, die zwar den vorgeblichen Teufel Obama aus dem Weißen Haus verjagen, aber nicht durch den moderaten Beelzebub Romney ersetzt sehen wollen.

Weil die drei sich erbittert um die Chance streiten, als Anti-Romney vielleicht die republikanische Präsidentschaftskandidatur zu gewinnen, dürfte der ungeliebte Favorit am Ende obsiegen. Wenn, ja wenn er die nun drohende, auf zehn Tage angelegte Hetzkampagne übersteht.

Härtetest für Romney

Am 21. Januar wählt South Carolina - und das verbreitet morastige Terrain ist berüchtigt für einen besonders schmutzigen, ja widerwärtigen Wahlkampfstil. Dort gelten sämtliche Mittel und Tricks, den Gegner und Parteifreund zu vernichten, als legitim. Allen voran Newt Gingrich hat sich vorgenommen, Romney zu zerstören: Mit allerlei düsteren Videos (und fünf Millionen Dollar Spendengeld eines Kasinobesitzers) will der frühere Kongressführer dem Yankee seine Vergangenheit als mutmaßliche Heuschrecke - als Spekulant und skrupelloser Hedgefonds-Manager - vorhalten. Klassenkampf unter selbsterklärten Erz-Kapitalisten, eine besondere Sumpfblüte dieser Kampagne.

Es wird ein Härtetest für Romney. Ohne Wunden wird er kaum davonkommen. Falls Romney verliert, dürfte South Carolina das republikanische Rennen zu einem Zweikampf zwischen ihm und einem konservativen Herausforderer verdichten (bei dem Ron Paul als außenseitiger Dritter nebenherliefe).

Falls Mitt Romney jedoch die Schlammschlacht durchsteht und auch die dritte republikanische Etappe gewinnt, könnte das Rennen schon Ende des Monats auf die Zielgerade gehen. Dann dürfte bereits Florida, die vierte Vorwahl, Romneys "Sehnsucht nach Erfolg" befriedigen. Für einen Moment wenigstens. Dann begänne die eigentliche Schlacht: Der Lagerwahlkampf mit Obama, den einige Republikaner bereits lüstern mit der US-Wahl von 1860 vergleichen. Das verheißt viele Abwege - und nur vage Bestimmung. Zu Erinnerung: 1861 begann der Amerikanische Bürgerkrieg.