US-Vorwahl in Iowa Die Republikaner werden sich hinter Rubio scharen

Rubio beim Wahlkampf in Des Moines, Iowa

(Foto: AFP)

Der Drittplatzierte von Iowa hat einen immensen Vorteil gegenüber dem Brüllaffen Trump und dem rechten Ideologen Cruz.

Kommentar von Reymer Klüver

Gewiss, gemessen an der Zahl der Delegierten, die Iowa bei den Wahlparteitagen stellt, auf denen Demokraten und Republikaner offiziell ihre Präsidentschaftsbewerber bestimmen, ist das Gewicht des Bundesstaats im Mittleren Westen der Vereinigten Staaten minimal. Gerade einmal ein Prozent bringt Iowa in die Waagschale. Doch ist die Signalwirkung dieser ersten Vorwahl immens. Und ihre Aussage überraschend eindeutig. Zumindest auf Seiten der Republikaner.

Eines kann man nach dieser Wahl getrost sagen: Donald Trump wird nicht Präsident der Vereinigten Staaten. Er wird nicht einmal Präsidentschaftskandidat der Republikaner.

Trump hätte in Iowa siegen müssen. Er hätte überzeugend gewinnen müssen, um zu demonstrieren, dass er mehr ist als ein Großmaul und Krawallmacher, mehr als ein Showman. Dass er im Stande ist, Koalitionen der verschiedenen Grundströmungen in seiner Partei zu schmieden. Das hat er nicht vermocht. Er hat zu viele unter den kreuzbraven konservativen Wählern dieses ländlichen Bundesstaats verschreckt und die Partei nachhaltig polarisiert.

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Gewiss hat Trump ein Wählerpotenzial, und kein ganz geringes. Es sind diejenigen, die das Gefühl haben, dass sie im heutigen Amerika zu kurz kommen, in den bunten, multikulturellen Vereinigten Staaten des 21. Jahrhunderts. Es sind diejenigen, die in den vergangenen drei Jahrzehnten immer weniger Anteil am immensen Wohlstand der USA hatten und die sich ironischerweise einen Mann zu ihrem Sprachrohr ausgesucht haben, der wie wenige von dieser Umverteilung profitiert hat. Doch Trump hat dieses Potenzial ausgereizt. Bei den anderen Gruppierungen der Partei macht er keinen Stich: Den rechten Christen bleibt er suspekt, den konservativen Mainstream wird er ohnehin nie überzeugen können. Er hat in seiner Partei keine Mehrheit, geschweige denn in Amerika.

Cruz fällt als mehrheitsfähiger Kandidat aus

Das gilt auch für den Sieger von Iowa, den erzkonservativen, bibelfesten Senator Ted Cruz. Seinen Triumph verdankt er einer formidablen Wahlkampfmaschine mit zahlreichen Helfern, die es verstanden haben, die zahlreichen evangelikalen Republikaner zu mobilisieren. Diesen Erfolg wird er nicht oft wiederholen können: Sein Wahlkampfapparat ist nirgendwo so gut aufgestellt, wie er es in Iowa war. Vor allem ist die Wählerschaft nur in wenigen Bundesstaaten so von evangelikalen Wählern dominiert wie im Hawkeye State. Damit fällt auch Cruz als mehrheitsfähiger Präsidentschaftskandidat bei den Republikanern aus.

Als der dürfte sich nach dieser Wahl Marco Rubio erweisen. Sein überraschend klarer dritter Platz, nur einen Prozentpunkt hinter Trump, hat ihn in eine Position katapultiert, die ihn direkt zur Präsidentschaftskandidatur der Republikaner führen könnte. Rubio ist nicht weniger bibelfest als Cruz, in seinen politischen Positionen kaum weniger reaktionär. Aber er hat sich in den vergangenen Monaten als geschmeidiger erwiesen. Er kann das, was Trump und Cruz niemals könnten: die Lager seiner Partei zusammenführen. Das wird ihm in den kommenden Wochen die Unterstützung des Partei-Establishments bringen. Rubio wird der Mann sein, hinter dem die Partei sich schart.

Und er hat einen immensen Vorteil gegenüber dem Brüllaffen Trump und dem rechten Ideologen Cruz: Er wäre für die Mitte Amerikas wählbar, im Rennen gegen die Demokratin Hillary Clinton (denn sie wird trotz des Achtungserfolgs des 74-jährigen Politveteranen Bernie Sanders am Ende die Kandidatin der Demokraten sein). Er ist jung, smart und flexibel. In den vergangenen Präsidentschaftswahlkämpfen haben sich die Republikaner am Ende stets für den Kandidaten entschieden, der zumindest die Chance hatte, diese Mitte des Landes zu gewinnen. Nach dem Flirt mit dem Desaster Trump werden die Republikaner das auch diesmal tun. Und Marco Rubio hat nun die beste Aussicht, ihr Kandidat zu sein.