US-Republikaner Sieben Videos, die das Phänomen Ted Cruz erklären

Standbild aus dem Entenjagd-Video mit Phil Robertson, Schwulenhasser und Star der Reality-TV-Show "Duck Dynasty"

(Foto: AP)

Er ist die Nummer zwei im Wahlkampf der Republikaner - und der Grund, warum Donald Trump Sarah Palin braucht. Eine Annäherung an Ted Cruz.

Von Matthias Kolb, Washington

Die aufregendste Geschichte im US-Wahlkampf 2016 ist fraglos der Erfolg von Donald Trump, der in unzähligen Artikeln und Social-Media-Posts debattiert wird. Jetzt hat er sich auch noch die Tea-Party-Ikone Sarah Palin an die Seite geholt, um Konkurrent Ted Cruz zwei Wochen vor der Vorwahl im eher konservativen Iowa zu schwächen.

Es ist verblüffend, dass ausgerechnet Cruz in Umfragen derzeit auf Platz zwei liegt. Denn der Tea-Party-Star aus Texas ist eigentlich selbst für die konservative Basis viel zu radikal: Er will die Steuerbehörde abschaffen, er lehnt die Homo-Ehe strikt ab und will den IS "bombardieren, bis der Sand glüht". Legendär ist die Abneigung vieler Republikaner für Cruz: John Boehner, Ex-Chef des Repräsentantenhauses, nannte ihn "Vollidiot", und auch John McCain hält Cruz' Kompromisslosigkeit, die sich mit einem enormen Egoismus paart, für "verrückt" - und beschimpfte ihn als wacko bird.

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Der Aufstieg von Cruz, der in Umfragen auf 20 Prozent kommt, illustriert, wie extrem die US-Republikaner geworden sind. So absurd viele Sprüche und Aktionen von Cruz auf Europäer oder liberale Großstädter wirken: Es gibt im konservativen Amerika viele, die den Texaner für eine Retterfigur halten.

Anhand von sieben, fast immer kurzen, Videos lässt sich jedoch erklären, wieso Cruz gute Chancen hat, von den Republikanern als Kandidat nominiert zu werden.

Bacon, Texas-Style (1 Minute)

Dieser Clip machte Cruz im August in Europa bekannt. Darin schwärmt er vom Frühstück mit der Familie und zeigt dann, wie er den Schinken für die Eier am liebsten präpariert: mit einem Sturmgewehr. Der Bacon wird um den Lauf gewickelt, Alufolie drum und nach dem Geballere ist er fertig, der machine gun bacon (obwohl es doch gar kein machine gun war). Das Entsetzen vieler Kommentatoren war groß, doch die Cruz-Fans feiern ihn, weil er den "politisch korrekten" Medien gezeigt habe, was echte Amerikaner so machen.

Entenjagd mit Reality-TV-Star (1 Minute)

Wie gern Cruz Pistolen und Gewehre mag, wissen wir nun. Das im Second Amendment der Verfassung garantierte Recht auf Waffenbesitz verteidigt der 45-Jährige kompromisslos: Obama wolle eigentlich alle Waffen der US-Bürger konfiszieren. Nachdem der US-Präsident im Alleingang strengere Regeln verkündet hat, reist er nach Louisiana - und schießt in Tarnkleidung auf Enten. An seiner Seite: Phil Robertson, Star der Reality-TV-Show "Duck Dynasty" und bekennender Schwulenhasser. Die Unterstützung des "Duck Commander" freut Cruz: "Die Robertsons sind großartige Christen und inspirieren mich."

3. Attacke gegen Trump und dessen "Birther"-Theorie (7:40 Minuten)

Die ersten Videos zeigen, wie genau Cruz weiß, was seine wütenden - und oft sehr religiösen - Anhänger bewegt. Doch es ist seine Intelligenz, die den Senator für seine Rivalen so gefährlich macht. Als texanischer Generalstaatsanwalt argumentierte er mehrmals vor dem Obersten Gerichtshof und so fällt es ihm leicht, Donald Trump in der TV-Debatte in die Enge zu treiben. Natürlich könne er Präsident werden, obwohl er in Kanada geboren wurde - und Trump spreche das "Birther"-Thema nur an, weil er in Umfragen zulege. Auch wer mit Cruz' Programm nicht übereinstimmt, muss zugeben: Er hat beim Debattierclub in Princeton gelernt, wie man redet und argumentiert.

Zu Gast bei Stephen Colbert (4:30 Minuten)

Für einen erzkonservativen Republikaner, der für seine Vorschläge und Dauer-Filibuster-Reden gegen Obamacare von Jon Stewart und Co. verspottet wurde, taucht Ted Cruz häufig in Late-Night-Talkshows auf. Dort ist er schlagfertig und wirkt - etwa im Vergleich zu Jeb Bush - ziemlich entspannt. Auch wenn er, wie hier bei Stephen Colbert, vom New Yorker Publikum ausgebuht wird: Er verdient sich zumindest Respekt, weil er sich der Debatte stellt.

Niemand mag Lobbyisten und Journalisten (1 Minute)

Wenn er sich an die Basis wendet, dann inszeniert sich Cruz gern als Erbe von Ronald Reagan und schimpft über die bedrohlichen, weil sehr liberalen "New Yorker Werte" - und gibt Trump wieder einen mit (auch das könnte ein Grund sein, warum Trump sich die Unterstützung der aus Alaska kommenden Palin sicherte). Wenn die New York Times enthüllt, dass Cruz während seiner Kandidatur für den Senat 2012 Bank-Kredite verschwieg, dann ist das eine gemeine "Auftragsarbeit". Wer als Republikaner auf die Medien schimpft, wird bejubelt. Dieses Video kombiniert zwei populäre Motive: Cruz zeigt in Sachen Zuwanderung Stärke und wirft Lobbyisten und Journalisten vor, sie seien hier nur deswegen so tolerant, weil ihre Jobs dadurch nicht gefährdet würden.

Auch Republikaner lieben die Simpsons (1 Minute)

Das Cruz-Team versteht es mit am besten, soziale Netzwerke wie Twitter zu nutzen. Häufig werden GIFs oder kleine Clips gepostet, um die Gegner zu verspotten. Doch auch Ted Cruz kennt zumindest Teile der US-Popkultur: Während des Wahlkampfs und in diesem Buzzfeed-Video erzählt er Szenen der Simpsons nach - mit verstellter Stimme. Da ist zwar noch Luft nach oben, aber auch hier bricht er selbstironisch mit dem Image des stocksteifen Hardliners.

7. Gläubiger Familienvater mit konservativen Werten (30 Minuten)

Ted Cruz war Ende März 2015 der Erste, der offiziell ins Rennen um das Weiße Haus einstieg. Er verkündete seine Kandidatur an der Liberty University, der größten christlichen Universität der Welt, in einer halbstündigen Rede. Wer also wissen will, wie sich der Senator aus Texas am liebsten vorstellt - als liebender Ehemann, Vater zweier Töchter und unerschütterlicher Konservativer -, der schaut hier mal rein.