Es ist so eine Sache mit dem Verfassungsschutz: Seine Arbeit wird ohnehin von vielen kritisch beäugt. Jetzt wurde bekannt, dass er Abgeordnete der Linken im Bundestag überwacht - von den Neonazi-Morden aber will er nichts mitbekommen haben. Wieder einmal beschäftigt sich ein Untersuchungsausschuss mit dem Inlands-Geheimdienst. Doch diesmal geht es um die Daseinsberechtigung des Verfassungsschutzes überhaupt und um die Frage: Ist er nur überflüssig - oder gefährlich?
Der Verfassungsschutz steht zur Verfassung in einem sonderbaren Verhältnis. Das Grundgesetz genießt Vertrauen, es wird geachtet, geschätzt, ja geliebt; die Grundrechte sind den Deutschen so lieb wie die Blumen in ihrem Vorgarten. Die Verfassung hat einen Platz im Herzen der Menschen. Vom Verfassungsschutz kann man das nicht sagen. Er wird nicht geliebt, nicht geschätzt, kaum geachtet, seine Arbeit wird mit Misstrauen beäugt.
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Die - größtenteils geschwärzte - Akte von Gregor Gysi. Der Linke-Politiker stand unter Beobachtung des Verfassungsschutzes. (© dpa)
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Woran liegt es, dass der Verfassungsschutz den meisten Bürgern suspekt ist? An der Verfassung kann es nicht liegen. Es muss also an den Schützern liegen - und daran, dass mit dem Namen etwas nicht stimmt.
Verfassungsschutz: Das ist ein irreführender, ein falscher Name. Falschnamen gehören in die Welt der Geheimdienste. Und Verfassungsschutz ist der Falschname für den deutschen Inlands-Geheimdienst. Man tut damit so, als sei er so etwas Ähnliches wie das Verfassungsgericht. Das ist eine Anmaßung. Alljährlich präsentiert der Bundesinnenminister einen "Verfassungsschutzbericht", und er tritt dabei auf, als verkünde er ein höchstrichterliches Urteil. Es handelt sich aber nur um die von ihm redigierten Tätigkeitsberichte des Inlandsgeheimdienstes, die man - wie man seit der neonazistischen Mordserie weiß - insoweit auch Untätigkeitsberichte nennen kann.
Der galoppierende Irrtum
Der Verfassungsschutz ist kein Verfassungsorgan, sondern ein Behördenkonglomerat, das im Geheimen operiert, von der Regierungspolitik dirigiert wird und von der Justiz nicht kontrolliert werden darf - dessen Überwachungskompetenzen in den vergangenen zehn Jahren aber erheblich ausgeweitet worden sind. Das passt nicht zu der Offenheit, die eine Demokratie auszeichnen soll, und nicht zu der Rechtsstaatlichkeit, deren sich die Bundesrepublik rühmt.
Dafür passt das Agieren des Verfassungsschutzes zu den Vorurteilen, gegen die er sich vergeblich wehrt, weil er sie selber bestätigt: dass er auf dem linken Auge scharf-, aber auf dem rechten fehlsichtig sei. Jüngst ist öffentlich geworden, dass der Verfassungsschutz Abgeordnete der Linken im Bundestag überwacht. Wenige Wochen vorher waren die zehn Morde der Neonazis bekannt geworden, von denen der Verfassungsschutz nichts mitbekommen hat oder nichts mitbekommen haben will. Ein Untersuchungsausschuss des Bundestages, soeben zusammengetreten, soll klären, wie das geschehen konnte.
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Studie von UN-Kinderhilfswerk
Wieder ein super Artikel von Heribert Prantl, der die Vergangenheit ausleuchtet - leider auch nicht alles sagt.
Der Verfassugsschutz war anfangs eine geheime Einrichtung der Amerikaner nach dem Krieg (schnüffeln gegen Kommunisten) und wurde 1950 von den Deutschen selbst übernommen.
In diesen arbeiteten vom Staat übernommene ehemalige Gestapo Mitarbeiter und nach der Wende übernahm dieser auch ehemalige DDR-Agenten.
Der sog. Verfassungsschutz arbeitete von Anfang an linksorientiert gegen Kommunisten und Sozialisten. Das sind die "hängen gebliebenen Feindbilder" der Verganenheit. Sie werden von allen C-Parteien in dieser Richtung unterstützt, weil diese selbst immer rechts bis ultrarechts gestanden hatten und noch stehen. Ebenso gehören auch beide Kirchen dazu.
Hinzu kommt, was meistens vergessen wird, die sehr schlechte Aufarbeitung der Entnazifizierung. Mit der Amnestie der Nazi-Aktivisten in 1951 GG Artikel 131 konnten sich alle wieder ihrer Rechtschaffenheit erfreuen. Sie hatten nichts Unrechtes getan. Sogar nachweisbare Naziverbrecher wurden von Kirchen und Staat als Opfer einer Siegermacht dargestellt und Begnadigungen eingefordert.
In dieser Zeit wurde das Recht nicht vom Kopf auf die Füße gestellt, sondern weiter auf dem kopfstehend beibehalten.
Dass uns jetzt, 60 Jahre danach, in denen keine wesentlichen Veränderungen im Denken des Personals des Verfassungsschutzes und der C-Parteien nachweisbar stattgefunden hat - wie Prantls Bericht und der Umgang mit den Linken zeigen - muss es nicht verwundern, wenn sie heute noch so arbeiten dürfen wie gestern und vorgestern.
(Beleg dafür auch ein kleines Buch von Ernst Klee: Persilscheine und falsche Pässe. Wie die Kirchen den Nazis halfen).
Die Aussage "Das Innenministerium was seit dem Krieg von Rechten beherrscht" mag für Bayern zutreffen, nicht jedoch für die Bundesebene.
Der erste Bundesinnenminister war ein CDU-Politiker namens Gustav Heinemann. Der fiel 1950 in Ungnade bei Adenauer, weil er als Pazifist und Veteran der Bekennenden Kirche gegen die Wiederbewaffnung war, obwohl das seinem früheren Arbeitgeber, der Rheinstahl in Düsseldorf, bei der er im Vorstand gewesen war, lukrative Aufträge sicherte. Heinemann wurde daraufhin selber "verdächtig" und vom Verfassungsschutz observiert, weil er sich gegen die Hetzjagd auf Kommunisten wehrte und einige sogar vor Gericht verteidigte.
Auch Gerhart Baum von der FDP war kein Rechter. Wir hatten Glück, dass 1977 Baum Innenminister und Hans-Jochen Vogel Justizminister waren, sonst hätten die Fanatiker von der RAF tatsächlich geschafft, die Bundesrepublik in die faschistische Diktatur zu verwandeln, die sie damals herbeibomben wollten. Und einen Bundeskanzler, der als junger Offizier selber den Terror des Volksgerichtshofs erlebt hatte. So konnte sich Franz Josef mit seinen abstrusen Auge- um -Auge- Zahn um Zahn Ideen gottseidank nicht durchsetzen.
Leider hatten wir 1998-2005 unter Schröder keinen liberalen Innenminister, sondern einen Machtopportunisten mit 68er-Neurose, der päpstlicher als der Papst sein wollte und noch gnadenloser als die CSU.
Das eigentliche Problem mit den Geheimdiensten ist es ja gerade, dass es nicht möglich ist, zu beurteilen, was in diesen völlig abgeschlossenen Parallelwelten vor sich geht. Es gehört ja gerade zu diesem Handwerk, zu täuschen, zu vernebeln, falsche Spuren zu legen und zu lügen um die Ziele, wer immer diese formuliert und bewertet, zu erreichen. Es ist also das genaue Gegenteil von Demokratie, denn diese braucht klare und durchschaubare Strukturen. Statt dessen wurden offenbar höchst gefährliche Neonazis mit Geld und falschen Papieren ausgestattet oder sollten es werden. Wirklich jeder konnte sich ohne großen Aufwand ein Bild von der Hass geprägten, höchst aggressiven, Neonazi-Szene machen. Nicht so die angeblich heldenhaften Beschützer der Grundlage unseres Staates. Diese „Dienste“ haben zum wiederholten Male bewiesen, dass sie sich der Kontrolle lieber entziehen und Parteipolitik zu ihrer Aufgabe machen.
Es gibt absolut keinen erkennbaren Nutzen, den dieser Staat von derartigen Institutionen hat. Sie scheinen also eher eine Gefahr darzustellen und fördern zumindest das Misstrauen gegenüber dem Staat und seinen Institutionen.
Die dort beschäftigten Beamten kann man ja umschulen und bei der Steuerfahndung, Zollfahndung oder in den Landeskriminalämtern beschäftigen. Um den Schutz unserer Verfassung kann sich NUR die Zivilgesellschaft kümmern und keine noch so effizient arbeitende Behörde. Eine staatliche Bürokratie wird immer von den herrschenden Partei-Oligarchen dazu missbraucht, die eigenen Leute zu versorgen und den politischen Gegner zu bekämpfen. Das liegt nicht am bösen Willen der Akteure, das ist ein grundsätzlicher Fehler des Behörden-Systems und eine Folge der Staatsgläubigkeit.
Wenn es hierzulande an Demokraten mangelt, dann nützen auch keine Behörden. Dann macht halt der Letzte das Licht aus und übergibt den Hausschlüssel an die Neonazis.
Allerdings könnte es schwer werden noch Neonazis zu finden, wenn die staatliche Finanzierung durch die V-Leute wegfällt...
gestern sind sie ja echt zur Hochform aufgelaufen, bei JAUCH. Sie hatten völlig Recht mit Ihrer Feststellung es fehlt nicht viel und er VS wird zur Gefahr für unsere Demokratire. Der vormalige Chef dieser Schlapphutorganisation, kam mir vor als ob er leicht neben der Spur lief. Zu den Gästen Dobrindt und der Wendehalsdame fällt einem sowieso nicht mehr ein.
Auch Ihre Feststellung das es sich um eine Instition des kalten Krieges handelt, traf den "Nagel auf den Kopf", doch wer schaltet die Späher, die nach links treten und nach rechts einen Schmusekurs fahren endlich mal ab? Wohl keiner das ist das eigentlich tragische.
Paging