UN-Bericht UN melden so viele Vertriebene und Flüchtlinge wie noch nie

Aufgrund von anhaltender Gewalt und einer Hungersnot ist die Zahl der Flüchtlinge im Südsudan 2016 am stärksten angestiegen.

(Foto: dpa)
  • 65,6 Millionen Menschen waren 2016 auf der Flucht.
  • Eine so hohe Zahl hat das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen in seinen jährlichen Berichten zuvor noch nicht registriert.
Von Olivia Kortas und Marie Kilg (Grafiken)

Krieg, Gewalt und Verfolgung machten es im vergangenen Jahr 65,6 Millionen Menschen unmöglich, in ihrer Heimat zu leben. Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) stellte die Zahl an diesem Montag in Genf in einem jährlichen Bericht vor.

Die Zahl der Flüchtlinge steigt bereits seit zwei Jahrzehnten. Aufgrund des Syrienkonflikts war der Anstieg besonders stark zwischen 2012 und 2015. Laut dem Flüchtlingshilfswerk hat sie 2016 den höchsten jemals registrierten Stand erreicht. Es waren weltweit 300 000 Menschen mehr entwurzelt als im Vorjahr.

Etwa ein Drittel der 65,6 Millionen Menschen suchten Ende 2016 als Flüchtlinge in anderen Ländern Schutz. Viele kamen in der Türkei, Pakistan, Uganda und Äthiopien unter. Gut 40 Millionen der Vertriebenen blieben als Binnenflüchtlinge innerhalb der eigenen Landesgrenzen.

Alleine im vergangenen Jahr verließen 10,3 Millionen Menschen neu ihre Heimat. Davon lebten Ende des Jahres 6,9 Millionen innerhalb der Grenzen ihres Landes, 3,4 Millionen überquerten die Grenzen und wurden als Flüchtlinge und Asylsuchende registriert.

Dabei kam ein großer Teil der Flüchtlinge 2016 aus nur drei Ländern: Syrien (5,5 Millionen), Afghanistan (2,5 Millionen) und Südsudan (1,4 Millionen). Mehr als die Hälfte der Syrer war 2016 auf der Flucht oder vertrieben worden, innerhalb und außerhalb der Landesgrenzen.

Am schnellsten stieg 2016 die Zahl der Flüchtlinge im Südsudan an. Wegen der anhaltenden Gewalt und der Hungersnot wuchs die Gruppe derer, die das Land verlassen, in der zweiten Hälfte des Jahres um 64 Prozent auf 1,4 Millionen. Die meisten von ihnen waren Kinder.

Es flüchteten im vergangenen Jahr nicht nur mehr Menschen, es kehrten auch mehr Menschen als je zuvor registriert wieder in ihre Heimat zurück - unter "oft nicht idealen Bedingungen", wie UNHCR schreibt. Das Flüchtlingshilfswerk berichtet von 552 200 Rückkehrern, die meisten von ihnen Afghanen. Die Zahl ist doppelt so groß wie noch 2015 - dennoch bleibt sie in Anbetracht der hohen Flüchtlingszahlen verschwindend klein.

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